Bei Panikattacken hört der Spass auf Heidi, lass die Mädchen in Ruhe!

Heidi Klum konfrontiert in der Sendung «Germany's next Topmodel» ihre Nachwuchs-Models mit ihren grössten Ängsten, zwingt sie Dinge zu tun, die sie partout nicht wollen. Dabei nimmt sie die Mädchen nicht ernst und verharmlost ihre Panik. Ein Kommentar.
Heidi Klum Statement GNTM Finale 2015 Bombendrohung
© Getty Images

Heidi Klum nimmt die Ängst ihrer Kandidatinnen nicht ernst.

Gestern war es mal wieder fast so weit: Ich wäre am liebsten vom Sofa aufgesprungen und hätte Heidi Klum gerne durch den Fernseher hindurch gewürgt! Grund für meinen Wutausbruch: das Unterwasser-Shooting in der letzten Folge von «Germany's next Topmodel».

Auf dem Boden eines Schwimmbeckens sind ein Tisch und ein paar Stühle aufgestellt. Die Mädchen müssen sich unter Wasser halten und in opulenten Roben posieren. Falls ihnen die Luft ausgeht, kommt ein Taucher mit einer Sauerstoffflasche. Alles ganz easy, glaubt Heidi Klum

Kandidatin Céline sieht das allerdings etwas anders. Es nicht so, dass sie sich im Wasser unwohl fühlt. Nein. Sie hat Panik. Und das sieht man - selbst wenn man soviel Mascara trägt wie Heidi Klum. Interessieren tut es die Model-Mama aber nicht.

Als das erst 18-jährige Mädchen weinend wieder auftaucht, schreit Heidi: «Tut etwas weh? Nein, ist nur ein ein komisches Gefühl.» Die Klum verkennt hier das Problem. Denn weh tut Céline vermutlich ja wirklich nichts. Dieses beklemmende Gefühl, den Wunsch per sofort aus dieser Welt zu verschwinden, nur um der Angst zu entfliehen, als «komisch» zu bezeichnen, ist mehr als nur ignorant. Denn wer Panikattacken oder Angstzustände kennt, würde sie vermutlich gegen jeden Schmerz der Welt eintauschen. 

«Jetzt machst du Panik»

Auch Sabine kämpft mit dem Wasser, kann nicht lange unter Wasser bleiben aus Angst unter zu gehen. «Jetzt machst du Panik», sagt Heidi zu ihr - als wäre Panik etwas, das man aktiv tut oder sich bewusst dafür entscheidet! 

Als Céline aufgibt, sagt Heidi in ihrem bemutterndem Tonfall: «Das war ein bisschen hart für dich da drin. Beruhig dich ein bisschen, dann probieren wir es nachher nochmal.» Als wäre Céline gerade vom Velo gefallen. Mehr Fehleinschätzung der Situation geht nicht.

Doch Céline reisst sich zusammen und versucht es ein zweites Mal - was sie das an Kraft gekostet hat, will ich mir gar nicht ausmalen. Als Heidi ihr dann beim Posieren sagt: «Mach schöne Füsse, mach schöne Füsse!», schlägt das dem Fass den Boden aus! 

Heidi Klum übt Druck auf die Mädchen aus

Auch Heidis Versuche, die Mädchen zu motivieren, ist mehr als fragwürdig. «Wir müssen jetzt langsam mal machen, sonst haben wir dann kein Bild», sagt Heidi zu Sabine. Druck hat vermutlich in einer solch beängstigenden Situation noch keinem geholfen. 

Natürlich passiert so etwas nicht zum ersten Mal. Die «GNTM»-Macher schlachten seit zwölf Staffeln die Ängste der Kandidatinnen aus: Spinnen, Schlangen, Höhe, Wasser. Und da Angst per se nichts Lustiges ist, setzt man noch einen drauf und lässt die Mädchen wie hysterische Hühner aussehen.  

Ja, Konfrontation kann bei Angstzuständen und Phobien natürlich helfen. Doch falls ich mich mal meiner Schlangenphobie stellen würde, dann wünsche ich mir professionelle Hilfe an meiner Seite und keine Heidi Klum

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