Glenn Close ist Stargast am ZFF-Montag «Ich bin eine Kämpferin»

Filme mit unbequemen Frauenrollen sind die Spezialität von «Golden Icon Award»-Preisträgerin Glenn Close. Am ZFF stellt die sechsfach oscarnominierte Schauspielerin morgen Montag ihr neuestes Werk «The Wife» vor.

Glenn Close wirkt seriös. Sie trägt einen dunklen Hosenanzug, und man wäre nicht erstaunt, wenn sie eine Visitenkarte zücken würde, auf der «CEO» oder «Direktorin» steht. Aber der Business-Look trügt.

In der 70-Jährigen steckt auch ein kleines Mädchen mit Blödsinn im Kopf, das sich nicht zu schade ist, in einer Talkshow Spaghetti mit dem Schwingbesen zu essen oder ihr Gesicht in einer Früchtetorte zu versenken.

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«Die grossen Hollywood-Filme sind derzeit kein toller Ort für Frauen. Deshalb machen wir Indie-Filme und Fernsehserien.»

 

Ihre Filmkarriere basiert aber auf Rollen, die vor allem Männer – und Haustiere – das Fürchten lehrten. Wer erinnert sich nicht an die rachsüchtige, Häschen kochende Ex-Geliebte in «Fatal Attraction» oder an den Welpenschreck Cruella DeVil in «101 Dalmatiner»?

In Zürich, wo die sechsfach oscarnominierte Schauspielerin am ZFF mit dem Golden Icon Award ausgezeichnet wird, zeigt Close einmal mehr, dass sie sich nicht in eine Ecke drängen lässt: In «The Wife» spielt sie Joan Castleman, die alles erduldende Frau im Schatten eines populären Schriftstellers, gespielt von Jonathan Pryce. 

Als er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wird, erreicht Joan am Vorabend der Verleihung ihre Schmerzgrenze und beschliesst, sich nicht mehr länger in ihrer Ehe unterzuordnen.

Frauen in Machtpositionen werden für Männer immer problematisch sein. Das ist einfach eine biologische Realität.

Gemäss Glenn Close ist es für Frauen immer noch ein Risiko, sich Männern gegenüber zu behaupten. Und das werde sich auch nicht ändern: «Frauen in Machtpositionen werden für Männer immer problematisch sein. Das ist einfach eine biologische Realität», findet sie.

Eine Realität, die sie selbst auch immer wieder einholte: Vor zwei Jahren wurde ihre Ehe mit Biotech-Unternehmer David Shaw geschieden. Es war ihre dritte. Was von den Männern blieb?

«Eine tolle Aufnahme von Beethovens neunter Sinfonie und ein guter Flaschenöffner», lacht sie. Und natürlich ihre Tochter Annie Starke, die in «The Wife» die jüngere Joan in Flashbacks spielt.

Ich bin eine Kämpferin und gebe nie auf. Vielleicht ist das der Yankee in mir.

Aber die Chance für ein Happy End bestehe immer: «Ich bin eine Kämpferin und gebe nie auf. Vielleicht ist das der Yankee in mir.»

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Glenn Close mit ihrer Tochter Annie Starke bei der Premiere von «Sunset Boulevard».

Glenn Close wurde am 19. März 1947 in Greenwich, Connecticut, in eine Ärztefamilie geboren. Die Identitätssuche als Jugendliche erwies sich als nicht einfach: «Zwischen meinem 7. und meinem 22. Lebensjahr lebte meine Familie in einer sektenartigen Gruppe, wir waren alle gleichgeschaltet», sagt sie.

«Als ich endlich ausbrach und aufs College ging, traute ich zuerst meinen Instinkten nicht, denn ich dachte, die seien mir eingetrichtert worden. Also bin ich schnurstracks in den Schauspielunterricht marschiert, damit ich wieder in eine fremde Haut schlüpfen konnte

Die Theaterbühnen am Broadway wurden ihr Zuhause. Hollywood entdeckte sie erst im Alter von 35, als sie an der Seite von Robin Williams in «The World According to Garp» gecastet wurde. Es war auch gleich die erste von sechs oscarnominierten Performances.

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«Im Theater mit dem Publikum auf derselben Wellenlänge verbunden zu sein, ist ein absolutes High – man fühlt sich wie ein Rockstar.»

Neben «Garp» und «Fatal Attraction» zählt sie die TV-Rollen in den Krimiserien «The Shield» (2005) und «Damages» (2007–2012) zu den wichtigsten Momenten in ihrer Karriere: «‹The Shield› war meine erste Serie überhaupt und führte zu ‹Damages›, eine der besten Zeiten in meiner Karriere.» Darin verkörperte sie die ruchlose Anwältin Patty Hewes, die eine junge Juristin unter ihre Fittiche nimmt. Die komplexe Bösewicht-Boss-Rolle brachte ihr einen Golden Globe und zwei Emmys ein.

Eine Rolle, die sie gerne gespielt hätte, die sie aber an Sigourney Weaver verlor: die Gorilla-Forscherin Dian Fossey in «Gorillas in the Mist». «Sie war eine schwierige Frau, die mich faszinierte – und mein Vater war schliesslich einmal Arzt im Kongo!» Aber Weaver war toll in der Rolle, attestiert die Kollegin.

Zum Theater kehrt Glenn Close stets gern zurück. Nach ihrer Scheidung zog sie vom Land wieder nach New York, wo sie gerade im Revival des Musicals «Sunset Boulevard» auftrat – 23 Jahre nachdem sie das Stück um den verblassten Filmstar Norma Desmond zum ersten Mal spielte.

In ihrer Freizeit verkriecht sie sich gern mit einem guten Buch zu Hause oder geht mit ihren Hunden spazieren. Dazu engagiert sie sich mit ihrer Organisation «Bring Change 2 Mind» für ein besseres Verständnis von Menschen mit psychischen Krankheiten.

Das Thema trifft sie persönlich: Ihre Schwester ist bipolar, und ihr Neffe hat eine schizoaffektive Störung. «Meine Schwester erhielt erst mit 45 die Diagnose. Wie in vielen Familien hatten wir keine Worte für psychische Krankheiten. Sie war einfach die Wilde, auf die man sich nicht verlassen konnte und die sich besser mal zusammennehmen sollte.»

Mit ihrer Foundation fordert Close, dass psychisch Kranke nicht mehr stigmatisiert werden, und will die Leute ermuntern, wie sie darüber zu reden.

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