Skandal um Harvey Weinstein Hollywood-Produzenten belästigten Nadine Vinzens

Die sexuellen Belästigungen Harvey Weinsteins sind nach wie vor das heisseste Thema in der amerikanischen und internationalen Filmwelt. Immer mehr Stars vermelden ihre schlechten Erfahrungen - nicht nur mit dem «Miramax»-Gründer. Auch Schauspielerin und Ex-Miss-Schweiz Nadine Vinzens wurde in den USA schon von Produzenten bedrängt.
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© Keystone

Nadine Vinzens hat die Zustände in Hollywood am eigenen Leib erlebt.

Er hält Hollywood in Aufruhr. Doch Harvey Weinstein65, ist nicht das einzige schwarze Schaf in der Traumfabrik. Täglich erzählen neue Filmgrössen von ihren Erlebnissen mit sexueller Belästigung. Nicht alle nennen Weinstein als Täter. Es scheint ein allgemeines Problem in Hollywood: Männer in hohen Positionen nutzen bei Filmproduktionen ihre Macht schamlos aus.

SI online hat mit Nadine Vinzens, 34, über das Thema gesprochen. Die Ex-Miss-Schweiz lebt seit Jahren in Los Angeles und arbeitet dort als Schauspielerin.

Auch Vinzens musste bereits unpassendes Verhalten von Produzenten erdulden. Sie erzählt, wie sie schon zum Film anschauen in die Privathäuser «grosser Namen im Business» eingeladen wurde: «Es hatte überhaupt nichts mit der Rolle zu tun und war mir sehr unangenehm. Deshalb habe ich immer schnell erwähnt, dass ich einen Freund habe. Die Reaktionen, die ich darauf jeweils kriegte, waren total überzogen. Das war sehr schockierend.»

«Wenn du mit mir nach Hause kommst, garantiere ich dir den Erfolg»

Auf die Frage, ob dieses Verhalten in Hollywood selten ist oder doch eher die Regel, antwortete Vinzens: «Es gibt Produzenten, die einem nur Wertschätzung geben, wenn man einen Schritt weitergeht. Mir wurde auch schon ganz direkt gesagt: ‹Wenn du mit mir nach Hause kommst, garantiere ich dir den Erfolg.›»

Ihre Untäter an den Pranger stellen würde die Schauspielerin aber nicht. «Solange nichts Schlimmeres passiert, gehe ich nicht mit irgendwelchen Namen an die Öffentlichkeit», so Vinzens. Zudem gäbe es ja auch viele Produzenten, die normal arbeiten, die so etwas nie tun würden. Trotzdem findet sie es sehr gut, dass Stars wie Rose McGowan, 44, Angelina Jolie, 42, oder Gwyneth Paltrow, 45, nun öffentlich erzählen, wie sie von Filmmogul Harvey Weinstein belästigt wurden.

 

weinstein rose mcgowan, angelina jolie, gwyneth paltrow
© AP; WPA Pool/Getty Images; Screenshot TheConversation.TV; Larry Busacca/Getty Images

Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Rose McGowan: Sie alle wurden von Weinstein sexuell belästigt.

Kommt jetzt die grosse Wende in Hollywood?

Seit über einer Woche ist der Weinstein-Skandal in aller Munde. Dutzende Schauspielerinnen haben ihr persönliches Horror-Erlebnis mit dem Filmemacher an die Öffentlichkeit getragen. Auch Stars wie Tom Hanks, 61, und Meryl Streep, 68, die selbst keine schlechte Erfahrungen mit dem «Miramax»-Gründer machten, sprechen sich lautstark gegen sein Verhalten aus. Gestern verkündet «Dawon's Creek»-Star James Van Der Beek, 40, als erster Mann, dass auch er während einer Filmproduktion von einem «älteren, mächtigen Mann» sexuell belästigt wurde.

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James Van Der Beek ist der erste Mann, der erzählt, dass er sexuell belästigt wurde.

Die Thematik des Produzenten, der aus seiner Machtposition einen Nutzen zieht, war noch nie so sehr im Blickfeld der Öffentlichkeit. Auch die scheinbar machtlose Stellung der Schauspielerin, die für eine Rolle sexuelle Belästigungen von Filmemachern über sich ergehen lassen muss, wird nun stark diskutiert.

Bis anhin wurde dieser Problematik in Hollywood nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Sie wurde als Status quo akzeptiert. Nadine Vinzens ist da keine Ausnahme: «Als Schauspielerin muss man einfach stark bleiben und Konsequenzen aus unangenehmen Begegnungen ziehen. Man arbeitet dann einfach nicht mit diesen Leuten.»

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