«Es war ein Preis, auf den man stolz sein konnte» Helene Fischer äussert sich zum Echo-Skandal

Ihr Statement klingt wie ein Befreiungsschlag. Nach über einer Woche äussert sich Rekord-Echogewinnerin Helene Fischer endlich zum Antisemitismus-Skandal um die Rapper Farid Bang und Kollegah.
Helene Fischer Echo 2018
© getty

Lange schwieg sie zum Echo-Eklat, doch jetzt macht sich Helene Fischer ordentlich Luft.

Sie habe geschwiegen, weil es nicht ihre Art sei, sich zu anderen Themen als ihrer Musik zu äussern, doch jetzt sei das Mass voll. Helene Fischer, 33, schreibt erstmals seit dem Echo-Eklat Klartext. In einem langen Statement auf ihrer Facebookseite schreibt sie sich den Frust von der Seele. 

Der Druck auf die Schlagerkönigin war wohl doch zu gross. Immer mehr Künstler, Medien und Fans forderten, dass sich die Rekord-Echogewinnerin zu der Skandalverleihung des deutschen Musikpreises an die Rapper Farid Bang, 31, und Kollegah, 33 äussert. 

Bildergalerie: Das war der Echo 2018

Das Duo bekam den Echo in der Kategorie Hip-Hop National und das, obwohl ihnen vorgeworfen wird, dass ihre Texte antisemitisch («mein Körper definierter als der von Auschwitzinsassen»), gewaltverherrlichend («ich fülle seinen Kopf mit Blei») und frauenfeindlich («ich f**k sie, bis ihr Steissbein bricht») sind. Dazu durften die Rapper auch noch an der Veranstaltung auftreten.

 

Helene Fischer ihrerseits singt von der heilen Welt, ist nach eigener Aussage für die Liebe, gegen Gewalt und für die Menschlichkeit. Und: Keine hat mehr Echos gewonnen als die Schlagersängerin. 17 an der Zahl kann sie ihr Eigen nennen und auch an besagter Verleihung wurde sie ausgezeichnet. 

«Es war unangemessen und beschämend»

Obwohl grosse Künstler wie Marius Müller-Westernhagen, 69, ihre Preise zurückgaben und die Echo-Organisation scharf kritisierten, blieb Helene Fischer still. Bis jetzt. Den Preis an die Rapper zu vergeben, sei fragwürdig. 

«Ich möchte euch sagen, wie unangemessen und beschämend ich es fand, die beiden bei der Preisverleihung auf der Bühne in dieser Art performen zu sehen.» Auch stellt sie die Zukunft des Echos infrage, was für die Veranstalter ein rechtes Donnerwetter sein dürfte. 

«Trotzdem ist dieser Musikpreis (vielleicht auch: war) ein Publikumspreis, auf den man über die vielen Jahre auch stolz sein konnte.» Besonders hart geht Fischer aber mit denen ins Gericht, die sie dazu nötigten, sich so zu äussern. «Es ärgert mich sehr, dass dieses Thema in dieser Form mit meinem Namen verknüpft wird. Genau aus diesem Grund vermeide ich es sonst eigentlich lieber, Statements oder Interviews zu anderen Themen als meiner Musik zu geben, um den Medien nicht immer noch mehr Futter zu geben.»

Helene Fischer Echo 2015
© getty

Helene Fischer mit einer kleinen Auswahl ihrer Echos. Sie ist die Künstlerin mit den meisten Preisen überhaupt.

Ihre Preise zurückgeben will Helene Fischer aber trotzdem nicht. Der Veranstalter des Echos, der deutsche Bundesverband Musikindustrie, krebste bereits kurz nach dem Event zurück und versprach die «umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen».

Gestern spürten die Skandal-Rapper erstmals die Konsequenzen der Debatte am eigenen Leib. Ihre Plattenfirma BMG kündigte die Zusammenarbeit vorerst auf. «Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen», sagte Vorstandschef Hartwig Masuch am Donnerstag der «F.A.Z»

Auch interessant