«Ich bin keine Maschine» Helene Fischer im exklusiven Interview

Schlagerkönigin Helene Fischer begeistert Millionen. Beim exklusiven Blick hinter die Kulissen spricht sie übers harte Leben auf der Tour, ihre Glücksmomente auf dem Zürichsee. Und wann sie endlich Zeit für ihren Flori hat.  
Helene Fischer exklusives Interview
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Helene Fischer: «Einfach wieder auf der Bühne zu stehen – das war für mich die beste Medizin»

 

Zwei Bodyguards mit Knopf im Ohr stehen vor der Garderobe von Helene Fischer, 33. Hier kommt ohne Termin keiner rein. Glücklicherweise habe ich einen! Ohne Make-up, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, begrüsst mich der deutsche Superstar: «Ich freue mich sehr», sagt sie und bietet mir einen Platz an. Ihr Interesse wirkt echt, ihr Lachen von Herzen. Die Freude ist ganz meinerseits.

Helene Fischer, haben Sie bereits als Kind davon geträumt, einmal ganz oben am Schlagerhimmel zu stehen?
Als Kind habe ich mich unheimlich gern verkleidet und vor allem geschauspielert. Ich wollte auf die Bühne. Das war früh klar! Deshalb habe ich mich auch für eine Theater- und Musicalausbildung entschieden. Schauspiel, Tanz, Gesang: Das lag mir immer sehr am Herzen. Aber was gerade mit mir und um mich herum passiert, übersteigt definitiv jeden meiner Mädchenträume (lacht).

Helene Fischer exklusives Interview
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Perfektion: Livegesang, Tanz und Akrobatik sind Teil der gigantischen Bühnenshow ihrer neuen Tournee.

 
 

Heute sind Sie die erfolgreichste deutsche Künstlerin. Eine steile Karriere!
Der Erfolg kam ja nicht über Nacht. Ich hatte Zeit, mich auszuprobieren, zu lernen und zu entwickeln. Schon irre: Ich bin jetzt 13 Jahre in diesem Business, aber es fühlt sich viel länger an. Es würde für mindestens zwei Künstlerkarrieren reichen!

Wie sah Ihr Kinderzimmer aus, als Sie 16 waren?
Ich liebte Sängerinnen wie Céline Dion, Mariah Carey oder Whitney Houston. Ihre Schmetterbaladen fand ich sehr beeindruckend. Als Jugendliche war es für mich eine grosse Herausforderung, an diese Stimmen ranzukommen. Kaum kam ich von der Schule heim, legte ich eine Karaoke-CD in meine Musikanlage ein. So konnte ich mich stundenlang beschäftigen.

Ihre Mutter ist Ingenieurin, Ihr Vater Sportlehrer. Beide haben nichts mit dem Showbusiness zu tun. Von wem haben Sie Ihr grosses Gesangstalent geerbt?
Vermutlich von meiner Grossmutter mütterlicherseits. Als ich klein war, hat sie mit ihren sechs Schwestern oft a cappella gesungen. Diese Momente waren für uns alle heilig.

«Es wird immer besser. Ich geniesse meine Auftritte mehr denn je»

 

Machte Ihre Oma das beruflich?
Nein, nein. Sie haben in der Kirche und an Hochzeiten gesungen. Diese Ladys standen dann einfach da und haben alle mit ihren Stimmen tief berührt! Wir Kinder sollten diese Familientradition später fortsetzen.

Und? Singen Sie noch mit Ihrer Schwester?
Ja, aber nur hobbymässig (lacht). Meine Schwester hat beruflich einen komplett anderen Weg eingeschlagen und Wirtschaft studiert.

Sie waren die letzten sechs Monate in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Wie muss ich mir die Vorbereitung auf eine solch gigantische Tour vorstellen?
Wie viel Zeit haben Sie? Nein, im Ernst: Diese Tournee war wirklich einzigartig. Auch weil sie in Zusammenarbeit mit dem renommierten Cirque du Soleil entstand. Wir haben fast zwei Jahre vor Tourbeginn mit der Planung angefangen und Ideen entwickelt. Es wurden Tänzer und Akrobaten gecastet und ein irrsinniger technischer Aufwand betrieben. Und ich habe härter trainiert als je zuvor in meinem Leben. Livegesang, Tanz und dann auch noch die Akrobatik: Das war eine grosse Herausforderung für mich – in der Vorbereitung genauso wie später in jeder Show.

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Glanzvoller Auftritt: Sie ist die perfekte Entertainerin. Jeder Blick, jeder Ton sitzt.

Zuerst die lange Vorbereitung, dann der grosse Erfolg auf der Bühne. Und dann der Schock: Sie wurden krank
Es war der absolute Horror! Für mich und natürlich auch für meine Fans. Dabei habe ich im Vorfeld wirklich alles gemacht, um mich zu schützen. Aber wenn man auf Tour ist und so vielen Menschen begegnet, besteht immer die Gefahr, dass man sich mit irgendetwas ansteckt. Ich kann zwar geschwächt auf die Bühne gehen, aber wenn die ganzen oberen Atemwege betroffen sind, kann man keine Drei-Stunden-Liveshow mehr spielen.

Wie gross ist die Angst, während einer Tournee krank zu werden?
Ich habe keine Angst, aber spüre natürlich die Verantwortung. Wir sind eine Crew von rund 200 Leuten. Der ganze Apparat steht still, wenn ich ausfalle – ganz zu schweigen von der Enttäuschung meiner Fans. Aber am Ende musste ich akzeptieren, dass mein Körper keine Maschine ist.

Wie haben Sie sich gefühlt, als klar war, dass Sie Konzerte absagen müssen?
Ich war am Boden zerstört – emotional und körperlich. Natürlich gibts viel Schlimmeres auf der Welt, aber es war meine kleine Welt, und es waren so viele Menschen davon betroffen. Ich konnte ja nicht mal in Ruhe krank sein! Jeden Tag hatte ich die Hoffnung, dass es weitergeht. Und wurde dann wieder enttäuscht. Dazu kamen die Spekulationen der Presse: Von schwanger bis todkrank war mal wieder alles dabei. Irgendwann habe ich mich dann ausgeklinkt und mich aufs Gesundwerden konzentriert.

Helene Fischer Francine Jordi Brustkrebs
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Schlager-Kolleginnen: Francine Jordis Brustkrebs-Diagnose macht Helene Fischer betroffen.

 

Als Sie zum ersten Mal wieder auf der Bühne standen, hatten Sie Zweifel, das zu schaffen?
Klar! Meine Prognose, dass es klappt, lag ja nur bei 70:30. Ein Rückfall war jederzeit möglich. Doch ich wollte einfach nicht länger im Hotelzimmer sitzen. Bei den ersten beiden Konzerten in Wien hat man vielleicht gemerkt, dass ich noch nicht wieder bei 100 Prozent gewesen bin. Aber die Unterstützung meiner Crew und der Fans – einfach wieder auf der Bühne zu stehen: Das war für mich die beste Medizin. Da konnte ich gar nicht anders, als wieder gesund zu werden.

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihr Erfolg eine Dynamik bekommt, die nicht mehr aufzuhalten ist? Haben Sie nie den Wunsch, mal einen Gang zurückzuschalten?
Im Gegenteil. Es wird immer besser. Ich bin in den letzten Jahren reifer geworden. Ich fühle mich auf der Bühne so sicher wie noch nie und geniesse meine Auftritte mehr denn je.

Der Erfolg hat sicher auch Schattenseiten?
Klar! Paparazzi, das Interesse an meinem Privatleben und die immer wieder auftauchenden Falschmeldungen sind eine Belastung. Aber das ist natürlich alles Jammern auf hohem Niveau. Denn die schönen Seiten überwiegen allemal. Ich habe zum Beispiel mit meiner gesamten Tour-Familie in der Schweiz eine Bootsfahrt über den Zürichsee gemacht. Wir haben zusammen gegessen und gefeiert. Das war toll! Später habe ich dann gelesen, dass ich gar nicht dabei gewesen sein soll und stattdessen mit Perücke auf dem Kürbismarkt war. Was für ein Quatsch! Es gab schliesslich Käsefondue (lacht).

Bleibt da überhaupt noch Platz für ein Privatleben?
Während einer Tournee? Eigentlich gar nicht! Dafür freue ich mich umso mehr auf die Zeit danach. Zuerst steigen Florian und ich ins Flugzeug, und wir machen Urlaub – ganz weit weg. Es gibt glücklicherweise noch Länder, in denen man uns nicht erkennt und wir uns frei und unbeschwert bewegen können (schmunzelt). Ansonsten bin ich aber auch ein sehr häuslicher Mensch und gerne zu Hause. Dann nehme ich mir Zeit für meine Familie und meine Freunde. Ich gehe joggen, koche und geniesse die Zeit. Am liebsten natürlich mit Flori.

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Grosse Liebe: Helene Fischer und Florian «Flori» Silbereisen sind seit zehn Jahren ein Paar.

Letzte Woche wurde bekannt, dass Ihre Schweizer Schlagerkollegin Francine Jordi an Brustkrebs erkrankt ist …
Ich habe es eben erst erfahren. Das ist wirklich sehr schlimm, und ich wünsche ihr alles Gute, Kraft und Zuversicht.

Sie hat ihre Krankheit ein Jahr lang vor der Öffentlichkeit verheimlicht und ist die ganze Zeit mit Perücke aufgetreten. Können Sie das nachvollziehen?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe aber grossen Respekt vor Menschen, die sich ihr Leben nicht von einer Krankheit bestimmen lassen wollen.

Schweizer Konzerte: 28. 4. Hello Again, SRF 1 / 26. 6. St. Jakob-Park, Basel (am 27. 4. erscheint «Helene Fischer Live – Die Arena Tournee»)

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