Norbert Gastell Homer Simpsons Stimme stellt sich vor

Sie wissen nicht, wer Norbert Gastell ist? Seine Stimme kennen Sie bestimmt: Denn er leiht sie Homer Simpson aus der Zeichentrickserie «Die Simpsons». Eine Zeitung hat den Synchronsprecher besucht.

Unverwechselbar, hoch und etwas brüchig-weinerlich - seit 500 Folgen beziehungsweise 21 Jahren gehört diese Stimme genauso zu Homer Simpson wie seine leicht dümmlichen Sprüche. Der Mann hinter der einprägsamen Stimme heisst Norbert Gastell, 82. Die «Süddeutsche Zeitung» begleitete den Münchner nun bei seiner Arbeit als Synchronsprecher von Homer Simpson, «einem liebenswerten Versager», wie Gastell meint. Er ist sich sicher: «Ein bisschen Homer steckt in jedem von uns.»

Mit seinem Synchronjob verdient Gastell rund 10'000 Euro pro Staffel. Sein amerikanisches Pendant, Dan Castellaneta, erhält um die 500'000 Dollar - pro Folge. Das ist nur einer der Unterschiede zwischen den beiden: Während Gastell die Parts alleine einspricht, spielen die US-Sprecher die Dialoge erst durch, worauf dann passgenau gezeichnet wird. «Wir trauern den alten Zeiten nach», sagt Gastell. Früher, als die deutschen Synchronsprecher der Simpsons-Familie die Folgen noch gemeinsam aufzeichneten, lieferte er sich zum Beispiel mit Sabine Bohlmann, der Stimme von Homers Tochter Lisa, Duelle in der Aufnahmekabine. Heute kriegt er kaum mehr etwas von den anderen Figuren mit. Marge-Sprecherin Anke Engelke nimmt ihren Part im knapp 500 Kilometer entfernten Köln auf. «Wenn mich jemand fragt, ‹Hey Homer, wie geht es Marge?›, antworte ich: ‹Keine Ahnung, ich habe meine Frau noch nie gesehen.›»

Bereits früh war für Gastell klar, dass er Schauspieler werden wollte. Statt ins Gymnasium zu gehen, schlich er sich in die Schauspielschule - bis der Schwindel nach vier Wochen bei seinen Eltern aufflog. Es folgten Theater-, Musical-, Fernseh- und Sprechrollen. 17 Jahre lang spielte er den Forstdirektor Leonhard in «Forsthaus Falkenau», bis er 1991 für die Homer-Sprechrolle angefragt worden ist. Er habe sich nie träumen lassen, dass ihn diese so lange begleiten würde, sagt Gastell heute. Als er begann, war er 61 Jahre alt. Heute zählt er 82 Lenze - während Homer stets 38 bleibt. Aber: «Das ist das Glück an unserem Beruf», meint Gastell. «Wir dürfen ihn so lange machen, wie wir können.»

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