Rupert Everett «Ich war eine Schlampe»

Sexuell sehr freizügig sei er gewesen, daher hätte Rupert Everett auch ein Angebot von einem Freier nicht ausgeschlagen. In einem Interview spricht der homosexuelle Schauspieler offen über seinen Ausflug ins Sexgewerbe und seine Angst vor Aids.
Die sexuellen Vorlieben von Rupert Everett? Der britische Schauspieler habe Sex im Freien und in der Gruppe bevorzugt. Doch heute ist alles anders: «Ich hatte so viel Sex, dass er fade für mich geworden ist.»
© Dukas Die sexuellen Vorlieben von Rupert Everett? Der britische Schauspieler habe Sex im Freien und in der Gruppe bevorzugt. Doch heute ist alles anders: «Ich hatte so viel Sex, dass er fade für mich geworden ist.»

Er fühlte sich eingepfercht in seinem Leben und wollte nur eines: rebellieren und ausbrechen. «Ich hasste es, aus einer gutbürgerlichen Familie zu kommen», gesteht der Schauspieler Rupert Everett, 54, in einem Interview mit dem «SZ Magazin». Er wollte sein Leben zerstören, «wie Arthur Rimbaud», der französische Lyriker. «Ausserdem war ich eine Schlampe», erzählt er in Bezug auf sein Sexleben und seinen Ausrutscher als Callboy. «Als ich eines Tages vor einer U-Bahn-Station im Regen stand, hielt neben mir ein Rolls-Royce. Der Mann am Steuer lud mich ein, mich mitzunehmen. Im Wagen bot er mir 25 Pfund, wenn er mich zwei Mal ficken dürfe. Fünfundzwanzig Pfund waren Mitte der Siebziger eine Menge Geld, also sagte ich sofort ja», berichtet der britische Akteur, der an der Seite von Julia Roberts in «Die Hochzeit meines besten Freundes» seinen grössten Erfolg feierte. Er habe wegen seiner Eskapaden jedoch nie ein schlechtes Gewissen gehabt. «Was Sex angeht, habe ich eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Sex ist für mich der Weg, Leute kennenzulernen.» Deswegen verstünde Everett Paare nicht, die nach 30 Jahren immer noch Lust auf Sex haben und behaupten würden, sie hätten Spass daran. «Eine grauenerregende Vorstellung. Einfach ekelhaft. So etwas finde ich wirklich unnatürlich. Sex ist nur dann interessant, wenn man jemanden noch nicht kennt. Ich sehe jemanden und will ihn besitzen oder von ihm bessen sein. Wenn ich ihn erst entdeckt habe, was hat Sex dann noch für einen Sinn?», fragt er sich. 

Die schnellen Nummern haben jedoch seine Angst vor Aids geschürt. Sie war jahrelang der ständige Begleiter des Schauspielers. Vor allem zu Beginn seiner Karriere, als die HIV-Epidemie ausgebrochen ist, war er ein hysterischer Hypochonder. «Mein Sexleben war so ausschweifend, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, nicht infiziert zu sein. Fast jeder, mit dem ich geschlafen hatte, lag im Sterben.» Everett rechnete jeden Tag damit, die ersten Symptome der Seuche an sich zu entdecken: «Einmal wurde ich bei Dreharbeiten von einer Mücke gestochen. Ich dachte: Das ist es jetzt, ein Karposi-Sarkom, der Anfang vom Ende!»

Seine Sorge um die Krankheit hätte ihn bei der Arbeit unberechenbar gemacht. «Eine missverständliche Bemerkung am Set, und ich bin sofort explodiert», erzählt er weiter. Das hätte ihn zu einem unangenehmen Zeitgenossen gemacht, wie er heute einräumt. «Man hielt das für die Launen einer verzickten Diva, in Wahrheit war es ein Ausdruck totaler Verunsicherung.» 

Was sein Sexleben betrifft, ist es jedoch ruhig zwischen den Laken geworden. «Entweder bin ich jetzt in den Wechseljahren oder ich hatte so viel Sex, dass er fade für mich geworden ist. Sex kommt mir heute vor wie Windows 2.» Dabei war er früher noch der Dynamo in seinem Leben. «Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr hauptsächlich an Sex gedacht.» Er sei sich aber sicher, dass sein Appetit in zehn Jahren mit aller Macht wieder aufblühen wird. «Und dann wird es zu spät sein, weil mein Aussehen im Eimer ist.»

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