Haakon & Co. Ihr Volk kann sich auf sie verlassen

Nach dem blutigen Massaker in Norwegen bleibt riesige Bestürzung zurück. Auch die Mitglieder der Königsfamilie leiden öffentlich mit. Sie zünden Kerzen für die Opfer an, besuchen Angehörige und bekunden am TV ihre Trauer. Weshalb diese Gesten gerade für die Norweger von grosser Bedeutung sind.

Dutzende Menschenleben wurden am späten Freitagnachmittag innerhalb kürzester Zeit ausgelöscht. Ermordet von einem Mann: Fundamentalist Anders Behring Breivik, 32. Laufend werden neue erschütternde Details zum Massenmord aufgedeckt. Neun Jahre lang hatte er die Tat geplant, baute monatelang an der tödlichen Bombe. Während des Mordens hörte er Musik auf seinem iPod - den Soundtrack von «Lord of the Rings» in der Endlosschleife. Er bereut nichts. Nach der Anhörung grinste er frech aus dem Polizeiauto.

Die Trauer und Bestürzung ist riesig in der norwegischen Bevölkerung. Und im Königshaus. Anders als bei der AKW-Katastrophe in Japan, als sich der Kaiser tagelang nicht zu Wort gemeldet hatte, trat König Harald V, 74, schon einen Tag nach der Tragödie vor sein Volk. «Wir brauchen einander», sagte er in einer Sonderansprache am Fernsehen sichtlich betroffen. «Denn es wird lange dauern, bis wir die Trauer und unsere Gefühle verarbeitet haben.» Schon zuvor hatten er und seine Frau Sonja, 74, Angehörige und Opfer in Utöya besucht. Am darauf folgenden Sonntag fand ein Gedenkgottesdienst statt, bei dem auch die Köngisfamilie teilnahm. Das Kronprinzenpaar Haakon, 38, und Mette-Marit, 37, zündeten mit ihren Kindern Kerzen für die Opfer an. Sie ist direkt vom Massaker betroffen: Ihr Stiefbruder starb im Kugelhagel.

«Die Gesten der Königsfamilie sind für die Norweger wichtig, mehr als pietätvolles Handeln nach einer Tragödie», schreibt Royal-Experte Andy Englert in der iPad-Ausgabe der «Schweizer Illustrierten». «Sie wissen, sie können sich in Krisenzeiten auf ihre Königsfamilie verlassen.» Denn anders als alle anderen Königshäuser in Europa wurde die Monarchie in Norwegen vom Parlament abgesegnet und durch das Volk bestätigt. Im Zweiten Weltkrieg unterstütze der Grossvater des heutigen Königs seine Landsleute. Er ging nach London und verhandelte dort erfolgreich vor der norwegischen Exil-Regierung. Der Königshof mauserte sich nach Kriegsende zum wichtigen Vermittler des damals zerstrittenen norwegischen Volkes.

Die tiefe Verbundenheit der Royals mit dem Volk zeige sich ebenso durch die Tatsache, dass sowohl die Schwestern von Harald V wie auch eine Tochter bürgerliche Norweger heirateten. Und in den Segelkursen, zu denen der König höchstpersönlich eingeladen habe. «Die Königsfamilie wie die meisten Norweger waren stets stolz auf ihre offene Gesellschaft, eine stabile Demokratie mit einem starken Sozialsystem, die geglückte Integration vieler Migranten im Land», heisst es im Artikel weiter. «Die Norweger können sich - auch in diesen schweren Tagen - wieder auf ihre Royals verlassen. Für die Stimmung im Land wird die Monarchie in der Zukunft so wichtig sein wie lange nicht mehr.»

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