«X Factor»: Till Brönner Interview: «Edita wird's schwer haben»

Für ein Konzert machte der «X Factor»-Juror Till Brönner, 39, in Zürich Halt. SI online sprach mit dem mehrfach ausgezeichneten Trompeter über seine Liebe zu der Stadt, seine Begeisterung für Edita und über die Sorgen, die er um sie hat.

SI online: Till Brönner, Sie sind nicht zum ersten Mal für ein Konzert in Zürich. Was gefällt Ihnen an der Stadt?
Till Brönner: Ich finde Zürich super, habe viele Freunde hier. Mir gefällt vor allem der Mix der Kulturen und ich liebe es, so gute Luft einatmen zu können.

Sie sagten mal, gerne einkaufen zu gehen: Welche Erinnerungsstücke nehmen Sie sich aus Zürich jeweils mit?
Die sind eigentlich immer kulinarischer Natur. Vor allem bei der Kalbsbratwurst vom Bellevue werde ich schwach. Die muss ich jedes Mal haben.

Sie haben mehrere Echos gewonnen, waren für einen Grammy nominiert, gelten als einer der besten Jazz-Trompeter überhaupt: Haben Sie noch Träume?
Eine Zeitlang dachte ich, man müsste sein Leben immer über grosse Träume abhandeln, dass der Motor Visionen und Träume sind. Doch nachdem viele Musiker aus meinem Bekanntenkreis unfreiwillig gestorben sind, sehe ich das anders und lebe viel positiver.

Über Privates reden Sie nicht. Umso mehr sind Sie der Überzeugung, dass ohnehin Privates in dem Werk eines Künstlers steckt. Wie viel davon steckt nun in Ihrer letzten CD «At The End Of The Day»?
Es ist schwierig, in Worte zu fassen, was man musikalisch schon gemacht. In jedem Fall trägt es meine Handschrift. Meine CD, auf der ich Songs verschiedener Künstler neu interpretiert habe, ist das Resultat meiner Suche nach Dingen, die Bestand haben.

Wann sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden?
Ich bin ein sehr pingeliger Mensch, mit Tendenz zur Selbstzerfleischung. Und das ist nicht immer gesund, denn damit sorge ich zuweilen auch für Ärger und manche fühlen sich ungerecht behandelt. Aber sie sehen dann schon, dass es mir nicht um die Person, sondern um die Sache - das Produkt - geht.

Auch hinter Edita, die letztes Jahr mit Ihrer Hilfe «X Factor» gewonnen hat, standen Sie hundertprozentig.
Genau, denn ich bin begeistert von dieser Frau. Sie hat Talent ...

Aber ...
...  sie wird's schwer haben, einen langen Atem beweisen müssen und darf keine Kompromisse eingehen, um im Showbusiness zu bestehen.

Weshalb?
Es gibt zwei Gründe: Zum einen könnte es Edita zum Verhängnis werden, dass sie vor einem Fernsehpublikum gewonnen hat. Ob diese nun auch die Platten in den Läden durchforsten, ist fraglich. Zum anderen ist meiner Meinung nach ihr Album zu spät erschienen. Ich hoffe, dass das für sie nicht zum Problem wird. Wichtig für sie ist nun, gute Leute an ihrer Seite zu haben, die dafür sorgen, dass ihre Musik gehört wird.

Hat sie solche?
Sagen wir es so: Ich würde ihr andere zur Seite stellen. In jedem Fall stehe ich ihr weiterhin für Fragen zur Verfügung.

Im Spätsommer startet die zweite Staffel von «X Factor» ...
... und ich glaube, die zukünftige «X Factor»-Generation wird es schwer haben, um daran anzuknüpfen.

Sie werden es aber auch schwer haben, um den Erfolg von Edita wiederholen zu können.
Stimmt, aber ohne diesen Nervenkitzel macht es ja auch keinen Spass.

Wie laufen die Vorbereitungen?
Der Andrang ist enorm. Bis jetzt haben sich über 20'000 Leute beworben, bevor die offenen Castings überhaupt stattgefunden haben. Diese finden erst im April statt. Ich hoffe, dass auch wieder ein paar Schweizer dabei sind.

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