Hollywood-Star James Marsden im Exklusiv-Interview «Ich hätte gern das Leben meiner ‹Hairspray›-Figur»

Actionheld, Märchenprinz und Frauenschwarm: Problemlos schlüpft James Marsden wie kein anderer US-Schauspieler in verschiedene Rollen. Am ZFF feiert der IWC-Botschafter mit «Shock and Awe» eine Weltpremiere.

James Marsden, Sie sind sechs Minuten zu früh. Das ist sehr ungewöhnlich.
Ich mag Unpünktlichkeit nicht. Die Vorstellung, dass Leute auf mich warten müssen, finde ich unangenehm. Pünktlichkeit hat aber zur Folge, dass ich auf die anderen warten muss.

Warten Sie gerne?
Nein, es frustriert mich oft. Aber ich musste erkennen, dass es mittlerweile viele Menschen in Ordnung finden, stets zu spät zu sein. Als wäre das okay!

Was machen Sie, während Sie auf Leute warten?
Meine Mails erledigen oder andere Dinge, die liegen bleiben. Oft höre ich Musik, das entspannt mich. Von Klassik über 70’s bis zu Jazz mag ich alles. Wes Montgomery ist einer meiner liebsten Jazzmusiker. Ans Set nehme ich oft meine Gitarre mit, da Produktionen stets in Verzug sind.

James Marsden
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Dreifacher Vater: Aus seiner Ehe mit Lisa Linde hat er die Kinder Jack, 16, und Mary, 12. William, 4, stammt aus der Beziehung mit Model Rose Costa.

Leben Sie im Moment?
Ja. Aber ich habe drei Kinder, und irgendwie nimmt seither das Leben mehr und mehr Geschwindigkeit auf. Vergeudete Zeit ist das, was ich am meisten bereue. Wir sind auf der Erde, um Erinnerung anzuhäufen.

Wieso sind Sie gerade für IWC, eine Schweizer Uhrenmarke, Botschafter?
Ich hatte früher wirklich keine gute Uhr. Meine Stylistin Ilaria kleidet mich immer in tolle Anzüge, sie schaffte es, dass IWC mir für einen Event eine Uhr lieh. Dann verliebte ich mich in diese und blieb mit IWC in Kontakt. So wurden mir die Augen für die grosse Welt der Uhrenindustrie geöffnet. Mittlerweile schätze ich eine gute Männeruhr.

James Marsden
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Radstar Fabian Cancellara, James Marsden und Triathlet Jan Frodeno (v.l.) sind IWC-Botschafter.

Ihre Filme spielen oft in verschiedenen Zeiten. In welcher hätten Sie gerne gelebt?
Ich glaube, ich würde es lieben, in die 60er-Jahre zurückzugehen. Die Musik, die Filme – das wäre ein Spass! Zu sehen, wie die Musiker gearbeitet haben, und die freie Art zu denken, die damals herrschte. Auch passierten viele revolutionäre Dinge, vor allem hinsichtlich Menschenrechten. Ich hätte wohl gerne das Leben meiner «Hairspray»-Figur.

In der futuristischen Serie «Westworld» stirbt Ihre Rolle Teddy – ein Roboter – auch die ganze Zeit.
(Lacht.) Das ist definitiv etwas, das ich im echten Leben nicht möchte.

Sie bewegen sich seit über zwei Jahrzehnten in der Filmbranche. Ist es schwierig, älter zu werden?
Das ist es immer ein bisschen, weil man seine Sterblichkeit zu realisieren anfängt. Aber es gibt auch Tolles. Ich kenne mich selber, weiss, was ich mit meiner Zeit anfangen und mit wem ich sie verbringen möchte. Das macht vieles einfacher.

Ich habe etwas Mühe, das «GQ»-Cover anzusehen, ich fühle mich irgendwie unwohl.

Was macht das Altern schwierig?
(Lacht.) Dein Körper gibt langsam ab. Ich kann nicht mehr so schnell rennen, wie ich es gewohnt bin. Ich kann nicht mehr alles essen und dann am nächsten Morgen mit einem flachen Bauch aufstehen. Du wirst vom Zeitvater gedemütigt! Aber wie man auf diese Tatsachen reagiert, zeigt erst deinen Charakter. Es macht einen Mann aus dir. Wenn du jung bist, fühlst du dich unbesiegbar und unsterblich. Wenn du älter wirst, bist du sterblich. Ich habe das realisiert.

Stopp! Sie sind erst 44 Jahre alt.
Danke, ich höre mich an wie ein alter weiser Mann. Als 20-Jähriger war ich auf der Suche. Jetzt sehe ich alles klar am Horizont. Aber ich bin noch immer sehr aktiv und halte mir Sorge.

«GQ» kürte Sie 2016 zum «most handsome man». Dachten Sie: «Wieso nicht ‹sexiest man alive›»?
(Lacht.) Gegen diesen Titel würde ich natürlich nicht ankämpfen. Vielleicht kommt er als Nächstes. Wäre doch toll, wenn ich das mit 60 erreiche. Ich will jedenfalls nicht zu früh aufgeben und arbeite in kleinen Schritten darauf hin. Aber jetzt mal ehrlich, ich habe etwas Mühe, das «GQ»-Cover anzusehen, ich fühle mich irgendwie unwohl.

Jetzt kokettieren Sie aber.
«Der schönste Mann der Welt» – ich glaube, niemand würde das so von sich denken. Ich selber sehe mich als eine sehr bescheidene Person. Aber natürlich fühle ich mich sehr geschmeichelt.

James Marsden
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Bescheidener Frauenheld: Das «GQ»-Magazin hat James Marsden 2016 zum «schönsten Mann» gekürt.

Sie haben drei Kinder. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?
Ich weiss, dass viel Gutes da draussen ist. Mitgefühl, Verständnis und Menschlichkeit. Aber ich mache mir Gedanken darüber, was aus unserem Planeten und aus uns als Gesellschaft und Zivilisation wird.

Wie meinen Sie das?
In «Westworld» werden die Menschen überholt, sind veraltet. Das Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Interaktion wird geringer. Das ist deprimierend. Aber aus technologischer und wissenschaftlicher Sicht ist die Entwicklung aufregend. Alles muss immer neu sein und besser werden. Doch wir sollten mal auf die Bremsen treten. Ich vermisse die Knöpfe, den Lichtschalter in meinem Auto!

Ich gehe öfter an Dinnerpartys, an denen die Smartphones eingesammelt werden.

Ist bei Ihnen alles übers Smartphone reguliert?
Das ist eine Hassliebe! Es vereinfacht mir Dinge, aber schafft auch neue Probleme. Fazit: Ich umarme die Zukunft, die Entwicklung und hoffe einfach, dass wir auch besser werden bezüglich Disziplin, Zurückhaltung und Mitgefühl für uns Menschen und die Erde.

Vermissen Sie zwischenmenschlichen Kontakt?
Jeder Schritt vorwärts in der Technologie bringt auch eine Bewegung mit sich, die einen Schritt zurück geht. «Westworld» drehen wir auf Film. Musiker nehmen ihre Songs wieder analog auf. Ich gehe öfter an Dinnerpartys, an denen die Smartphones eingesammelt werden. Ich persönlich mache gerne einige Schritte zurück und erinnere meine Kinder daran, wie es ist, fischen und wandern zu gehen oder Blumen zu pflücken.

Behalten Sie so die Bodenhaftung?
Es ist gut für die Seele. Die Erde berühren, den Regen auf dem Gesicht spüren, eine Velotour machen oder bei einem Abendessen mit Freunden lachen – das erhellt immer wieder meine Seele.

Fabian Cancellara und ich haben darüber gesprochen, mit dem Fahrrad eine Tour zu machen.

Welchem Typ Ihrer verschiedenen Rollen entsprechen Sie privat am ehesten? Es scheint der Romantiker zu sein.
Tja, je älter ich werde, komme ich wirklich darauf zurück. Nicht nur romantisch in Bezug auf Beziehungen, sondern was die Liebe zu dem Leben, der Welt, den Kulturen angeht. Mein Leben wird zunehmend unkomplizierter und einfacher. Ich bewege mich «back to basic».

James Marsden
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James Marsden: «Mein Leben wird zunehmend unkomplizierter und einfacher.»

Im Film «Shock and Awe», der am ZFF gezeigt wird, spielen Sie einen Journalisten. Welche Frage würden Sie sich stellen?
Oh Boy, diese Frage ist eine harte Nuss. Ob ich glücklich bin?

Sind Sie glücklich?
Ich glaube, das bin ich. Und ich würde fragen, wie ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Ich will meine Kinder aufwachsen sehen, neugierig bleiben, neue Sprachen und Instrumente lernen, mehr reisen. Meine Persönlichkeit mit Erfahrungen ergänzen, eigene Erinnerungen schaffen. Ach, was für eine langweilige Antwort!

Führen Sie eine Bucket-List?
Nicht spezifisch. Aber es gibt viele Orte, die ich noch besuchen will. Bald ist Zürich dran. Vom Flugzeug aus liegt die Stadt in einer der schönsten Landschaften, die ich gesehen habe. Ich flog über Zürich an den Formel-1-Grand-Prix in Monaco. Es war so toll, über die Alpen zu fliegen und zu sehen, dass der Boden mit vielen Bäumen bedeckt ist. Wenn ich in Zürich bin, will ich wirklich rausgehen. Mein Schweizer Freund Fabian Cancellara, den ich durch IWC kennenlernte, und ich haben darüber gesprochen, mit dem Fahrrad eine Tour zu machen – aber natürlich werde ich nicht mit ihm mithalten können!

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