Psychologe zu Justin Biebers Sinnkrise «Offensichtlich war sein Leidensdruck sehr gross»

Justin Bieber hat seine Welttournee abgesagt und jetzt die Gründe dafür geliefert: Der Sänger steht an einem Scheideweg. SI online lässt von einem Jugendpsychologen Justins Situation beurteilen.

Es war ein Schock für alle Beliebers: Ihr Idol und Lieblingssänger Justin Bieber, 23, sagte vor zwei Wochen die verbleibenden 14 Konzerte seiner «Purpose»-Welttournee ab. Lange wurde spekuliert, was die Gründe dafür sein könnten. Müdigkeit? Unlust? Oder sogar eine Sinnkrise?

Eines war klar: Der Bruch war gravierend und Insider erzählten dem US-Magazin «TMZ», der Sänger wolle gleich für zwei ganze Jahre eine Pause einlegen.

«Ich möchte, dass meine Karriere lange anhält»

Nun gewährt der «Sorry»-Sänger seinen Fans in einem emotionalen Post Einblick in sein Gefühlsleben. Darin bittet er um Verständnis für seine Situation. Bitterkeit, Eifersucht und Angst hätten seine persönlichen Beziehungen bestimmt.

Er habe in der Vergangenheit viele Fehler begangen, wolle aber seine Zukunft nicht davon beeinflussen lassen. Auch über sein Verhältnis zu seiner Karriere machte er sich Gedanken: «Ich möchte, dass meine Karriere lange anhält, aber auch mein Geist, mein Herz und meine Seele, sodass ich der Mann und irgendwann auch der Ehemann und Vater sein kann, der ich sein will.»

Orientierung in der Religion

Ist eine solche Krise normal für einen 23-Jährigen? «Offensichtlich war sein Leidensdruck sehr gross», sagt Jugendpsychologe Urs Kiener von Pro Juventute. Er sieht aber auch etwas Positives in Justins Entscheid: «Er erscheint mir sehr reflektiert in seinem Reifungsprozess. Stars wie er sind stets der Öffentlichkeit ausgesetzt. Da braucht es vielleicht einen Rückzug, um sich zu entwickeln.»

Der Superstar ist definitiv auf Sinnsuche. Das erklärt auch, weshalb er momentan viel Zeit mit dem Pastor Carl Lentz von der freikirchlichen «Hillsong Church» verbringt und deren Gottesdienste besucht. «Religionen und Kirchen erachten es als eine ihrer Aufgaben, Menschen in schwierigen Situationen Orientierung zu bieten und andere Dimensionen des Lebens zu erschliessen», erklärt Psychologe Kiener.

«Biebs» ist seit seiner Kindheit ein Star und hat eine Karriere hinter sich, die selbst für einen Erwachsenen eine psychische Herausforderung wäre. Da blieb vielleicht zu wenig Zeit, sich mit seinem eigenen Leben auseinanderzusetzen.

Justin Bieber Hillsong Church
© Dukas

Begleitet von Bodyguards besucht Justin Bieber eine Kirche in Beverly Hills.

Midlife Crisis mit 23?

Kann man bei einem derart beschleunigten Leben bereits von einer Midlife Crisis sprechen? Nein, sagt Jugendpsychologe Kiener. «Die Symptome sind zwar vergleichbar, doch die Idee einer Midlife Crisis kommt aus einer Zeit, als das Leben der meisten Menschen noch klarer in verschiedene Phasen unterteilt war.»

Heute spreche man eher von Übergängen, welche in ganz unterschiedlichen Lebensphasen auftreten können und diese seien oft anfällig für Orientierungslosigkeit und Sinnkrisen, so Kiener. «Sie dauern in der Regel so lange, bis die betroffene Person die Ansprüche an ihren neuen Lebensabschnitt erfüllen kann.»

Wie lange dieser Übergang bei Justin dauern wird, lässt sich wohl nicht so genau sagen. Es sieht aber so aus, als stünde der Bieber erst am Anfang dieser Entwicklung.

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