Samuel Koch «Kleine Fortschritte sind mir zu wenig»

Seit seinem Unfall bei «Wetten, dass...?» im Jahr 2010 ist Samuel Koch querschnittsgelähmt. Am Montagabend sprach er erstmals auf einem Schweizer Fernsehsender über die Zeit nach der Reha in Nottwil, sein Buch und die kleinen Fortschritte, die er stetig macht.
In Berlin stellte Samuel Koch sein Buch «Zwei Leben» vor. Der «Wetten, dass...?»-Kandidat lebt nun - nach seinem langen Aufenthalt im Reha-Zentrum in Nottwil - in Hannover.
© Dukas In Berlin stellte Samuel Koch sein Buch «Zwei Leben» vor. Der «Wetten, dass...?»-Kandidat lebt nun - nach seinem langen Aufenthalt im Reha-Zentrum in Nottwil - in Hannover.

Für die halbjährliche Kontrolle ist der «Wetten, dass...?»-Kandidat Samuel Koch, 24, nach Nottwil zurückgekehrt und hat sich die Zeit genommen, am Montagabend mit Hugo Bigi, Moderator der Sendung «Sommertalk» auf TeleZüri, zu sprechen. Es sei schön gewesen die Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten wieder zu sehen, sagte er im Gespräch. Aber auf der anderen Seite habe er «hier die schlimmste Zeit meines Lebens verbracht».

Während des Interviews fällt eines sofort auf: Samuel Koch hat keine Kopfstütze mehr an seinem Rollstuhl. Er kann seinen Kopf alleine heben und bewegen, und auch seine Aussprache ist viel flüssiger geworden. Koch demonstriert sogleich einen weiteren sichtbaren Erfolg - er hebt seine Hand langsam zum Gesicht und erzählt: «Ich kann mich mehr oder weniger und unter grossem Kraftaufwand selbst im Gesicht kratzen. Das war vor wenigen Wochen noch nicht möglich.» Er spüre langsam auch wieder etwas in den Händen, seinem rechten Fuss und dem Knie, fügt er an. Trotzdem sei er sehr ungeduldig, denn «kleine Fortschritte sind mir immer zu wenig. Aber es ist gut, dass sie nicht stagnieren».

Natürlich kommt der Moderator auch auf Kochs Buch «Zwei Leben» zu sprechen und fragt, was es ihm denn gebracht habe, das Werk zu schreiben. «Darüber hab ich auch schon nachgedacht.» Weil er durch sein Buch aber alles habe Revue passieren lassen müssen, habe ihm das sehr geholfen, erklärt Samuel Koch. «Es gab viele depressive, traurige und schmerzhafte Momente, in denen ich gemerkt habe, wovon ich mich verabschieden musste.» Das zu verbalisieren habe ihm geholfen, den Unfall zu verarbeiten. Und auch sein Glaube helfe ihm dabei, seine Behinderung anzunehmen. In der Bibel stehe ja zum Beispiel «man soll seine Feinde lieben», und das versuche er. «Mein Glaube hilft mir mit meinem Feind, der Behinderung, umzugehen, obwohl ich es nicht immer schaffe. Aber ich stosse ihn nicht ganz ab, das würde mich noch mehr behindern», sagt Koch.

Zurzeit lebt Samuel Koch in Hannover und hat sein Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Angriff genommen. «In Hannover hätte ich in einem betreuten Wohnheim mit anderen Rollstuhlfahrern leben können, aber das wollte ich nicht», erzählt der 24-Jährige. Er habe sich stattdessen eine Wohnung im Zentrum gesucht, wo er von «Fussgängern» umgeben sei.

In der Sendung «Wetten, dass...?» stürzte Koch am 4. Dezember 2010 bei seinem Versuch über ein Auto zu springen schwer und ist seither querschnittsgelähmt.

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