Peter Hahne Koch-Interview: «Habe mich nicht vorbereitet»

Das Gespräch mit dem verunfallten «Wetten, dass..?»-Kandidaten Samuel Koch bescherte dem ZDF Rekordquoten. Mit SI online sprach Moderator Peter Hahne über Mitleid, Provokation - und er erklärt, warum es ab sofort keine öffentlichen Stellungnahmen mehr gibt.

SI online: Peter Hahne, das Interview mit Samuel Koch berührte Millionen von TV-Zuschauern, wie haben sie sich auf das Gespräch vorbereitet?
Peter Hahne: Das war zwiespältig. Ich habe ja oft mit Samuel telefoniert, ihn aber vorher nie gesehen. Man bleibt bei dieser Geschichte nicht mehr neutral, sondern ist emotional geladen und betroffen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mich gar nicht vorzubereiten.

Sie haben während 30 Minuten spontan geredet?
Ich sprach mit ihm so vor den Kameras, wie ich privat auch mit ihm reden würde. Es war ein 4-Augen-Gespräch mit Kameras. Ich wusste, was ihm wichtig ist. Sich zu bedanken und zu sagen: «Hey, ich bin wieder da.»

Sie gingen nicht gerade vorsichtig mit Samuel um, stellten auch provokante Fragen.
Das können Sie nur, wenn sie die Person kennen und ihr das zumuten können. Wenn ich gewisse Dinge nicht gefragt hätte, hätte es geheissen, das sei Kuschelfernsehen. Ich wollte den Jungen zeigen als jemanden, der blitzgescheit ist, druckreif spricht und trotzdem die Herzen bewegt.

Will er kein Mitleid?
Mitleid ist für Samuel keine Kategorie: Er will Anteilnahme, Zuspruch, Gebete. Aber nicht billiges Mitleid - Mitgefühl ja, aber nicht Mitleid.

Wie waren die Reaktionen der Zuschauer auf das Interview?
So etwas habe ich noch nie erlebt, mein Computer ist zusammengebrochen. Gestern hat mich der Pilot auf meinem Flug mit Handschlag begrüsst. Es gibt ja fast niemanden, der das nicht gesehen hat, überall sprechen mich die Leute an. So etwas hat es überhaupt noch nie gegeben, die Leute hatten das Gefühl, Hahne und Koch sässen bei ihnen im Wohnzimmer.

Wie ging Samuel mit der Kamerasituation um?
Er hat danach erst einmal tief durchgeatmet. Sie müssen wissen: Das Interview ist nicht geschnitten, sondern in einem Stück durchgelaufen. Das ist für mich ein Wunder. So etwas einmaliges, dass einer durchhält und nie nachlässt in der Konzentration, das schafft kaum ein Profipolitiker. Dieser Junge verströmt mit 23 Jahren mehr Lebensweiseheit als ich mit meinen 58.

Kritische Stimmen sagen, Kochs Schicksal werde medial ausgeschlachtet.
Das kann ich nicht beurteilen, weil ich vorher kaum etwas über ihn gelesen habe. Die Besuche von Gottschalk und Hunziker? Das waren ja Beteiligte. Aber viele andere hochrangige Besuche und Post von höchstrangigen Menschen, all das wird bis jetzt vertraulich behandelt. Das ist doch ein Zeichen, dass diese Familie alles richtig macht, oder eben eines nicht macht: Samuels Schicksal vermarkten.

Wie geht es jetzt weiter mit Ihnen und Familie Koch, werden Sie weiter Kontakt halten?
Davon können Sie ausgehen. Dass ich schon seit langem mit Samuel telefoniere, hat nie jemand gewusst und unser Verhältnis soll auch in Zukunft privat bleiben. Das ist jetzt das letzte, was ich öffentlich dazu sage.

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