Zum 20. Todestag von Lady Di Teil 5: Ein Interview schlägt hohe Wellen

Am 31. August jährt sich Dianas Todestag zum 20. Mal. SI online blickt deshalb jeden Tag im August zurück - auf das Leben der Königin der Herzen, den tragischen Unfall in Paris und das Erbe, das sie hinterlassen hat. Teil 5 dreht sich um das grosse Interview, das weltweit für Schlagzeilen sorgte.

Ein Interview, das um die Welt geht - ausgestrahlt am Hochzeitstag ihrer Schwiegereltern, Queen Elizabeth und Prinz Philip. Diana öffnet am 20. November 1995 im BBC-Format «Panorama» - das Original-Transkript des ganzen Interviews finden Sie hier - vor 200 Millionen Menschen ihr Herz und rechnet ab mit dem britischen Hof.

Das Video kann als Reaktion auf ein Interview gewertet werden, das Prinz Charles im Jahr zuvor gegeben hatte. Eigentlich will er damals für seine Wohltätigkeitsorganisation «The Prince's Trust» Werbung machen, stattdessen gesteht er öffentlich das Scheitern seiner Ehe zu Diana - und die Affäre zu seiner Jugendliebe Camilla Parker Bowles. Es scheint, als habe Diana diese öffentliche Demütigung nicht einfach hinnehmen wollen.

Diana habe die Fragen im Vorfeld gekannt und sich akribisch darauf vorbereitet, heisst es. Sie will nichts dem Zufall überlassen und kümmert sich selbst um ihr Make-up, mit den schwarz umrandeten Augen, das für Diana sehr untypisch ist, schafft sie zusätzliche Dramatik.

Eine Person zu viel

In ihrem Gespräch mit Martin Bashir sagt Diana über die Ménage à trois, in der sie lebte. «Es waren drei von uns in dieser Ehe - das war eine Person zu viel.» 

Diana und Charles spielen lange eine Rolle

Sie habe schon 1986 gewusst, dass etwas nicht stimme. Eine Frau spüre das. «Doch ich war nicht in der Position, etwas dagegen zu unternehmen», so Diana weiter. «Die Erkenntnis war erschütternd und trieb mich in eine Essstörung.» Während Jahren leidet sie unter Bulimie, gibt sie offen zu. Hilfe von der königlichen Familie bekommt sie keine. «Wenn man Bulimie hat, schämt man sich für sich selber. Man hasst sich. Man bespricht das nicht mit anderen Menschen. Das Tückische ist, dass man weder zu- noch abnimmt. Man kann so tun, als wäre alles ganz normal.» Die Krankheit sei auch eine Art Fluchtweg gewesen, da sie nie gelobt wurde. «Machte ich aber einen Fehler, habe ich die ganze Kritik abbekommen.»

Trotz Affäre nehmen Charles und Diana ihre Rolle als Thronfolger-Paar weiterhin wahr. «Reisten wir ins Ausland, hatten wir verschiedene Appartements und Zimmer im selben Stock. Das kam dann ans Licht - und es gab wieder Komplikationen. Doch Charles und ich hatten unsere Pflicht zu erfüllen, das war das Wichtigste. Wir waren in der Öffentlichkeit ein sehr gutes Team.» 

Diana gegen eine Scheidung

1992 wird schliesslich die legale Trennung verkündet. «Wir haben gekämpft, um das Ganze aufrechtzuerhalten. Doch das klappte nicht mehr, wir hatten keine Energie mehr übrig, keiner von uns. Es war auch eine Erleichterung für uns beide.» Charles habe die Trennung gewollt - sie nicht, da sie als Scheidungskind nicht noch einmal eine Scheidung miterleben wollte. Dennoch habe sie ihm keine Steine in den Weg gelegt.

Auf die Frage, ob sie je Königin werden würde, sagt sie: «Ich wäre gern Königin in den Herzen der Menschen. Aber ich sehe nicht, wie ich Königin dieses Landes sein kann. Ich glaube nicht, dass viele das wollen.» Sie meint damit das Establishment, in das sie hineingeheiratet hat. «Dort ist bereits beschlossen, dass ich das nicht werden soll.» Der Grund: «Ich mache Dinge anders, halte mich nicht an Regeln und agiere mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf. Sollte ich damit Probleme geschaffen haben, verstehe ich das. Aber es braucht auch jemanden, der Menschen liebt und das auch zeigt.»

Nicht aus Rache gehandelt

Schliesslich will der Interviewer wissen, warum sie sich zu dem Gespräch vor laufender Kamera entschlossen hat. Nicht aus Rache an ihren Mann, betont Diana. Sie sei traurig, dass ihre Ehe keine Chance hatte. «Doch ich bin optimistisch über meine Zukunft, die Zukunft der Monarchie und die meines Ehemannes.»

Im Nachhinein bereut Diana das Interview zutiefst, wie ihr ehemaliger Privatsekretär Patrick Jephson im Interview mit der «Mail on Sunday» preisgibt. «Ich glaube, ihr wurde plötzlich bewusst, dass das wohl nicht so eine gute Idee gewesen war.» Ihr sei klar geworden, dass dies der Sache in keiner Weise dienen würde. 

Das Interview gilt als Tabubruch: Noch nie zuvor hatte es jemand gewagt, über den britischen Thronfolger, das Königshaus herzuziehen. Das Volk steht nach Ausstrahlung der Sendung beinahe geschlossen hinter Lady Di, der Glaube an die Monarchie hingegen ist erschüttert.

Lady Diana: Ihr Leben in Bildern

Teil 6: Ihre Leidensgeschichte mit Charles

Im Dossier: Alle Teile der Diana-Serie.

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