Was macht eigentlich... ...Lee Neuhaus vom «Marienhof»?

Am Mittwochabend lief die letzte Sendung der Kult-Serie «Marienhof». Einige Gesichter werden ewig in Erinnerung bleiben - zum Beispiel die Rolle der Lee Neuhaus mit den dunklen Rastalocken. Heute ist Laura Schneider als Kinderagentin für Film und Fernsehen tätig. Mit SI online spricht sie über ihre neue Herausforderung - und erinnert sich zurück an vergangene «Marienhof»-Zeiten.

So mancher Fan wird das eine oder andere Tränchen wegdedrückt haben müssen, als ARD am Mittwoch um 18.25 Uhr die letzte «Marienhof»-Folge ausgestrahlt hat. Nie mehr Teil des fiktiven Kölner Stadtviertels sein, nie mehr das aufregende Leben von Inge Busch, Frank Töppers & Co. verfolgen und nie mehr den bekannten Vorspann «Es wird viel passieren» hören. 

Passiert ist einiges in knapp 20 Jahren Sendezeit: 4053 Folgen, 33 Todesfälle, 11 Neugeborene und über 20 Hochzeiten, lautet das Fazit der kultigen deutschen Seifenoper. Die Zuschauerquoten liefern weniger erfreuliche Zahlen - sie haben sich in den letzten zehn Jahren fast halbiert. Um den Abschied erträglicher zu gestalten, kehrten für die finalen Sendungen immerhin noch einige frühere Schauspieler in die Sendung zurück. Laura Schneider, 31, ist eine von ihnen.

In der ARD-Serie spielte sie während zwei Jahren Lee Neuhaus, die Halbschwester von Frederik Neuhaus, der an der Glaskochenkrankheit leidet und im Rollstuhl sitzt. Noch heute ist sie mit ihrem Serien-Bruder befreundet. Mit ihm hat sie sich am Mittwoch auch die allerletzte Episode angeschaut - «inklusive vieler Emotionen», wie sie gegenüber SI online verrät. «Die letzte Folge ist definitiv ein besonderer Moment.»

1998 bis 2000: «Marienhof»
Ende der 90er stiess die damals 19-Jährige als Lee Neuhaus zum «Marienhof»-Ensemble. Zuvor liess sie sich in München - noch während ihrer Schulzeit - zur Schauspielerin ausbilden. Schon Lees Einstieg im Jahre 1998 war turbulent: Als sie als neue Schülerin ans Erich-Kästner-Gymnasium kommt, verliebt sie sich Hals über Kopf in Tobi, obwohl sie mit Ritchie zusammen ist. Ritchie ist so eifersüchtig, dass er eine Mutprobe verlangt. Dabei verletzt sich Tobi schwer und benötigt eine neue Niere. Nach der Transplantation werden Lee und Tobi ein Paar.
Viel später zerbricht die Liebe erneut wegen eines anderen Mannes - Basketballer K.C. Lee muss jedoch entsetzt feststellen, dass er ihr Vater ist. Ihre Mutter Ulla angelt sich ihn schliesslich wieder. Als die zwei in die USA auswandern, geht Lee mit.

1999 bis 2001: Musik
Noch während ihrer «Marienhof»-Zeit landet Laura Schneider einen Charts-Hit. Mit Ricky, dem ehemaligen Mitglied der Mädchen-Gruppe Tic Tac Toe, veröffentlicht sie die Single zur Serie «Er ist nicht der Richtige». Aufgrund des Überraschungserfolgs versucht sich Laura Schneider fortan als Solokünstlerin. Sie produziert die Ballade «Immer wieder» und kann sich auch mit diesem Song in den deutschen Top Ten platzieren. Für ihn erhält sie gar eine Goldene Schallplatte für mehr als 250'000 verkaufter Singles. Dieselbe Auszeichnung gewinnt sie auch in der Schweiz. 2001 wird sie ausserdem für den Echo als Beste Künstlerin nominiert.

2000 bis 2004: Weitere Serien
Ende 2000 verlässt Laura Schneider den «Marienhof». Bald folgt die nächste ARD-Serie: 2001 ist sie in der dritten Staffel von «Bei aller Liebe» zu sehen. Ein Jahr später besucht sie in London eine Schauspielschule, danach absolviert sie ein «Professional Trainining» in Los Angeles. Wieder in Deutschland, kehrt sie mit der Serie «Um Himmels Willen» auf den Bildschirm zurück. 2006 ist sie zudem in einer der Hauptrollen der Pro7-Telenovela «Lotta in Love» zu sehen.

2004 bis heute:
Statt nur Rollen für sich selbst zu ergattern, will Laura Schneider fortan auch junge Talente fördern. Dafür gründet sie 2004 die Nachwuchsagentur «Kids & Stars Ltd.» für Film und Fernsehen in München. «Ich weiss selbst, wie viel ich Glück ich hatte und bin überzeugt, dass es jemanden braucht, der einem die Türen öffnet», sagt sie. Und sie tut es erfolgreich: Einige von ihr gecoachte Kinder haben schon in internationalen Produktionen mitgespielt. Und ein Film, bei dem sie sich für die Kindercastings verantwortlich zeichnet, ist gerade als bester Film für den Kinder-Medien-Preis «Der weisse Elefant» nominiert - «und er hat grosse Chancen zu gewinnen», sagt sie.
Selbst hat die 31-Jährige (noch) keinen Nachwuchs. Planen könne man Kinder sowieso nicht. «Ich sehe das in meinem eigenen Umfeld», erzählt sie. «Plötzlich hiess es da ‹Huch, ich bin schwanger - das passt jetzt zwar gar nicht, aber wir freuen uns!›»
Neben ihrer Arbeit mit Kindern synchronisiert Laura Schneider Filme und ist immer noch als Sängerin tätig. Für einen Kurzfilm hat sie beispielsweise einen Songtext zum Thema Kindesmissbrauch geschrieben. «Mir macht meine Arbeit grossen Spass. Da steckt immer 120-prozentige Leidenschaft dahinter», sagt sie.

Von ihrer «Marienhof»-Rolle als Lee Neuhaus wird sie sich dennoch nie ganz distanzieren können. Noch heute wird sie darauf angesprochen. «Gerade heute Morgen wieder, als ich joggen war.» Lästig sei ihr das nicht, im Gegenteil. «Das ist eine Ehre!»

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