Horst Lichter «Mein liebster Sport? Ritter Sport Nougat!»

Sein Sternzeichen sei Sahne, sein Aszendent Butter. Horst Lichter ist mit Abstand der vergnüglichste Koch des deutschen Fernsehens. Am 2. Februar gastiert der Rheinländer mit seinem neusten Bühnenprogramm in Zürich und will für viel Spass und lukullische Höhenflüge sorgen. Wie viel Lebenszeit insgesamt schon für das Styling seines Zwirbelschnauzes draufgegangen ist, kann der Rheinländer im Gespräch mit SI online nicht sagen. Aber dafür weiss der 51-jährige Küchenclown ganz genau, wie man Zürcher Geschnetzeltes kocht. Auch wenn sein Rezept etwas vom Original abweicht.
Weil Horst Lichter mal eine Dame als «nougatgefüllte Marzipanpraline» tituliert hat, bekam er die Saure-Gurken-Auszeichnung für die frauenfeindlichste Äusserung im deutschen Fernsehen. Unverständlich, wie der Fernsehkoch findet. Schliesslich sei er ein Schokoladenliebhaber par Excellence.
© ZVG Weil Horst Lichter mal eine Dame als «nougatgefüllte Marzipanpraline» tituliert hat, bekam er die Saure-Gurken-Auszeichnung für die frauenfeindlichste Äusserung im deutschen Fernsehen. Unverständlich, wie der Fernsehkoch findet. Schliesslich sei er ein Schokoladenliebhaber par Excellence.

SI online: Herr Lichter, nachträglich herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 51. Geburtstag! Wie lebt es sich eigentlich in der zweiten Lebenshälfte?
Horst Lichter: Zweite Lebenshälfte oder letztes Drittel. Man weiss ja nie, wo man gerade steckt. Ich fühle mich derzeit aber sauwohl.

Hat das einen besonderen Grund?
So ab vierzig fing das Leben nochmals an, sehr, sehr schön zu werden. Als junger Mann war jemand über fünfzig in meinen Augen alt. Wenn man dann auf einmal selber dieses Alter erreicht hat und man feststellt, dass man im Kopf eigentlich immer noch zwanzig oder sogar jünger ist, dann ist das schon eine coole Sache. Jedoch muss man ab einem gewissen Alter aufpassen, dass die Leute einem nicht nachsagen, ein alter alberner Sack zu sein.

Wie kann man diesen Eindruck vermeiden?
Indem man eine gute Eigenreflexion hat. Wenn man sich selber zu gut findet, besteht die Gefahr, dass man ins Alberne abrutscht. Ich finde es zum Beispiel nicht schön, wenn sich ältere Männer zu jugendlich kleiden, nur weil sie mit ihren Söhnen mithalten wollen. Oder wenn Frauen über fünfzig das Haar noch lang tragen. Das kann zwar je nach Typ elegant wirken, aber mir persönlich gefällt es nicht.

Trifft es zu, dass man mit jedem Lebensjahr gelassener wird?
Also ich habe ja sowieso eine ganz andere Lebenseinstellung als viele andere Menschen. Ich habe einfach zu wenig Zeit, um mich in diesem kurzen Leben über blöde Dinge zu ärgern. Daher geniesse ich alles so gut es geht, ohne verschwenderisch mit meinem Vergnügen umzugehen oder mich ruinös zu verhalten.

Das hört sich an, als könnte Sie nichts aus der Ruhe bringen.
Doch. Was ich nur ganz schlecht ertragen kann, ist, wenn Menschen anderen Menschen unrecht tun. Ich mag es auch nicht, wenn sich gesunde Menschen über kranke und schöne über hässliche lustig machen. Das bringt mich auf die Palme.

Und beim Autofahren? Sind Sie da genauso gelassen, wie man Sie aus dem Fernsehen kennt?
Ja, mein Gott im Himmel, es nützt ja alles nix. Wenn ich im Stau stehe und mich aufrege, verkürzt das mein Leben, nicht die Fahrtzeit. Und wenn jemand hinter mir drängelt, dann schimpfe ich nicht, sondern mache einfach Platz. Warum soll ich mich darüber aufregen? Ich bin auch jemand, der beim Betreten der Bahn zuerst einmal «schön guten Tag» sagt. Auch auf die Gefahr hin, dass mich 40 Mann anglotzen und denken, der hat ja einen an der Waffel.

Das macht ja sonst auch keiner, wenn er in den Zug einsteigt...
Stimmt, aber ich finde, da sitzen oftmals viele mit langen Gesichtern und das könnte man ja schon mal damit beheben, dass jemand anfängt, zu grüssen.

Haben Sie sich mal überlegt, ob Sie nicht einfach zu nett für diese Welt sind?
(lacht) Meine Frau sagt immer wieder, ich sei zu naiv, was Menschen angeht, weil ich immer glaube, dass in jedem Menschen ganz viel Liebes drin steckt. Natürlich bin ich auch sehr oft enttäuscht oder verletzt worden. Doch selbst da überlege ich, warum derjenige so reagiert hat und kann es dann im nächsten Moment auch schon wieder verzeihen.

Sie gastieren am 2. Februar mit Ihrer neuen Show «Jetzt kocht er auch noch!» in Zürich. Können Sie mir sagen, wie man Zürcher Geschnetzeltes zubereitet?
Das Gericht habe ich in meiner Lehre gelernt, wobei ich nicht weiss, ob es das Originalrezept ist. Also: Das Kalbfleisch ganz kurz anbraten und danach unbedingt aus der Pfanne nehmen. Sonst wird es trocken. Dann röste ich Zwiebeln an, gebe ein klein wenig Tomatenmark, Fond und Sahne hinzu und gebe am Ende noch die Champignons in die Sauce.

Test bestanden! Jetzt dürfen Sie in die Schweiz einreisen.
(lacht) In meiner Lehrzeit kam übrigens noch fein gewürfelte Ananas mit rein. Das mochte ich sehr.

Was dürfen die Zuschauer von Ihrer Show erwarten?
Ich versuchs mal zu erklären, ohne zu viel zu verraten. Ich habe zwei grosse Programme hinter mir und bin seit elf Jahren auf der Bühne. Doch so eine Resonanz wie diesmal hatte ich noch nie. Ich habe bis jetzt 17 Abende hinter mir und urplötzlich sagen die Leute nicht mehr, ich sei ein verrückter Hund, sondern sie sagen: «Dankeschön für diesen wunderbaren Abend, Herr Lichter». Das hat für mich eine ganz neue Wertigkeit. Ausserdem gibt es neben der menschlichen auch eine lukullische Seite, weil ich auf der Bühne wirklich richtig leckeres Essen zubereite.

Also gibt es diesmal keine Fischstäbchen in Orangensaft wie in Ihrer ersten Show?
(lacht) Nein, diesmal wird es wirklich schmackhaft.

Lachen die Schweizer an anderen Stellen als die Deutschen?
Also sowohl in Österreich als auch in der Schweiz habe ich festgestellt, dass die Menschen eine ganz andere Grundstimmung haben. Die lassen sich irgendwie viel mehr auf mich ein. Man merkt, die möchten sich nicht einfach nur bedienen lassen, sondern sagen sich: «Heute haben wir Spass mit dem Horst.»

Was meinen Sie, wieso fühlen sich die Leute bei Ihnen so wohl?
Es ist ganz schwierig, das über mich selbst zu sagen. Vielleicht, weil ich einfach nur ehrlich bin.

Ihr Zwirbelschnauz ist ja mittlerweile zum Markenzeichen geworden. Wie viel Lebenszeit ist für das Styling schon draufgegangen?
Och, das müsste man mal ausrechnen. Ich trage ihn schon seit dreissig Jahren so und brauche im Schnitt etwa vier Minuten: Föhn drunterhalten, Haarlack rein, glattziehen, fertig. Aber ich mach das ja nicht immer. An freien Tagen oder zuhause föhne ich ihn morgens höchstens mal zur Seite. Dann stört er mich auch nicht beim Essen oder Trinken.

...oder Küssen!
Oder beim Küssen. Aber da kitzelt er so schön, sagt mein Schatz.

Sie haben früher mal Bodybuilding gemacht und wollten wie Arnold Schwarzenegger aussehen. Für welchen Sport können Sie sich heute begeistern?
Ritter Sport Nougat! (lacht) Nun ja, ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer.

Das gilt nicht, weil man dabei nicht ins Schwitzen kommt.
Doch tut man. Manchmal vor Angst, manchmal vor Begeisterung. Motorradfahren ist für mich eine ganz grosse Leidenschaft. Ohne könnte ich nicht. Und wenn ich das irgendwann mal nicht mehr ausüben kann, wird es echt schwierig in meinem Leben.

Sie wohnen im Schwarzwald. Da könnten Sie doch Skifahren.
Ich bin kein Wintersportfan. Das ist mir zu kalt und in meinem Alter muss ich auch nicht mehr damit anfangen. Sonst breche ich mir doch nur die Haxen. Joggen finde ich relativ langweilig, höre aber immer wieder, wie unglaublich befreiend und toll das sein soll. Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre wiedermal in die «Muckibude» zu gehen. Das kann ich wenigstens und da weiss ich auch, wie es geht. Aber diese Ausdauersportarten? Die sind nix für mich.

Dabei sind Sie doch eine Naschkatze.
Leider ja.

Sind Sie anfälliger für Süsses, wenn Sie traurig sind?
Oh, dann bin ich sehr empfänglich für Schokolade.

Stichwort «nougatgefüllte Marzipanpraline»...
...wofür ich die Auszeichnung «Saure Gurke» für die angeblich frauenfeindlichste Äusserung im Fernsehen bekommen habe.

Weil Sie in der Sendung «Lafer! Lichter! Lecker!» die anwesenden Frauen damit verglichen haben. Vielleicht können einfach nicht alle so gut mir Ihrem rheinländischen Humor.
Also ganz ehrlich: Das war als Lob und ganz und gar nicht sarkastisch gemeint. Wenn ich eine schöne Frau sehe und ich ihr als Schokoladenliebhaber sage, dass sie wie eine nougatgefüllte Marzipanpraline aussieht, dann ist das doch als Lob gemeint.

Wer kocht eigentlich bei Ihnen zu Hause? Sie oder Ihre Frau?
Zu 98 Prozent meine Frau.

Ist sie eine gute Köchin?
Eine hervorragende sogar! Als wir zusammengekommen sind, hat sie kochen extrem doof gefunden. Das war nie ihre Welt. Doch im Laufe der Jahre hat sie sich zu einer leidenschaftlichen Köchin entwickelt. Ich habe sie auch schon mit Kochbüchern erwischt. Dann denke ich: Mein Gott im Himmel, es gibt doch auch noch die «Bunte».

Das liegt wohl daran, dass Sie ihr den Antrag in der Küche gemacht haben.
Das ist wahrscheinlich der Grund, ja.

Ihr letztes Programm trug den Namen «Kann denn Butter Sünde sein?». Haben sie schon jemals eine Diät gemacht?
Ich bin ein grosser Gegner von Diäten und der Meinung, dass man die erst braucht, wenn man krank ist. Die beste Diät des Lebens ist Mass halten. Wenn man das macht, dann ist doch alles in Ordnung.

Sie hätten das doch sowieso nicht nötig...
Nun ja, ich sehe nicht aus wie ein kränkliches Bäumchen, ich bin aber auch keine ausgewachsene Eiche. Noch kann ich Konfektionsgrössen tragen, die frei verkäuflich sind.

Horst Lichter ist mit seiner neuen Show «Jetzt kocht er auch noch!» am Samstag, den 2. Februar 2013, im Zürcher Spirgarten zu sehen. Seine weiteren Schweiz-Termine entnehmen Sie hier

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