Michael Schumacher Geschmacklos! Heftcover sorgt für Empörung

Ist das deutsche Magazin «Die Aktuelle» mit seiner Titelgeschichte zu weit gegangen? Eine irreführende Überschrift, die den Leser glauben lässt, Michael Schumacher sei aus dem Koma aufgewacht, entsetzt Fans und Experten.
«Die Aktuelle» schreibt «Aufgewacht» unter das Bild von Michael und Corinna Schumacher
© Die Aktuelle

Es sei geschmacklos und unseriös, die Leser auf Kosten eines Kranken zu täuschen, sagt Medien-Ethiker Christian Schicha.

Michael Schumacher lächelt, hält seine Frau Corinna im Arm. Das Bild ziert die aktuelle Ausgabe des deutschen Magazins «Die Aktuelle». Dazu prangt in grossen Lettern die Überschrift: «Aufgewacht!». Doch erst bei genauem Hinsehen erkennt der Leser, dass es dabei nicht um den 45-Jährigen geht. In kleineren Buchstaben steht darunter: «Drei Menschen berichten: Wie es ihnen erging, als sie aus dem Koma erwachten.»

Will «Die Aktuelle» tatsächlich aus dem Gesundheitszustand des verunfallten Rennfahrers Profit schlagen - und ihre Leser in die Irre führen? Die sind jedenfalls entsetzt. Auf Twitter hagelt es Kommentare über den missverständlichen Titel. «Eine Frechheit», schreibt ein User. Und ein anderer meint: «Geschäft hat Grenzen.» Ein weiterer Twitter-Nutzer spricht von «Verarschung der Schumi-Fans» und ein anderer schreibt: «Es dauert nicht mehr lange bis Reporter selbst Hand anlegen um ihre perverse Sensationsgeilheit zu befriedigen.»

Medien-Ethiker Christian Schicha bemängelt das Heftcover ebenfalls. «Für mich ist das eine klassische Form des Täuschungsversuchs», sagt er gegenüber «Focus Online». «Es wird bewusst suggeriert, Schumacher sei aus dem Koma erwacht.» Es sei ein Versuch, auf Kosten eines Kranken Geschäfte zu machen. Das sei «ausgesprochen geschmacklos.» Insgesamt werde der Eindruck erweckt, «Die Aktuelle» wisse etwas neues. Das sei unseriös.

«TITANIC» KOMMT UNGESTRAFT DAVON

Das Blatt hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen äussern wollen. Christian Schicha prophezeit Beschwerden beim deutschen Presserat. Die letzte Beschwerde im Fall Michael Schumacher liegt nicht weit zurück. Im Februar 2014 gings ums Cover der Satire-Zeitschrift «Titanic». Zum Foto des ehemaligen Formel-1-Piloten Niki Lauda - dessen Gesicht von einem Unfall von Narben gezeichnet ist - stand die Überschrift: «Erstes Foto nach dem Unfall: So schlimm erwischte es Schumi.» Dafür wurde die «Titanic» allerdings nicht gerügt. Der Presserat sah darin eine «kritische Auseinandersetzung mit dem Medienrummel um Schumachers Gesundheitszustand.»

Seit Ende 2013 liegt der 45-Jährige mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma im Koma, nachdem er beim Skifahren in den französischen Alpen verunglückte.

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Alle Artikel zu Michael Schumacher finden Sie im grossen Dossier von SI online.

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