Michael Schumacher Helmkamera zeigt: Er fuhr nicht zu schnell

Seit dem tragischen Ski-Unfall von Michael Schumacher bangen Familie, Freunde und Fans um die Gesundheit des ehemaligen Rennfahrers. Aber auch die Frage nach dem Unfallhergang bewegt. Am Mittwochvormittag hat die Staatsanwaltschaft über die noch laufenden Ermittlungen informiert.
Michael Schumacher: Neue Infos aus dem Krankenhaus
© Getty Images

Michael Schumacher sei offenbar freiwillig ausserhalb der Piste gefahren, so die aktuelle Einschätzung von Staatsanwalt Patrick Quincy. Jedoch sei das Tempo angemessen gewesen.

Die Frage bewegt: Was geschah wirklich beim Ski-Unfall von Michael Schumacher, 45, bei dem er sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hat? Am Mittwoch, um 11 Uhr, informierte die Staatsanwalt in Albertville erstmals über den Ermittlungsstand.

Das Filmmaterial von «Schumis» Helmkamera ist in einem gutem Zustand und konnte bereits ausgewertet werden. Das Video dauert zwei Minuten und zeigt, wie der ehemalige Rennfahrer zwischen einer blauen und einer roten Piste fährt. «Die Aufzeichnungen bestätigen, was wir bereits wussten», sagt Staatsanwalt Patrick Quincy bei der Pressekonferenz. Acht Meter von der markierten Piste entfernt habe der Sportler das Gleichgewicht verloren und sei auf einen Felsen geprallt.

Doch wie ist es so weit gekommen? War die Piste zu wenig gut markiert? «Nein», so der Staatsanwalt. «Es gibt Normen in Frankreich über die Markierungen und Warnungen auf Skipisten. Diese wurden in diesem Fall eingehalten.» Er gehe davon aus, dass sich Schumacher aus freien Stücken dafür entschied, die Piste zu verlassen. Durch das Video sei der Unfall nachgestellt worden. Experten arbeiten aktuell daran, alles auszuwerten, die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.

Was Patrick Quincy aber bereits sagen kann: «Michael Schumacher ist offensichtlich ein guter Skiläufer. Wir können nicht erkennen, dass er mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war.» Das genaue Tempo werde aber noch ausgewertet. «Die Geschwindigkeit entsprach der Pistenneigung», ergänzt Stephane Bozen, Kommandant der Gebirgs-Gendarmerie Savoyen. Und auch wenn die Ärzte von einer grossen Bewegungsenergie beim Aufprall sprechen würden, müsse das nicht bedeuten, dass er leichtsinnig zu schnell gefahren sei.

Das Beweismaterial sage auch nichts darüber aus, dass der ehemalige Formel-1-Pilot einem Mädchen auf die Beine geholfen habe. «Wir sehen keine anderen Personen. Jedoch muss man sagen, dass das Video bloss die letzten zwei Minuten vor dem Sturz zeigt und das Sichtfeld sehr eingeschränkt ist», betont Quincy.

Warum es fünf Tage gedauert hat, bis die Helmkamera beschlagnahmt worden ist, erklärt der Staatsanwalt so: «Die hatte die Familie erst bei sich behalten. Es war ein Skiunfall mit sehr schweren Verletzungen. Da war nicht die erste Sorge, die Kamera zu beschlagnahmen. Die Familie zeigte sich die ganze Zeit über sehr kooperativ.»

Michael Schumacher stürzte am 29. Dezember 2013 im Skigebiet Méribel in den französischen Alpen. Wegen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas wurde er ins künstliche Koma versetzt und seither zweimal operiert. Der Zustand des ehemaligen Formel-1-Piloten ist zwar stabil, aber weiterhin kritisch einzustufen. Ob der 45-Jährige je gesund wird, kann noch nicht prophezeit werden.

Seit seiner Einlieferung ins Spital belagern Presseleute und Fans die Universitätsklinik in Grenoble. Ehefrau Corinna Schumacher, 44, hat am Dienstag an die Medien appelliert, die Ärzte doch in Ruhe arbeiten zu lassen. «Vertrauen Sie bitte deren Statements und verlassen Sie die Klinik», bat sie die Presseleute in einem öffentlichen Schreiben am Dienstag.

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