Angelika Hernandez Zürcher Bankerin & Ex-Miss kämpft für Venezuela

Es fehlt in Venezuela an allen Ecken und Enden - hinzu kommt die gewaltige Mordrate im vergangenen Jahr. Zwei Schönheitsköniginnen verloren kürzlich ihr Leben durch die Gewalt, die den südamerikanischen Staat seit Jahren beherrscht: Die Opfer haben ein Gesicht bekommen. Die Zürcher Bankerin Angelika Hernandez, selbst ehemalige Miss-Venezuela-Kandidatin, kämpft für Frieden im Land. Zahlreiche Missen unterstüzen ihr Social-Media-Projekt «Misses4Peace» - das gibt Hoffnung.

Als die Zahlen publiziert wurden, stockte ihr der Atem. Die Zürcher Bankerin und ehemalige Schönheitskönigin Angelika Hernandez, 28, macht sich grosse Sorge um ihre Heimat Venezuela: Laut der NGO «Observatorio Venezolano de Violencia» wurden 25'763 Menschen allein im vergangenen Jahr ermordet - so viele, wie sie sonst nur in Kriegsgebieten vorkommen. «Egal ob Frauen, Kinder oder Alte, arm oder reich - niemand ist mehr sicher», sagt die gebürtige Venezolanerin im Gespräch mit SI online.

Hundertausende Studenten, Regierungsgegner und Journalisten protestieren seit Wochen auf den Strassen: Zunehmende Kriminalität, Unterdrückung, Korruption, Inflation und die Medienzensur machen das Leben in der eigenen Heimat unerträglich. Angelika Hernandez selbst flüchtete vor Jahren ins Ausland, weil sie nach Kidnapping-Drohungen um ihr Leben fürchtete. Tatenlos zusehen, wie Venezuela immer tiefer in die Krise rutscht, möchte sie in der Schweiz aber nicht. So startete sie vor drei Wochen die Social-Media-Initiative «Misses4Peace» - Hunderte ehemalige Schönheitsköniginnen machen sich seither über Facebook, Twitter oder Youtube für Frieden in Venezuela stark.

So stellte die 28-Jährige Tochter eines Venezolaners und einer deutsch-dänischen Einwanderin ein Bild von sich online, mit den Hashtags «#Misses4Peace», «#PrayForVenezuela» und «#NoViolencia» versehen. Mittlerweile haben es ihr zahlreiche Titelträgerinnen einer Schönheitswahl nachgemacht, Organisationen wie etwa die der Miss-Germany-Wahl unterstützen das Projekt. «Wir sind zu einer Stimme Venezuelas geworden.» Denn gerade jetzt können die Missen zeigen, dass sie sich tatsächlich den Weltfrieden wünschen. Und in Venezuela geniessen die Beauty-Queens grosses Ansehen - kein anderes Land hat mehr Siegerinnen der Miss-Universe-Wahl hervorgebracht, mit der Halbschweizerin Gabriela Isler bereits die siebte.

Mit den zwei ermordeten Schönheitsköniginnen haben die Opfer in Venezuela ein Gesicht bekommen. Monica Spear und ihr Ex-Mann wurden am Strassenrand von einer Bande erschossen, als sie - mit ihrer fünfjährigen Tochter, die schwer verletzt überlebt hat - wegen einer Autopanne anhielten. Die Einheimischen kennen die getötete 29-Jährige als Miss Venezuela 2004 und als Schauspielerin einer beliebten Soap. Rund einen Monat später starb Genésis Carmona im Kugelhagel während einer Demonstration in Valencia. Sie trug den Titel Miss Turismo Carabobo 2013.

Angelika Hernandez kannte Spear persönlich, ihr Schicksal trifft sie besonders. Doch genauso macht sie sich Sorgen um ihren jüngeren Bruder, der noch immer in Venezuela lebt und regelmässig auf den Strassen protestiert. «Ich habe Angst um ihn, vor allem als ich ihn kürzlich nicht mehr erreichen konnte. Aber ich bin auch sehr stolz, dass er für Frieden in unserem Land kämpft», sagt sie. Ihren anderen Bruder verlor sie bei einem Autounfall, «der absichtlich passierte». Der Todesfahrer habe zwar Schmerzensgeld an die Familie bezahlt, aber er wurde nie von einem Gericht gebüsst. «Aus Angst vor Rache haben wirs dann dabei belassen.»

Jeder in Venezuela kenne Opfer von Gewalt -  ist es der Nachbar, ein Familienmitglied oder ein Freund. Die Menschen sollen sich endlich in ihrer Heimat wieder sicher fühlen. An den Erfolg des Social-Media-Projekts glaubt sie fest. «Genauso wie die Ukraine jetzt ständig in den Medien ist, sollen die Menschen auch über die Zustände in Venezuela Bescheid wissen.» Ihre Initiative sei nicht politisch motiviert, dennoch hat es der 28-Jährigen gezeigt, dass sie bereits etwas ändern konnte. «Dank der Aufmerksamkeit gibts bei den Protesten nicht mehr so viele Tote. Und: Die Welt schaut wieder vermehrt nach Venezuela.»

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