Ennis, Spurgeon & Co. NHL-Stars: Für ein Butterbrot in der Schweiz

In Übersee sind sie Megastars und Millionäre des Eishockeys. Weil zurzeit dort nicht gespielt wird, kommen sie nach Europa. Die «Schweizer Illustrierte» stellt sechs NHL-Spieler und ihr Leben in der Schweiz vor.

TYLER ENNIS
Geburtstag: 6. Oktober 1989, Edmonton Kanada
Klub: Buffalo Sabres, SCL Tigers
Jahressalär: 2.56 Mio. Dollar

JARED SPURGEON
Geburtstag: 29. November 1989, Edmonton Kanada
Klub: Buffalo Minnesota Wild, SCL Tigers
Jahressalär: 0.535 Mio. Dollar

Sie nennen die Spielweise in der NLA «Fun Hockey», obwohl Tyler Ennis und Jared Spurgeon mit den SCL Tigers am Ende der Tabelle stehen. In Nordamerika sind sie gefeierte Stars, verdienen ein Vermögen. Während der Saison in der Schweiz wohnen sie in einer Wohngemeinschaft In Langnau BE, gemeinsam mit Spurgeons Ehefrau Danielle und Söhnchen Cach, 3. «Ich bin das zweite Kind der Familie», erklärt Ennis über die Rollenverteilung. Die Zeit in Europa nutzen sie auch für kulturelle Weiterbildung. «Wow - so viel Historisches lässt sich bei uns zu Hause nicht erleben», erzählt Spurgeons begeistert. In Rom und Paris waren sie bereits, London wird das nächste Ziel sein.

 

HENRIK ZETTERBERG
Geburtstag:
9. Oktober 1980, Njurunda Schweden
Klub:
Detroit Red Wings, EV Zug
Jahressalär:
7.75 Mio. Dollar

Es gibt einiges, worüber sich Henrik «Hank» Zetterberg hier wundert. «Seid ihr so religiös?», fragt er. Als er in Zug ankommt, will er seinen Kühlschrank füllen. Doch am heiligen Sonntag öffnen hier die Konsumtempel auch nicht für einen, der in zehn Jahren achtzig Millionen Dollar verdient. Seltsam findet er auch, dass die in einem Dorf südlich des Gotthards Eishockey spielen, «wo eigentlich keiner ist und wo es auf dem Eis tatsächlich windet». Aber lustig findet ers, dieses Ambri. «Solange wir da nicht auf dem Eis anfrieren.» Wie klein die Schweiz ist, fällt ihm auf. Er, der in Detroit einen Pick-up-Truck, einen Range Rover und einen Audi fährt, hat hier noch keine Tankfüllung verbraucht - und fährt vor allem Velo. «Eine Stunde nach dem Spiel bist du zu Hause. Meine Frau weiss gar nicht, wie ihr geschieht», sagt er. Wenig anfreunden kann er sich einzig mit der heimischen Küche. Zu Fondue fällt ihm beim besten Willen nichts Nettes ein, und «Raclette geht gerade noch». Mit der Zuger Kirschtorte schliesslich sind wir nicht die Ersten, die ihm etwas Gutes tun wollen. Er zieht die Augenbrauen hoch und sagt ganz offen: «I hate cherries!» - ich hasse Kirschen. In Zug sehen sie ihm das nach, weil er weiss, wo das Tor steht, und dieses auch mit schöner Regelmässigkeit trifft. Wenn der Lockout vorbei ist und er mit seiner Frau Emma Anderson - ein Model - zurück in die Staaten fliegt, lässt er auch ein kulinarisches Minenfeld hinter sich.

 

DUSTIN BROWN
Geburtstag: 4. November 1984, Ithaca New York
Klub: Los Angeles Kings, ZSC Lions
Jahressalär: 3.5 Mio. Dollar

Dustin Brown gehört zu den Last-Minute-Reisenden aus der NHL. Erst vergangene Woche debütierte er bei den ZSC Lions. Nach Zürich kam er, weil er die Lebensqualität hier besser einstuft als in Russland und er es bevorzugt, in einer grossen Stadt zu leben. Gleichzeitig wundert er sich über die Schweiz: «Man sieht viele Leute rauchen, im Strassenverkehr müssen Autofahrer auf die Velos Rücksicht nehmen und nicht umgekehrt. Und auf dem Eisfeld trägt der Topscorer einen gelben Helm.» Ans Tramfahren könnte er sich aber gewöhnen: «Definitiv angenehmer als in der New Yorker Subway.» Der dreifache Familienvater, der in Winkel ZH einquartiert ist und diese Woche die Ankunft seiner Frau und der drei Söhne erwartet, führte im vergangenen Juni als Captain und Topscorer die Los Angeles Kings zum Stanley Cup. Kaum war der letzte Schluck Champager getrunken, klingelte das Telefon: «Barack Obama gratulierte uns persönlich.» In seiner politischen Haltung lässt sich Brown dadurch aber nicht beeinflussen. «Ich habe selbstverständlich gewählt - aber nicht Obama.» Mit 293 ausgeteilten Checks in der vergangenen Saison ist der Wahlzürcher der härteste Spieler der NHL. Entsprechend fehlt ihm vorne die ganze obere Zahnreihe. «Das repariere ich erst, wenn ich zurückgetreten bin.» Die Umgangsformen im Schweizer Eishockey kommen ihm «eigentümlich sanft» vor. «In meinem ersten Spiel habe ich einen Gegner leicht geschubst - und schon musste ich auf die Strafbank», sagt er – und lächelt rat- und zahnlos.

PATRICK KANE
Geburtstag:
19. November 1988, Buffalo USA
Klub:
Chicago Blackhawks, EHC Biel
Jahressalär:
6.3 Mio. Dollar

 

TYLER SEGUIN
Geburtstag:
31. Januar 1992, Brampton Kanada
Klub:
Boston Bruins, EHC Biel
Jahressalär:
5.5 Mio. Dollar

Während der Saison in Europa schaut die Mutter von Patrick Kane zu den Rechten in der gemeinsamen Wohnung in Orpund BE. Sie ist mit ihrem Sohn nach Europa gereist. Und in der Schweiz gibt es für die hartgesottenen Eishockeyaner viel Neues zu entdecken. Zum Beispiel das Schwingen. Gleich gegen «Swiss Wrestler» Christian Stucki trauen sie sich ins Sägemehl. «Dieser Mann hat Bärenkräfte - man fühlt sich wie in einem Schraubstock», sagt Seguin leicht gequält. Die Bilder twittert er in die Welt: «Learned a new sport today called Schwingen - oh my boy.» Besonders beeindruckt ist Kane darüber, dass der Hauptpreis im Schwingen ein Muni ist. Und die meisten Athleten nur um die Ehre kämpfen. «Tyler - würden wir für Ehre einen Vertrag unterschreiben?» Wohl kaum.

Auch interessant