Oscar Pistorius Erster Prozess-Tag: eine belastende Zeugin & eine weinende Mutter

Die ganze Welt schaut nach Pretoria: In der südafrikanischen Hauptstadt hat am Montag der Prozess gegen Paralympic-Star Oscar Pistorius begonnen. Erste Zeugenaussagen stützen die Anklage, dass der 27-Jährige absichtlich auf seine Freundin geschossen hat. Die Emotionen kochen bereits am ersten Tag hoch.
Oscar Pistorius vor Gericht Tag 1
© Dukas

«Nicht schuldig», plädiert Oscar Pistorius nach dem Vorlesen der Anklageschrift. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 25 Jahre Haft.

Mit 90 Minuten Verspätung eröffnete Richterin Thokozile Masipa am Montag den Prozess gegen Oscar Pistorius, 27. Der Sportler muss sich in Pretoria wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp, †29, verantworten. Auch vor Gericht plädiert er weiter auf seine Unschuld, er habe geglaubt, am Valentinstag 2013 auf einen Einbrecher geschossen zu haben. Die erste Zeugin, seine Nachbarin Michelle Burger, belastet ihn mit ihrer Ausssage jedoch schwer.

In der Tatnacht habe sie erst die Schreie eines Mannes gehört, dann die einer Frau - gefolgt von vier Schüssen. Zwischen den Todeskugeln sei es zu einer längeren Pause gekommen. Auch nach einem zweistündigen Kreuzverhör von Pistorius Anwalt Barry Roux beharrt die Wirtschaftsprofessorin auf ihre Version. Zunächst sei sie von einem Überfall ausgegangen. Pistorius hingegen behauptet nach wie vor, es habe keinen Streit zwischen ihm und dem 29-jährigen Model gegeben. Auch habe er die vier Schüsse gleich nacheinander abgefeurt, ohne Pause - das, weil er einen Einbrecher im Badezimmer vermutete. Die Anklage wirft ihm Mord vor, er spricht hingegen von einem «tragischen Unfall».

Auf der Zeugenliste stehen noch zahlreiche weitere Namen. Gespannt warten nicht nur Medienvertreter aus aller Welt auf das Urteil, das für den 20. März vorgesehen ist. Beide beteiligten Familien sind am ersten Prozesstag vor Ort. Als der Angeklagte den Gerichtssaal mit gesenkten Kopf betritt, wendet Steenkamps Mutter June - in schwarz gekleidet - ihren Blick nicht von ihm ab. In einem Interview sagte sie kürzlich, sie würde dem Mörder ihrer Tochter verzeihen, wenn sie ihm nur in die Augen sehen könnte. Er erfüllt ihr den Wunsch nicht, ingnoriert ihren Blick. Sie bricht während des Prozesses in Tränen aus.

Das Verfahren um den gefallenen, zweifachamputierten Olympiastar wird live übertragen. Rund 300 Reporter sind nach Pretoria gereist. Die verantwortliche Thokozile Masipa wurde 1998 die zweite schwarze Richterin Südafrikas. Sie sei aber nicht aufgrund ihres Geschlechts dem Fall zugeteilt worden, sondern an der Reihe gewesen. Im Mai vergangenen Jahres verurteilte sie den Serien-Vergewaltiger Shepherd Moyo zu 252 Jahren Haft - zur Abschreckung.

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