Oscar Pistorius 3. Woche: Mutter des Opfers nimmt am Mordprozess teil

Am ersten Tag seines Mordprozesses würdigte Oscar Pistorius die Mutter des Opfers keines Blickes. Seither ist June Steenkamp dem Gericht ferngeblieben. Erst wieder am Montag, in der dritten Woche, verfolgte sie den Prozess live vor Ort. Es kam zur Begegnung mit der Schwester des Angeklagten.

Wie hart muss es für eine Mutter sein, dem Mörder ihrer Tochter in die Augen zu schauen? Doch genau dieser Konfrontation stellt sich June Steenkamp, 67, zu Beginn der dritten Prozesswoche erneut. Zum zweiten Mal während des Mordprozesses gegen den Paralympic-Star Oscar Pistorius, 27, sitzt Reeva Steenkamps Mutter im Gericht in Pretoria. Als der Angeklagte am vergangenen Montag an ihr vorbei zu seiner Bank geht, grüsst er die 67-Jährige. Sie nickt zurück - es ist das erste Mal seit der verheerenden Valentinsnacht 2013, dass die beiden miteinander interagieren.

Zu Beginn des Verfahrens hatte June Steenkamp förmlich diese Begegnung gesucht. «Ich will Oscar ansehen, ich will ihm richtig in die Augen sehen», sagte sie damals der DailyMail.co.uk. «Wie auch immer sich das Gericht entscheiden wird, ich bin bereit, ihm zu verzeihen.» Vorher soll er sie aber sehen: Reevas Mutter mit ihrem Schmerz und Kummer.

Am ersten Prozesstag würdigte Oscar Pistorius sie keines Blickes. Am elften ist es anders: Sogar seine jüngere Schwester sucht den Kontakt zur 67-Jährigen. «Für einige Minuten» kniet Aimee Pistorius vor ihr nieder, Steenkamp hört zu und nickt immer wieder. Worüber sich die beiden Frauen unterhalten haben, ist nicht bekannt. June Steenkamp verlässt den Gerichtssaal fast unbemerkt, als Fotos mit Oscar Pistorius - verschmiert mit dem Blut ihrer Tochter Reeva, †29, - gezeigt werden.

Indes wird es immer enger für den Angeklagten: Der Zeuge Sean Patrick Rens, ein Herausgeber für Waffenlizenzen, sagt am Montag aus, dass Pistorius mehrere Pistolen kurz vor Reeva Steenkamps Tod bei ihm kaufen wollte. Ausserdem erzählt er, dass der 27-Jährige gewusst habe, wie er mit Waffen umzugehen habe und was erlaubt sei - er habe die zertifizierten Tests bestanden. Auch habe Pistorius einst von einem Ereignis erzählt, als er bewaffnet durch sein Haus streifte, weil er ein Geräusch hörte, das sich schliesslich aber nicht als Einbrecher, sondern als Tumbler herausstellte.

Am Dienstag geht der Prozess weiter. Es soll geklärt werden, ob Oscar Pistorius seine Freundin vorsätzlich oder aus Versehen getötet hat. June Steenkamp sitzt wieder im Gerichtssal. Auch Pistorius' Familie ist anwesend: Onkel Arnold drückt gegenüber der Mutter des Opfers sein Beileid aus.

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