Prinz Harry über Dianas Tod & psychische Probleme «Ich stand kurz vor einem kompletten Zusammenbruch»

Fast zwei Jahrzehnte lang hat er den tragischen Tod seiner Mutter Diana verdrängt. Bis er sich schliesslich in einem «totalen Chaos» wiederfand. Offen wie nie zuvor spricht Prinz Harry in einem Interview über diese schwere Zeit.
Prinz Harry Freundin 2015 Chelsy Davy Cressida Bonas
© Getty Images

Prinz Harry hat sich mit 28 Jahren professionelle Hilfe genommen, um den Tod seiner Mutter zu verarbeiten.

Prinz Harry war zwölf Jahre alt, als seine Mutter, Prinzessin Diana, am 31. August 1997 in Paris bei einem Autounfall starb. Die ganze Welt trauerte damals mit der britischen Königsfamilie, die Beerdigung wurde weltweit im Fernsehen übertragen. Im Visier waren bei der Trauerfeier vor allem zwei Personen: Lady Dis Söhne, die einen so tapferen Eindruck machten. Das Gefühlsleben der beiden jungen Prinzen sah aber anders aus. Erst heute, fast zwei Jahrzehnte später, enthüllt Prinz Harry, 32, in einem Interview mit «The Telegraph» wie er den tragischen Tod seiner Mutter verkraftete. Und warum er sich erst spät professionelle Hilfe holte.

Jahrelang habe er keine Gefühle und Emotionen zugelassen, so Harry. Er habe «den Kopf in den Sand gesteckt», habe überhaupt nicht an seine Mom denken wollen. «Es macht dich nur traurig», habe er sich gedacht. «Sie wird davon nicht wieder lebendig.» Am Ende habe er sich dann in einem «totalen Chaos» wiedergefunden und erst mit 28 Jahren professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Andere hätten ihn dazu ermutigt, sein grosser Bruder William, 34, zum Beispiel. «Er hat mir immer wieder gesagt, etwas stimmt nicht, ich müsse mit jemandem reden, und dass das auch okay ist.» Nach einigen Gesprächen sei der Schmerz plötzlich herausgekommen. «Ich habe dann gemerkt, dass es viele Dinge gibt, mit denen ich mich dringend auseinandersetzen muss.»

Mit dem enormen Druck beispielsweise, der als Royal auf ihm lastet. Heute wisse er nicht, wie man als Mitglied der königlichen Familie normal bleiben könne. «Ich habe keine Geheimnisse, ich stand wahrscheinlich bei zahlreichen Gelegenheiten kurz vor einem kompletten Zusammenbruch.»

Als Harry angefangen habe, endlich über seine Gefühle zu sprechen, habe er auch gemerkt, dass er «Teil eines ziemlich grossen Clubs» sei. Auch deshalb habe er sich nun dazu entschieden, in der Öffentlichkeit darüber zu reden. «Ich weiss jetzt, das Reden über die eigenen Probleme einen grossen Wert hat, Schweigen macht alles nur noch schlimmer.» In den letzten zweieinhalb Jahren hat Harry zuzsammen mit seinem Bruder und dessen Frau Catherine, 34, die Initiative «Heads together» gegeründet, die sich dafür einsetzt, Stigmata rund um psychische Krankheiten zu beseitigen. «Ich kann jetzt Blut, Schweiss und Tränen in die Dinge stecken, die etwas verändern, und in die Dinge, die etwas für jeden anderen verändern.»

Neben den Gesprächen mit einem Therapeuten habe ihm aber auch noch etwas anderes bei der Verarbeitung der Vergangenheit geholfen: das Boxen. «Es ist wirklich gut, um Aggressionen herauszulassen», sagt Prinz Harry. Und fügt an: «Das hat mich wirklich gerettet.»

Die Kleinsten der britischen Königsfamilie - Prinz George und Prinzessin Charlotte - in Bildern:

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