Was macht eigentlich... ...Rapperin Lady Bitch Ray?

Ihr «Vagina-Style» machte sie über Nacht zur dreistesten Rapperin seit Lil' Kim und Foxy Brown. Die Deutsch-Türkin Reyhan Sahin alias. Lady Bitch Ray nahm nie ein Blättchen vor den Mund, bis sie von Depressionen geplagt von der Bildfläche verschwand. Heute besitzt sie zwar einen akademischen Grad mehr, entgleist aber sprachlich mit derselben Zuverlässlichkeit wie einst.

Reyhan Sahin, 31, hält einen sonderbaren Rekord: Bei einem Auftritt in der Talk-Sendung «Maischberger» 2007 hat die als Lady Bitch Ray bekannte Rapperin 75 Mal das Wort «fi**en» gebraucht. Ziemlich ungewöhnlich für eine Frau, die an der Universität ausgerechnet in Linguistik promovierte und auch Germanistik studiert hat. Und obendrauf ein Stipendium für Hochbegabte dafür erhielt.

2007: FRAUENRECHTE MAL ANDERS
In der deutschen Zeitung «Bild» fand Sahin die ideale Plattform für ihre Kunstfigur. Im Handumdreh folgten TV-Auftritte, Posen an der Berlinale und allerlei Presse-Interviews und Online-Chats, unter anderem auch Blick.ch. Der Kultursender «Arte» widmete ihr einen Beitrag und Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer befasste sich mit ihr in einem «Cicero»-Editorial.

Lady Bitch Ray ist ein Ein-Trick-Pony, Abwechslung in ihren Aussagen und Tiefe in deren Inhalte sind nicht ihre Stärken. Eine ihrer Scheiben trägt den Titel «Fick mich EP». «Deutsche Schwänze kann man alle knicken» rappt sie auf einem ihrer Songs und der Refrain eines anderen erfordert Mut von dem, der mitrappen will: «Schleimfotze, Drecksau, Fickgrotte, Kackbratze». Trotzdem füllte sie eine Lücke und nahm eine Gesellschaftsspiegel-Funktion wahr, die derweil enttabuisierend wirkte. «Frauenporno» war das neue «Frauenpower».

2008: PLAGIATSOPFER?
Wo ein Feutchtgebiet lockte, war Lady Bitch Ray meistens nicht weit. Es erstaunte darum wenig, dass im Jahr 2008, als Charlotte Roche ihren ersten Bestsellerroman veröffentlichte, auch der Name der Vulgär-Vokabel-Schleuder Lady Bitch Ray fiel. Dieser soll Roche mit ihrer expliziten Erzählart nachgeeifert haben, es fielen Plagiatsvorwürfe.

2009 - 2011: TIME-OUT UND BURNOUT
Doch zu viel des Guten ist zu viel, und es kam, wie es kommen musste: Die Umstände zwangen Ray im August 2008 zu einer dreijährigen Medienpause. Burnout, Depressionen und Psychotherapie statt Obszönitäten, Vulgaritäten und vielen Worte, die mit «F» beginnen. Die Zeit von Lady Bitch Ray schien vorbei zu sein.

2011: RÜCKKEHR DER NEUEN ALTEN LADY BITCH RAY
Denkste: Das erste Comeback, wenn man es denn so nennen will, gab es bereits vor einem Jahr. Damals liess Lady Ray verlauten, dass sie nach einem Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt wieder zurück sei - depressionsbefreit und ohne Selbstmordgedanken oder Todesängste. «Ich habe ganze Wasserfälle geheult», sagte die Deutsch-Türkin, und gab sich richtiggehend anständig, geläutert.

2012 : DR. BITCH UND ZUKUNFTSPLÄNE
Über ihre Website kündigt Lady Ray an, dass sie ihre Doktorarbeit zum Thema «Die Bedeutung des muslimischen Kopftuches» bald veröffentlichen werden. Zudem darf man auf das 220 Seiten dicke literarische Werk «Bitchsm» gespannt sein, das bereits im Frühjahr hätte erscheinen sollen.

Dann, sechs Monate später, folgten auf ihrer Myspace-Seite Neujahrswünsche an ihre Fans. Diese allerdings klangen altbekannt und alle Hoffnungen jener, die glaubten, sie hätte sich zum Besseren gewandelt, verflogen: «Ein feucht-vaginales neues Jahr wünsche ich allen Bitches und Fatherfu**ers in Deutschland!» Das klang ganz nach einer Wiederauferstehung.

Die neuerlichste Erdreistung: Auf Facebook meldet sich «Dr. Bitch» zurück. Mit neuen Bildern, mit denen sie den Erhalt ihres Doktortitels auf ihre ganz eigene Art und Weise verkündet. Zur Feier gabs Süssspeisen, serviert auf Slipeinlagen. Ein Auszug aus Rays Rede: «Ich kämpfe gegen die Scheisse an den Unis, wo Frauen nur gefördert werden, wenn sie den Professoren in den Arsch kriechen.» Das ist deutsch und deutlich.

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