Harrison Ford «Regie zu führen, wäre mir zu anstrengend»

Er ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods. Hat Kultrollen wie Indiana Jones oder Han Solo ein Gesicht gegeben. Harrison Ford wird deswegen am Zurich Film Festival für sein Lebenswerk geehrt. Und er lässt es sich nicht nehmen, den «Lifetime Achievement Award» persönlich in Zürich entgegenzunehmen. SI online hat mit ihm kurz davor über die Auszeichnung gesprochen, über Ausserirdische und die Schattenseiten seines Berufs.
Harrison Ford Pressekonferenz ZFF 2013
© Tillate / Muriel

Ein gutgelaunter Harrison Ford, 71, beehrte am Freitag das Zurich Film Festival.

SI online: Schauen Sie Ihre eigenen Filme?
Harrison Ford: Wenn gerade einer im TV läuft, kann ich schon einmal hängen bleiben. Aber ich setze mich nichts explizit vor den Fernseher, um mir einen meiner Filme anzusehen.

Wenn Sie nur einen einzigen Film in Ihrem Leben hätten drehen können, welcher wäre das gewesen?
Das wäre wohl ein Film, den Sie wahrscheinlich nicht kennen. Er heisst «42 - Die wahre Geschichte einer Sportlegende». Der Film handelt von Baseballspieler Jackie Robinson, dem ersten schwarzen Spieler in der Profiliga. Es ist ein wundervolles Drehbuch.

Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt hätten spielen wollen?
Wenn ich für eine Rolle nicht die erste Wahl bin, dann ist das okay für mich. Ich liebe die Arbeit an den Figuren sehr. Mehr noch, als die Rolle selbst. Bei einem Filmcharakter lasse ich mich von meinem Instinkt führen. Der sagt mir auch, ob ich in der Lage bin, mich der Rolle hinzugeben.

Mit welcher Ihrer Rollen konnten Sie sich am meisten identifizieren?
Das ist vielleicht eine schlechte Antwort, aber mit jeder. Du machst mit jeder Rolle auch eigene Erfahrungen. Und der Instinkt formt dich. Das ist es auch, was es so spannend macht, eine Rolle zu erarbeiten. Man kann neue Facetten hinzufügen, was unheimlich Spass macht.

Könnten Sie sich vorstellen, auch selbst einmal den Platz auf dem Regiestuhl einzunehmen?
Ich denke, das ist einfach zu anstrengend. Und es dauert so lange. Zudem glaube ich nicht, dass ich das Talent dafür besitze. Ich bin lieber Teil eines Teams, ich liebe die Zusammenarbeit. Ich will nicht der Boss sein. Ich würde mich am Ende auch zu sehr über meine Fehler aufregen.

Gab es Rollen, bei denen Sie im Nachhinein gedacht haben, dass Sie dies besser hätten machen können?
Ich liebe die gesamte Arbeit an einem Film. Aber sobald die Arbeit für die Filmemacher abgeschlossen ist und es ums Promoten geht, mag ich nicht mehr dran denken. (lacht)

Welches sind die Sonnen- und welches die Schattenseiten Ihres Berufs?
Am schönsten ist sicherlich die Zusammenarbeit mit all den talentierten Menschen. Wenn man gemeinsam einen Film macht. Ich liebe es auch, die Probleme zu lösen bei einem Dreh. Auf der anderen Seite verliert man die Möglichkeit, normal zu sein.

Ist es wahr, dass sie vom College geflogen sind?
Ja, vier Tage vor dem Abschluss. Und seit 20 Jahren versuchen die mich wiederzukriegen. (lacht)

Sind Sie als Baseball-Fan aufgewachsen?
Nein, ich hatte zuvor von Baseball keine Ahnung.

Sie sind ein grosser Umweltschützer und es wurde gar schon eine Ameisenart nach Ihnen benannt. In Ihrem neusten Film zerstören Sie die ganze Population auf der Erde. Was ist das für ein Gefühl für Sie?
Grauenhaft. Einfach grauenhaft. (lacht) Es gibt mehr verschiedene Arten von Ameisen als von sonst einer Spezies. Bei diesem Science-Fiction-Film über die Alien-Invasion ist für mich interessant, dass es sich hierbei nicht um die traditionellen Aliens handelt. Es sind Lebensformen, die nach einem Ort suchen, wo sie bleiben können. So wie jedes Lebewesen das tun würde. Und diese Natur muss geschützt werden. Weil sie auch uns beschützt. So läuft das.

Sie haben unter anderem einige Science-Fiction-Filme gemacht. Glauben Sie an ausserirdisches Leben?
Ich denke, nach allem, was wir über Naturwissenschaften und Physik wissen, ist es wahrscheinlich, dass irgendwo anders auch Leben existiert. Aber ich denke nicht, dass sie herkommen, uns überfallen und etwas wegnehmen wollen, das wir besitzen und sie unbedingt brauchen.

Was war das lustigste Fan-Geschenk, das Sie jemals erhalten haben?
So etwas bekomme ich doch gar nicht. Ich kann mich zwar an Schokoladenkekse erinnern...

Wie wichtig ist diese Auszeichnung für Ihr Lebenswerk als Schauspieler?
Es bedeutet mir viel. Es zeigt, wie viel Glück ich hatte, dass ich das alles machen durfte. Und dass ich noch immer hier bin. Ich fühle mich sehr geschmeichelt und geehrt.

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