Bad Girl & Göttin So tickt Superstar Rihanna

Superstar, Partygirl, Nationalheldin, Gewaltopfer: Rihanna ist alles in einem. Jetzt kommt die exotische Sängerin, die weltweit 200 Millionen Platten verkauft hat, auf ihrer sechsten Welttour nach Zürich.
Rihanna in Zürich (Work) Konzert Tickets
© Getty Images

Am Freitagabend gastiert Rihanna in Zürich.

Laut, fröhlich, ein bisschen dreckig. Ihr ganzer Charakter zeigt sich in Rihannas Lachen. Oft zu hören ist es in Kurzvideos auf Facebook, Snapchat, Twitter & Co. Rihanna schmeisst Instant-Asianudeln in einen zu kleinen Topf, Rihanna kuschelt mit ihrer Nichte Majesty, Rihanna chillt im Pool, Rihanna tänzelt im Glitzerkostüm hinter der Bühne. Als sie im Dezember 2012 im Zürcher Luxushotel The Dolder Grand absteigt, gibt es Nacktfotos am Kamin.

«Als Kind war ich brav», sagt Rihanna, 28, heute. Zusammen mit zwei jüngeren Brüdern wuchs sie in einem winzigen Bungalow in Saint Michael auf Barbados auf. Dort lernte sie auf einem einfachen Gasherd kochen, allerdings nicht sehr erfolgreich: Ihr Lieblingsessen ist Pasta, zwischendurch snackt sie Hot Cheetos, fettige Maisflips. «Ich hasse Gemüse.» Rihannas Mutter Monica war Buchhalterin, Vater Ronald Fenty Lagerarbeiter. An seinen Alkoholproblemen zerbrach die Ehe der Eltern. Mit 16 Jahren geht Rihanna nach Connecticut in die USA, zieht zu Musikproduzent Evan Rogers mit dem festen Willen, ein Star zu werden. Gleich ihre erste Single «Pon de Replay» wird ein Hit. «Ich wusste genau, was ich wollte», sagt sie. «Ich war furchtlos.» «Fearless»: Mit diesem Wort beschreibt sie sich oft.

Barbados ist Rihannas Resetknopf

Die Familie ist Rihannas Lebensmittelpunkt geblieben. Ein Video zeigt sie mit ihrer mittlerweile verstorbenen Grossmutter Dolly, die sie liebevoll Gran Gran nennt. Darin schenkt sie ihr einen Ring. «Als ich Kind war, gab es so ähnliche für 20 Dollar. Ich konnte sie mir damals nicht leisten», sagt Rihanna zur Grossmutter, das Modell dieses Mal von Cartier. Aus Dankbarkeit kaufte sie ihrer Mutter, ihrem Bruder Rorrey und ihrem Vater jeweils eine Villa auf der Insel. Barbados ist Rihannas Resetknopf. Hier fühlt sich alles echt an, die gleichen Freunde und Partys wie früher. Nachts träume sie davon, selbst ihre Lebensmittel zu kaufen, eben weil das herrlich normal wäre.

Rihanna hält an ihren Wurzeln fest, weil ihr Leben sonst so verrückt ist. Mit dem Image des Mädchens von nebenan mit karibischem Charme produziert sie sieben Alben in nur acht Jahren, gewinnt acht Grammys, auf Twitter folgen ihr 64 Millionen Menschen. Ihren Ruf als Partygirl zementiert sie mit Instagram-Bildern im Bikini mit Joint und Wodka. Ihre Girl-Clique feiert als Hofstaat um sie herum. Viele von ihnen kennt sie noch aus Teenager-Tagen, ihnen traut sie. Rihanna, das Partygirl? Als wolle sie sagen: «Stopp, Moment mal, in Wirklichkeit bin ich viel mehr», bringt sie Ende Januar 2016 ihr Album «Anti» heraus - gratis zum Download. Ein Protest gegen die Musikindustrie, gegen eintönige Dancemusik, gegen oberflächliche Dates. Und ein Geschenk für ihre «Navy», wie sie ihre Fans nennt. Statt partytauglich klingt das Album experimentell, ruhig. Sie hat es zum ersten Mal gewagt, die meisten Songs mitzuschreiben.

«Sie ist die ultimative Fantasie»

In Blindenschrift steht auf dem Cover: «Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich missverstanden wurde. Was ich sagen möchte, wird nicht gehört.» Die Outfits ihrer neuen Show orientieren sich nun an Naturtönen statt Glitzer, ihre alten Hits spielt sie nur noch als Medleys. Sie entwirft edle Schuhe für Manolo Blahnik, ist Werbegesicht für Dior. Das amerikanische «W Magazine» kürte sie jetzt zur vielgesichtigen Göttin des Pop. Aber Partybilder gibt es weiterhin. Die Transformation dauert noch an.

Rihanna ist mutig, nur mit Beziehungen ist sie vorsichtiger geworden. Sänger Chris Brown, 27, war 2007 ihre erste grosse Liebe. Die Beziehung endete zwei Jahren später, nachdem er sie im Streit verprügelt hatte. Die Bilder ihrer Verletzungen gingen um die Welt. Rihanna zeigte ihn an, doch hat ihm heute verziehen. «Meine Gran Gran sagte mir: Such dir einen Mann, der dich ein wenig mehr liebt als du ihn. Denn Frauen werden immer mehr geben», sagte sie zu Talkerin Oprah Winfrey.

Rihanna datet, hat Spass, dann verschwindet sie wieder. Rapper Drake, 29, verzweifelt daran seit sieben Jahren. «Sie ist die ultimative Fantasie», sagt er. Im Duett sind die beiden mit dem Hit «Work» erfolgreich, zum festen Freund schafft es Drake nicht. «Die Menschen halten mich für wild und verrückt. Das macht mir Angst, es hält mich von Dates ab. Es ist meine zweite Natur geworden, die Tür hinter mir zu schliessen. Ich bin immer besorgt, ob die Menschen gute oder böse Absichten haben», sagt sie. Neuerdings verbietet Rihanna an ihren Konzerten Rucksäcke und Handyvideos, hat Angst vor Terror und dem Zika-Virus. Auch die Fans in Zürich müssen sich bei den scharfen Eingangskontrollen mit Bodychecks im Letzigrund gedulden. Die furchtlosen Zeiten sind vorbei.

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