Michael Mittermeier «Schaut euch an, was hier in der Schweiz passiert!»

Er kann nicht schlafen, wird mit einem Pornodarsteller verwechselt und hat Angst vor der Schweizer Politik. Der deutsche Comedian Michael Mittermeier sieht schwarz. Nicht nur in seinem Programm «Blackout».

Brotzeit mit Michael Mittermeier, 47. Zvieri, wie der Schweizer sagt. So richtig. Bayrisch ist heute aber nur der Dialekt des Münchners. Statt Weissbier und Brezen gibts Tee und Fruchtsalat. Jo mei…

Schweizer Illustrierte: Gewagte Frisur, Herr Mittermeier! Gerade aufgestanden?
Michael Mittermeier: Aber hallo! Ich bin ein hart arbeitender Mensch. Da ist nix mit Ausschlafen. Es gibt ja Künstler, die sagen: «Geil, wenn ich auf Tournee bin, dann kann ich endlich wieder mal richtig auspennen.» Aber ich kann das nicht. Ich schlafe nicht gut.

Warum nicht?
Keine Ahnung. In meiner Jugend konnte ich bis am Nachmittag durchschlafen. Jetzt war ich zwei Wochen in London. Dort habe ich jeweils bis tief in die Nacht durchgearbeitet. Und bin dann trotzdem wieder um acht aufgewacht.

Ist es das Alter?
Ich bin heute fitter als früher! Verdankenswerterweise hatte ich vor einigen Jahren eine Bandscheiben-OP. Verdankenswerterweise darum, weil es ein Moment des Umdenkens war. Ich hab das mit der Gesundheit generalstabsmässig in Angriff genommen und trainiere seit damals wie blöd. Ich habe schon Mörderoberschenkel. So bin ich. Und es funktioniert.

Wie siehts mit dem Kopf aus? Sind Sie mental noch so schnell wie früher?
Ich bin schneller, besser, geiler. Aber schneller nur mental, gell… Ich bin der beste Mittermeier, der ich je war.

In Ihrem Programm sprechen Sie von dunklen Zeiten. Sehen Sie persönlich schwarz?
Ich bin schon einer, der sagt: «Freunde, wenn wir nicht aufpassen, dann wirds dunkel.» Schaut euch an, was hier in der Schweiz passiert! Ihr sprecht über die Ventilklausel. Da gehts um 1300 Ausländer. Aber jeder Drecksdespot, jeder Steuersünder, jeder, der sein Geld waschen will, kann hierherkommen. Und keine Sau fordert eine Ventilklausel für Steuersünder. Das ist schon gefährlich.

Warum so zornig?
Das sind doch Leute, für die Geld das Wichtigste überhaupt ist. Wenn ich denen als Land das Bett bereite und dann noch ein Schöggeli aufs Kissen lege, dann ist das schon sehr bedenklich. Gott sei Dank gibts ja Bestrebungen, so was in Zukunft zu unterbinden.

Was haben Sie selber für eine Beziehung zu Geld?
Ich bin kein Geldmensch. Es ist schön, wenn man mit dem, was man macht, auch was verdient. Ich kam vorher mit meiner Kohle aus, und ich komme jetzt damit aus. Aber natürlich ist es toll, Dinge zu machen, die man früher nicht konnte. Reisen zum Beispiel.

Wissen Sie, wie viel Geld Sie auf dem Konto haben?
Ich weiss es schon. Ich bin da relativ strikt. Ich hatte früher in ein paar Fonds investiert. Aber irgendwann habe ich gesagt, ich gehe auf die Sparkasse und bringe das Geld dahin und bezahle meine Steuern. Das ist mir lieber. Die drei oder vier Prozent Zinsen sind mir den ganzen Stress nicht wert. Das ist doch alles krank.

Sie sind Vater einer fünfjährigen Tochter. Hat sie Ihr Programm schon gesehen?
Eine Vorstellung, knapp 20 Minuten lang.

Hats ihr gefallen?
Ja. Aber sie hat gedacht, dass ich mit den Leuten schimpfen würde. Sie meint halt, dass ich schimpfe, wenn ich laut bin.

Sind Sie ein lustiger Vater?
Das weiss ich nicht. Daheim bin ich ein normaler Mensch. Ich bin nicht zwanghaft lustig. Ich sage immer: «Die, die in der Skihütte lustig sind und Witze erzählen, sind nicht die, die es auf der Bühne bringen.»

Vermissen Sie Ihre Familie, wenn Sie auf Tournee sind?
Ich bin zum Glück auch immer wieder lange daheim. Wir waren gerade alle zusammen sechs Wochen in Neuseeland. Aber wenn ich lange unterwegs bin, vermisse ich die Familie schon, klar.

Woher holen Sie sich eigentlich die Inspiration für Ihre Programme?
Von überall. Ich spielte mal in Basel. Gleich neben der Extasia, der Pornomesse. Und obwohl meine Show restlos ausverkauft war, blieben einige Sitzplätze leer. Die sassen wohl in der falschen Halle! Ich stellte mir vor, wie sie da Lexington Steele, diesen Mörderstecher, sehen und sagen: «Der ist zwar eine geile Sau - aber der war auch schon lustiger, der Mittermeier.» Das habe ich dann in mein Programm eingebuat So entstehen meine Nummern.

Michael Mittermeier in der Schweiz: Am 5. und 6. Juni in der Festhalle Bern

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