Outing Schwuler Fussballer muss sich verleugnen

Er gibt ein Interview und bricht damit ein Tabuthema. Erstmals spricht ein schwuler Bundesliga-Spieler über seine Sexualität. Anonym - zu seinem eigenen Schutz.
Fans erwarten vom Fussballer das männliche Stereotyp, ist sich der schwule Bundesliga-Spieler (nicht im Bild) sicher.
© Getty Images Fans erwarten vom Fussballer das männliche Stereotyp, ist sich der schwule Bundesliga-Spieler (nicht im Bild) sicher.

Er wäre nicht mehr sicher, wenn seine Sexualität an die Öffentlichkeit käme. Trotzdem will der Mann endlich Klartext reden. Darüber, wie es ist Profi-Fussballer zu sein, schwuler Profi-Fussballer. «Ich muss täglich den Schauspieler geben und mich selbst verleugnen», sagt er im Interview mit fluter.de. Fussballer seien das männliche Stereotyp schlechthin, sie müssten Sport lieben, aggressiv kämpfen und gleichzeitig das grosse Vorbild sein - «Schwule sind das alles einfach nicht». Und was ist mit Toleranz? Die existiere in der Ausnahmesituation eines Fussballspiels nicht, sagt er und ergänzt: «Auch wenn ich mit den Fans klarkäme, wäre die pure Öffentlichkeit schlimmer...Meine Leidenschaft, der Fussball, wäre irrelevant. Entweder spaziere ich mit meinem Freund zu einem Event und bin danach drei Wochen in allen Medien oder berufe mich auf meine Privatsphäre und belüge mich selbst.»

Eine Beziehung zu führen sei deshalb schwierig, «monatelanges Versteckspiel ist pures Gift für eine Partnerschaft». Um sein Image zu wahren, nimmt der Profi deshalb öfters mal eine Frau mit zu Anlässen - «schliesslich habe ich als Schwuler auch beste Freundinnen». Und immerhin stösst er innerhalb der Mannschaft auf Toleranz. Er kenne keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem habe. Es gebe ja auch noch andere homosexuelle Spieler. Würde er seinen Namen verraten, wenn Kollegen aus dem Sport mitziehen würden? «Wir können in einem Jahr nochmal sprechen und dann kann ich vielleicht meinen Namen unter das Gesagte setzen.»

Seit das Interview am Dienstag publiziert wurde, schlägt das Outing Wellen. Am Donnerstag äusserte sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Thema: «Er lebt in einem Land, in dem er sich vor einem Outing nicht fürchten muss. Wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben. Das ist meine politische Botschaft», sagte sie gemäss Bild.de. Und FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness findet: «Die gesamte Gesellschaft ist in diesem Punkt weiter als in den Medien dargestellt.»

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