Biagiotti, Versace & Co. Sie haben das Design-Gen geerbt

Was haben Viktoria Strehle, Lola Rykiel und Lavinia Biagiotti gemeinsam? Sie alle haben Eltern oder Grosseltern, die im Fashion-Business tätig sind. Doch nicht alle gehen gleich damit um. So flüchtete sich Allegra Versace nach dem Tod ihres Onkels Gianni in die Magersucht. Ally Hilfiger blamierte sich in der MTV-Serie «Rich Girls» bis auf die Knochen. SI online stellt Ihnen die Mode-Erbinnen genauer vor.

LAVINIA BIAGIOTTI, 34:
Als Vizepräsidentin der Biagiotti-Group ist die Tochter von Mode-Schöpferin Laura Biagiotti eine der jüngsten Topmanagerinnen Italiens. Beinahe ist aber alles anders gekommen. Ursprünglich wollte Lavinia - wie ihr Vater - Ärztin werden. Sie verwarf diesen Plan aber wieder, als ihr Vater Gianni Cigna 1996 verstarb. Mit gerade einmal 18 Jahren stieg sie in das Familien-Unternehmen ein, studierte nebenbei Ökonomie und Politik. «Meine Mutter war wirklich streng zu mir. An meinem ersten Arbeitstag hat sie mir den Kopierer gezeigt und gesagt: ‹Das ist dein Büro.› Nach zehn Monaten wurde ich befördert und durfte das Fax bedienen.» Ihren eigenen Schreibtisch habe sie erst drei Jahre später bekommen, erzählt Lavinia Biagiotti im Interview mit Welt Online. Der grösste Erfolg der Designerin: Das Parfüm «Roma». Seit über 15 Jahren gilt es als Kassenschlager - nur «Chanel No. 5» ist noch beliebter. 2010 wurde sie von der Fragrance Foundation Deutschland zur Botschafterin der Düfte ernannt.

ALLEGRA VERSACE, 27:
Das Leben von Allegra Versace änderte sich mit einem Schlag. Als sie elf Jahre alt war, wurde ihr Onkel, Gianni Versace, vor seinem Haus in Miami erschossen. Der Designer vermachte ihr 50 Prozent seines Fashion-Imperiums - zu viel für die Tochter von Designerin Donatella Versace. Mit dem Druck der Öffentlichkeit kam sie nicht klar - seit 2007 leidet sie an Magersucht. Den Tiefpunkt erreichte sie, als sie nur noch 32 Kilo wog. Noch heute hat die 27-Jährige mit der Krankheit zu kämpfen. Die schlimmste Zeit ihres Lebens bezeichnet Allegra als ihre «Periode der Absenz». Sie habe sich selbst verloren und sei nicht fähig gewesen, sich mit der Realität zu befassen. «Ich wollte nur etwas - ein Niemand sein, nicht erkannt werden», erzählt sie 2011 der italienischen Zeitung «La Reppublica». Seit zwei Jahren gehört sie zum Versace-Vorstand. Zudem versucht sie sich an einer T-Shirt-Kollektion. «Ich fand die Idee erst sehr unangenehm, aber dann machte es mir Spass», erzählt die Versace-Erbin weiter.

VIKTORIA STREHLE, 34:
Nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau arbeitete die Tochter von Strenesse-Gründer Gerd Strehle in New York und London für die Kaufhaus-Kette «Harrod's». Schnell steigt sie zur jüngsten Einkäuferin auf, die das Luxus-Kaufhaus je hatte. Im Jahr 2003 kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete für das Familienunternehmen. Von 2006 bis 2013 kleidete Strenesse als offizieller Ausstatter die Spieler der deutschen Fussball-Nationalmannschaft ein. 2012 verabschiedete sich Strehle in die Babypause. Ein Jahr später gab sie ihren Rücktritt als Kreativdirektorin bekannt. «Wir hatten viele Gespräche über eine mögliche neue Funktion Viktorias im Unternehmen und ich hätte es gerne gesehen, wenn sie wiedergekommen wäre», erzählt ihr Bruder Luca Strehle im Interview mit der «Augsburger Allgemeine»-Zeitung.

LOLA RYKIEL, 27:
Bevor Lola laufen konnte, warb sie bereits für die Rykiel-Kinderkollektion. Dem Magazin «Harper's Bazaar» erzählt die heutige PR-Direktorin: «Ich bin in dem Fashion-Zirkus aufgewachsen. Ich habe es geliebt, mit den Stoffen zu spielen, meine eigenen Kleidchen zu fabrizieren und Skizzen zu zeichen. Aber ich wollte immer Tänzerin werden.» Mit 20 Jahren zog Lola nach Manhatten, um an der rennomierten Martha Graham Akademie Tanz zu studieren - noch heute nimmt sie ab und zu Unterricht. 2011 zog sie nach New York, um im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Die Enkelin von Sonia Rykiel ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Firma in den USA zuständig und arbeitet nebenbei als Testimonial der Marke.

ALLY HILFIGER, 28:
Berühmt wurde die Tochter von Designer Tommy Hilfiger 2003 durch ihre peinlichen Auftritte in der MTV-Reality-Show «Rich Girls». Vor den Augen der TV-Zuschauer pinkelte sich Ally Hilfiger betrunken in die Hose - der Tiefpunkt im Leben der reichen Erbin:

Nach dem Ende der Show ging die Hilfiger-Tochter in den Entzug. «Damals schämte sich mein Daddy sehr für mich», wird sie vom Magzin «InTouch» zitiert. Im Jahr 2011 präsentierte Ally Hilfiger ihr eigenes Label NAHM. Gemeinsam mit Nary Manivong hat sie sich auf Kleider im Shirt-Stil spezialisiert. Der amerikanischen Zeitung «Huffington Post» erzählt Ally: «Ich habe alles ausprobiert. Ich war Schauspielerin, Filmproduzentin, Malerin, Stylistin.» Sie habe sehen wollen, wo sie am besten reinpasse, sich wohlfühle, erklärt sie weiter. «Und ich merkte, dass ich mich als Designerin am wohlsten fühle.» Die Zeiten, in denen sich ihr Vater für sie schämen musste sind definitiv vorbei. «Ich bin sehr stolz auf sie. Ich bin stolz, weil sie so hart gearbeitet hat.»

DYLAN LAUREN, 39:
Die Tochter von Designer Ralph Lauren hat mit dem Modebusiness wenig am Hut. Doch auch sie verlässt sich nicht auf das Geld, das sie einst erben wird. Nach ihrem Abschluss in Kunstgeschichte eröffnete Dylan Lauren 2001 den weltgrössten Süssigkeitenladen «Dylan's Candy Bar» in New York. Als sie sechs Jahre alt war, hat sie den Film «Willy Wonka und die Schokoladenfabrik» gesehen - seither ist sie dem Süssigkeiten-Fieber verfallen. «Der Film inspirierte mich», erzählt Dylan Lauren dem Onlineportal GenslerOn.com. 2011 heiratete die Tochter von Ralph Lauren den Manager Paul Arrouet. Ihr Vater liess es sich nicht nehmen, für sie das Brautkleid zu entwerfen. «Ich wollte ihr etwas geben, dass sie schätzt. Ich wollte, dass sie sich fantastisch fühlt», erzählte Ralph Lauren im Interview mit Oprah Winfrey.

MARIA GIULIA PREZIOSO MARAMOTTI, 29:
Sie liebt Kunst, ihr modisches Vorbild ist Rocker Keith Richards und sie schmückt ihren Körper mit Tattoos, die sie vor ihrer Mutter versteckte. Maria Giulia Prezioso Maramotti bringt frischen Wind in das Familienunternehmen. Die Enkelin von Achille Maramotti - Gründer des Modelabels Max Mara - möchte die Marke verjüngen. Dabei setzt Maria Giulia besonders auf «funky» Akzente, wie sie Fashionista.com sagt. Seit 2008 bekleidet die Kunstliebhaberin im Familienunternehmen das Amt der Einzelhandelsdirektorin und ist wie Margherita Missoni Markenbotschafterin. Viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Mode-Erbinnen sieht die 29-Jährige nicht: «Ich verehre Margherita Missoni, sie ist eine Stil-Ikone. Aber mich selbst sehe ich nicht als It-Girl.»

DELFINA DELETTREZ, 25:
Der Name sagt Ihnen nichts? Das könnte daran liegen, dass sie mit dem Namen ihrer Mutter nicht hausieren geht. Delfina ist die Tochter von Silvia Fendi - gemeinsam mit Karl Lagerfeld kreiert sie die berühmten Fendi-Taschen. Mit dem Modeimperium ihrer Mutter hat die zierliche Brünette nichts zu tun. Sie studierte Kostümgeschichte und arbeitete im Style-Department von Chanel Haute Couture. Danach entschied sie sich, ihren eigenen Weg zu gehen. Im Jahr 2007 begann sie - genau wie ihr Vater - Schmuck zu entwerfen. Nur wenig später konnte sie in Rom eine Boutique eröffnen, da die Accessoires bei ihren Kunden hohen Anklang fanden. Inspiriert wird Delfina Delettrez von der Kunst - besonders der Surrealismus hat es der Designerin angetan. «Ich liebe Salvador Dali, Man Ray, Jean Cocteau und natürlich Elsa Schiaparelli. Das sind wahre Künstler» erklärt die Fendi-Erbin Fashionista.com.

MARGHERITA MISSONI, 30:
Sie ist das Gesicht des Familienunternehmens, war bereits in unzähligen Missoni-Werbekampagnen zu sehen. Doch eigentlich wollte die Enkelin von Ottavio, † 92, und Rosita Missoni, 81, nichts mit dem Familienunternehmen zu tun haben. Ursprünglich strebte sie die Schauspielerei an - sie studierte am Lee Strasberg Institut. 2006 war sie am Broadway im Theaterstück «The Maids» zu sehen. 2010 entschloss sie sich, in das Familienunternehmen einzusteigen. Als Accessoire-Expertin treibt sie seitdem den Missoni-Umsatz in die Höhe. Seit Anfang Jahr versucht sie sich an ihrer eigenen Taschenkollektion. «Ich verstand zwar etwas von Farben und Materialien, aber nicht von Proportionen. Ich lernte, dass einige Dinge einfach instinktiv angegangen werden müssen und wie wichtig das in der Modeindustrie ist», zitiert sie Nachrichten.ch. Im August erwartet die Missoni-Erbin ihr erstes Kind.

JETTE JOOP, 45:
Längst hat sie sich ihren eigenen Namen gemacht. Am Art Center College of Design in Kalifornien studierte die Tochter von Wolfgang Joop Design. Nach ihrem Bachelor-Abschluss arbeitete sie für renommierte Designer wie Berry Kieselstein-Cord und Ralph Lauren in New York. Im September 1997 gründete sie ihr eigenes Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg. Drei Jahre später folgte die erste Goldschmuck-Kollektion. Im Jahr 2003 setzte Jette Joop auf das Designen von Frauenkleidern. Heute umfasst die Jette GmbH die Bereiche Schmuck und Uhren, Fashion, Düfte sowie Schuhe und Lederaccessoires. «Meine Kreationen sollen den Menschen Spass machen, ihren Alltag verschönern und trotzdem bezahlbar bleiben. Nicht mehr und nicht weniger», schreibt die Modeschöpferin auf ihrer offiziellen Homepage.

CHLOE GREEN, 22:
Die Tochter von Top-Shop-Gründer Sir Philip Green tummelt sich vor allem an Fashion-Weeks auf der ganzen Welt. Vor ihrem Wunsch, Modeschöpferin zu werden, machte die 22-Jährige einen Abstecher ins Show-Business. Sie spielte in der zweiten Staffel der britischen TV-Show «Made in Chelsea». Im Mai 2012 brachte Chloe Green ihre erste eigene Schuhkollektion auf den Markt - sie floppte. Heuer ist sie vor allem dadurch bekannt, dass sie den Ex-Mann von Jennifer Lopez datet. Nach einer kurzen Pause im April, fanden Marc Anthony, 44, und die Top-Shop-Erbin im Juli wieder zusammen. Zurzeit geniessen sie das sonnige Wetter in St. Tropez - gemeinsam mit Chloes Eltern Philip und Tina Green.

 

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