Steingruber-Konkurrentin Simone Biles Vom Kinderheim in den Turn-Olymp

Wenn sie turnt, bleiben die Münder weit offen. Die 19-jährige Amerikanerin Simone Biles verzaubert an den Olympischen Spielen in Rio das Publikum, Experten und die ganze Welt. Dabei hatte der Teenager einen schwierigen Start ins Leben. 

Sie ist eine der kleinsten Athletinnen in Rio 2016 und doch ist sie die Grösste. Die womöglich talentierteste Turnerin aller Zeiten: Simone Biles. Eine Goldmedaille hat die 19-Jährige mit dem Team USA schon geholt, vier weitere warten noch auf den 1.45 Meter kleinen Teenager.

Es sind ihre ersten Olympischen Spiele. Doch in ihrer Karriere jagt ein Erfolg den nächsten. Das Mädchen, das mit Kim Kardashian twittert und auf Zac Effron steht, holte drei Mal den Weltmeistertitel hintereinander, 2013, 2014, 2015.

Drogensüchtige Mutter, Vater abgehauen

Doch Biles' Leben war nicht immer so goldig, wie ihre Medaillen nahelegen. Sie wird 1997 in Columbus im US-Bundesstaat Ohio geboren. Ihre Mutter ist drogensüchtig, der Vater vermutlich ebenso. Doch der haut ziemlich schnell ab. Simone hat sieben Geschwister. Die Mutter wird mehrmals verhaftet, unter anderem wegen Diebstahls. Sie kann sich nicht um ihre Kinder kümmern. Die Folge: ein Hin und Her zwischen der leiblichen Mutter und Kinderheimen. 

Im Jahr 2000 entscheiden sich Simones Grosseltern, Ronald und Nellie Biles, zwei der Kinder zu sich nach Texas zu nehmen. Eines der beiden ist Simone. Drei Jahre später können die Grosseltern die Kinder adoptieren. «Wir sagten ihnen, sie könnten uns weiter Oma und Opa nennen. Aber wenn sie wollen, dürfen sie auch Mom und Dad sagen», erzählt Nellie Biles in einem Beitrag des Senders ESPN. Simone geht darauf in die Küche und sagt «Mom» zu ihrer Grossmutter. Nellie reagiert sofort auf den neuen Namen. «Ich sah, wie sie sich darüber freute. Also nannten wir die beiden Mom und Dad», so Simone.

Simone kann endlich unbeschwert ihre Kindheit geniessen. Dass sie gerne turnt, zeichnet sich schon früh ab. «Sie sprang immer herum, hüpfte zwischen den Betten umher, machte Rückwärtssaltos», erzählt Ronald Biles. Bei einem Ausflug in ein Gymnastik-Ausbildungszentrum entdeckt man ihr Talent. Sie nimmt an regionalen Turnieren teil und hat Erfolg.

«Ich fühlte mich einsam»

Mit 14 entscheidet sie sich für die Profi-Karriere, geht nicht mehr zur Schule und wird zu Hause unterrichtet. «Ich habe es gehasst. Ich fühlte mich einsam.» Doch das Leiden zahlt sich aus: 2013 gewinnt sie mit 16 Jahren als erste Afroamerikanerin die Goldmedaille im Mehrkampf an einer Weltmeisterschaft. 

Die Welt-Presse zollt Biles den gebührenden Respekt. «Jetzt schon die Grösste», titelt der Spiegel.de. «1.45 Meter gross und nahe der Perfektion», heisst es auf Tagesanzeiger.ch. «Bow down for badass Simone Biles», schreibt Mashable.com. Auf Zeit.de heisst es: «Isaac Newton soll nochmals nachdenken». Denn wenn man Biles zusieht, wird man das Gefühl nicht los, dass seine Gravitationsgesetze einfach nicht stimmen können. 

Und das Biles-Märchen geht noch weiter. Am Donnerstag turnt sie im Einzel-Mehrkampf um die nächste Medaille. Und wenn es ums Edelmetall am Boden oder auf dem Sprung geht, hat Giulia Steingruber, unsere Schweizer Medaillen-Hoffnung im Turnen, hoffentlich noch ein Wörtchen mitzureden.

Sehen Sie hier, was Biles mit ihren Kolleginnen an den Olympischen Spielen geleistet hat:

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