Rudi Assauer So schlecht geht es ihm wirklich

Es kommen immer mehr Details ans Licht: In seiner Biografie erzählt Rudi Assauer jetzt, wie stark sich sein Leben seit der Alzheimer-Diagnose verändert hat.
Rudi Assauer ist verzweifelt. Seine grösste Angst wurde Wirklichkeit: Er leidet an Alzheimer.
© Reuters Rudi Assauer ist verzweifelt. Seine grösste Angst wurde Wirklichkeit: Er leidet an Alzheimer.

Der Alzheimer wiegt schwer auf Rudi Assauers, 67, Schultern. Die Krankheit ist zwar erst im Anfangsstadium, dennoch musste der einstige Bundesliga-Manager sein Leben bereits völlig umkrempeln. Bild.de sprach mit Assauer und veröffentlichte weitere Auszüge aus seinem Buch «Wie ausgewechselt - Verblassende Erinnerungen an mein Leben»:

RUDI ASSAUER ÜBER...

... SEIN LEBEN IN DER ÖFFENTLICHKEIT
«Es fällt mir seit Monaten schwerer und schwerer, andere Menschen zu treffen, solche Einladungen, die immer noch zahlreich kommen, anzunehmen», erzählt Assauer. «Früher habe ich das ja immer genossen. Der Rote Teppich, die Kameras, das war auch meine Welt. Wenn meine Tochter oder meine Sekretärin heute bei solchen Anlässen mit dabei sind, helfen sie mir, schirmen mich ab, mischen sich rechtzeitig ein.»

... SEINE KRANKHEITSBEDINGTEN AUSSETZER
«Wenn ich merke, dass ich Aussetzer habe, nicht sofort verstehe, um was es geht, ist das schlimm», sagt Assauer. «Natürlich schäme ich mich dann. Und sage lieber gar nichts.»

... SEINE MEDIKAMENTE
Assauers Laune variiert von Tag zu Tag. Teilweise sage er dann Dinge, die ihm im Nachhinein Leid täten. Aber es komme auch vor, dass er sich gar nicht mehr daran erinnern könne: «Das macht mich kirre, das ist schrecklich.» Wegen der Stimmungsschwankungen nimmt Assauer derzeit Antidepressiva, Mittel gegen Aggressionsschübe und Aufbaupräparate für das Gehirn. «Die Tabletten verzögern ja nur den Verfall. Ich wäre froh, wenn der Verfall jetzt nicht mehr weiterginge. Dann wäre ich der glücklichste Mensch der Welt», sagt er. «Auch wenn ich weiss: Mein Hirn, die Rübe da oben, funktioniert nicht mehr. Das ist bitter, einfach nur bitter. Wenn ich jetzt 80 Jahre alt wäre, wäre das ja okay. Aber ich bin mit meinem Alter viel zu jung für diese Krankheit.»

... SEINEN TAGESABLAUF
Derzeit kümmern sich seine Sekretärin Sabine Söldner und seine Tochter Bettina, 46, um Assauer. «Er kann nicht mehr lange allein sein, nur ganz kurz. Dann fängt er an, mich zu suchen», erzählt Bettina. «Nachts will er telefonieren oder ins Büro fahren.» Rudi selbst bekommt nichts davon mit. «Wenn meine Angehörigen mir am nächsten Morgen erzählen, ich habe dies und das gemacht, dann sage ich: ‹Seid ihr bekloppt? Was soll denn da gewesen sein? Da war nichts!› Ich bin fest davon überzeugt, dass das nicht stimmt, was sie  sagen.» Es fühle sich dann an, als sei er auf dem falschen Planeten unterwegs. Seine Zeit verbringt er hauptsächlich mit fernsehen. «Nicht mal mehr vernünftig lesen kann ich, keine Kreuzworträtsel mehr lösen.»

...SEINE ZUKUNFT
«Ich stelle mir ständig Fragen: ‹Was wird nun aus mir? Wie geht es weiter? Wie entwickelt sich die Krankehit Step By Step?›», sagt Assauer. Er fürchtet sich davor, einmal ins Pflegeheim gehen zu müssen. «Für meine Familie ist das nicht schön, wenn ich wie so ein Bekloppter durch die Gegend laufe oder im Rollstuhl umhergeschoben werden muss.» 

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