Pillen, Wein und Fake-Requisiten So steuern die Sendungsmacher das Dschungelcamp

Wie viel ist bei einer Reality-TV-Show inszeniert? Diese Frage beschäftigt auch die Zuschauer von «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!». Kurz vor Staffelstart zum Dschungelcamp 2019 kommt ans Licht: Die Sendungsmacher manipulieren ganz schön viel.
Dschungelcamp 2019 die Kandidaten
© MG RTL D / Arya Shirazi

Vor dem Start zur 13. Staffel der Reality-TV-Show «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» kommen die Tricks der Sendungsmacher ans Licht.

Heute Freitag startet die 13. Staffel der RTL-Reality-Show «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!». Beste TV-Unterhaltung entsteht nicht einfach so: Die Sendungsmacher verändern dafür die Kulisse im australischen Dschungel und tricksen bei den Dschungelprüfungen. In einer mehrteiligen Serie enthüllt die «BILD», wie der Sender die Show manipuliert. SI online trägt die interessantesten Details zusammen.

Illusion bei der Kulisse

Am TV beherbergt der australische Dschungel einen Wasserfall. Der ist aber nicht echt und wird nachts wie ein Hahn abgedreht. Der Sender begründet die Installation wie folgt: «Der Wasserfall ist künstlich, um den Prominenten die Möglichkeit zum Duschen zu geben.»

Wasserfall Dschungelcamp
© RTL / Stefan Menne

Ein künstlich angelegter Wasserfall gibt den Dschungelcampern die Möglichkeit zu duschen.

Brennholz zu Hauf

Für das Lager­feuer müssen die Kandidaten regelmässig losstapfen, um Brennholz zu suchen. Viel Mühe bereitet ihnen diese Aufgabe nicht. Denn: «Das Brennholz wird zur Verfügung gestellt», verrät der Sender.

Gisele Oppermann Dschungelcamp Kandidatin 2019
© MG RTL D / Arya Shirazi

Model Gisele Oppermann wird im Dschungelcamp 2019 nicht lange nach Brennholz suchen müssen. Die Produktion stellt es zur Verfügung.

Psychologisches Gutachten

Wer ins Dschungelcamp einziehen will, muss einen gewissen Bekanntheitsgrad mitbringen, belastbar und ein wenig irre sein. Wie die potenziellen Dschungelcamper ticken, klärt der Sender noch vor dem Einzug mit einem psychologischen Test. Bis zu 140 Aussagen müssen die Teilnehmer kommentieren. Zur Auswahl stehen vier Abstufungen von «Trifft gar nicht zu» bis «Trifft ausgesprochen zu». Aus ihren Antworten wird ein psychologisches Gutachten erstellt. Die «BILD» liefert auch gleich ein paar Beispiel-Aussagen, die abgefragt werden.

  • Es gibt viele Leute, die mit der unschuldigsten Miene andere Menschen hintergehen.
  • Der Gedanke, eine berühmte Persönlichkeit zu sein, reizt mich.
  • Ich spüre oft eine innerliche Leere.

Ein solch umfassender Fragebogen durchleuchtet die Psyche ganz schön. RTL rechtfertigt den Besuch beim Psychologen wie folgt: «Bei einer derart beanspruchenden TV-Produktion steht das Wohl der Kandidaten an erster Stelle. Daher sind medizinische und psychologische Untersuchungen Grundvoraussetzung für die Teilnahme. Damit stellen wir bei Bedarf auch während der Staffel sicher, dass die Stars in jeder Hinsicht fit genug für den Dschungel sind.»

Den Informationen der Zeitung nach dürfen die Kandidaten während des Camps jederzeit mit dem Psychologen sprechen. Eine seiner Aufgaben sei: Kandidaten, die das Camp freiwillig verlassen wollen, die man bei RTL aber auf keinen Fall verlieren will, davon zu überzeugen, doch noch etwas durchzuhalten... Und was ist eigentlich mit den Ergebnissen aus dem psychologischen Gutachten - lassen die Sendungsmacher dieses in die Planung und Steuerung des Dschungelcamps einfliessen? Auf Anfrage der «BILD» wollte sich RTL nicht dazu äussern.

Dschungelcamp 2019 Kandidat Bastian Yotta
© MG RTL D / Arya Shirazi

Der selbsternannte Millionär Bastian Yotta musste vor dem Einzug ins Dschungelcamp beim Psychologen antraben.

«Dr. Bob» verteilt Medis

Der TV-Arzt «Dr. Bob», mit bürgerlichem Namen Robert McCarron, 68, sei in Wahrheit gar kein Doktor, sondern nur ein ausgebildeter Rettungssanitäter, will die Zeitung wissen. Alle Promis, denen von ihrem Hausarzt Pillen verschrieben wurden, bekommen diese von «Dr. Bob» ausgehändigt. Dazu zählen auch Psychopharmaka. Der Sender bestätigt: «Die Prominenten bekommen die Medikamente, die ihnen ärztlich verschrieben wurden.»

Das Dschungeltelefon

Im TV sieht und hört der Zuschauer, wie hier Moderator Daniel Hartwich, 40, mit den Dschungelcampern spricht. In Wahrheit nimmt aber ein Produzent das Sorgentelefon ab: Hartwichs Stimme wird nur darübergelegt. RTL sagt dazu: «Es handelt sich um ein übliches Stilmittel, das bei vielen TV-Formaten angewandt wird.»

Sonja Zietlow und Daniel Hartwich Dschungelcamp
© MG RTL D / Stefan Gregorowius

Die Moderatoren von «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!»: Daniel Hartwich und Sonja Zietlow.

Wein für die Verzweifelten

Laut Informationen von «BILD» hat ein ehemaliger Kandidat ausgeplaudert, dass eine Teilnehmerin eines Morgens verzweifelt in das Dschungeltelefon-Häuschen schlurfte, um nur Minuten später bester Laune herauszulaufen. «Die hat da eine Flasche Wein bekommen und geleert!», ist sich die Quelle sicher. Danach gefragt, was er da gemacht habe, sagte der Ex-Kandidat: «Ich bin ins Dschungeltelefon und habe gedroht, das zu verraten. Dann habe ich auch jeden Tag Wein bekommen.» RTL bestreitet diese Geschichte: «Nein, es wurde kein Wein über das Dschungeltelefon ausgehändigt.»

Fake-Baumhaus

Das am TV gezeigte Baumhaus sieht beeindruckender aus, als es ist. Es ist offenbar nicht schwer zu erklimmen: Wie RTL bestätigt, erreicht man das Baumhaus über Brücken ebenerdig.

Harmlosere Dschungelprüfungen

Allen Dschungelcampern ist eines gemeinsam: Sie fürchten sich vor den Dschungelprüfungen. So musste Tänzerin Isabel Edvardsson 2008 in eine Schüssel voll Schleim eintauchen. Was im TV eklig und stinkend aussieht, ist in Wahrheit gar nicht so schlimm. «Der Schleim wird aus hygienischen Gründen künstlich hergestellt», erklärt der Sender.

Dschungelcamp 2019 Kandidatin Evelyn Burdecki
© MG RTL D / Arya Shirazi

Bachelor-Kandidatin Evelyn Burdecki muss sich auf etwas gefasst machen. Zur Beruhigung: Im TV sehen die Dschungelprüfungen ekliger aus, als sie in Wahrheit sind.

Künstliche Spinnweben

Wir erinnern uns: Im Dschungelcamp 2013 musste Claudelle Deckert durch Spinnweben kriechen. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, wird auch getrickst, wie die Sendungsmacher verraten: «Ein Grossteil der Spinnweben ist echt. Zusätzlich werden teilweise künstliche Spinnweben verwendet.»

Krokodile können nicht beissen 

Manche Bewohner mussten schon die Bekanntschaft mit einem Krokodil machen. Angst haben, zerfleischt zu werden, müssen die Promis nicht. Den Krokodilen wird die Schnauze «aus Sicherheitsgründen» zugebunden.

Galerie: Diese Promis ziehen ins Dschungelcamp 2019

Das Ekelgetränk

Ein Kotzfruchtsaft besteht nur zu einem Teil aus Kotzfrucht. Die Hauptbestandteile seien Wasser und Milch, will «BILD» herausgefunden haben. Der Sender bestätigt: «Aus Gründen der Trinkbarkeit werden einige Getränke verdünnt.»

Statisten testen das Essen

Die Bedingungen und das Leben im Dschungelcamp werden vor Einzug der Promis getestet. Für die Generalprobe werden Statisten eingesetzt. Diese würden alles durchspielen und auch das Ekel-Essen probieren, schreibt «BILD». RTL begründet die Generalprobe so: «Damit werden die produktionsbedingten Abläufe getestet, wie bei den meisten Produktionen üblich.»

 
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