Teresa Enke «Ich vermisse meinen Mann & meine Tochter jeden Tag»

Erst ihre Tochter, dann der Ehemann: Nach den zwei tragischen Todesfällen hat sich Teresa Enke aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt, vier Jahre später, spricht die Witwe des einstigen deutschen National-Torwarts offen über den schweren Verlust und ihre Trauer.
Robert und Teresa Enke 2008
© Dukas

Robert und Teresa Enke im Jahr 2008. Ein Jahr später wählte der deutsche Goalie den Freitod.

Das Ereignis erschütterte nicht nur Deutschland. Am 10. November 2009 starb Robert Enke im Alter von gerade mal 32 Jahren. Der Goalie der deutschen Fussballmannschaft, der an Depressionen litt, hatte sich das Leben genommen. Für seine Frau Teresa, heute 37, war das bereits der zweite Schicksalsschlag innerhalb kurzer Zeit: Drei Jahre zuvor war ihre zweijährige Tochter Lara an einem Herzfehler gestorben. Die Trauerfeier im Stadion von Hannover 96 war der letzte grosse öffentliche Auftritt von Teresa Enke.

Jetzt, etwas mehr als vier Jahre später, ist sie zurück. Offen und stark wie nie zuvor redet sie in der Zeitschrift «Gala» über ihren grossen Verlust. Und sie kann wieder lachen: Irgendwann freue man sich wieder über Alltagsdinge, sagt Teresa Enke. «Man kann so etwas überstehen, wenn man es auch nie vergessen kann.»

Die Witwe des beliebten Nationaltorwarts will unverhüllt mit dem Thema Depression und Suizid umgehen. Umgekehrt wissen die Leute um sie herum aber oft nicht, wie sie ihr begegnen sollen. «Ich rede gerne über Lara und Robert. Die gehören dazu, deswegen ist das nicht schlimm», sagt sie. «Aber ich sehe dann schon das Entsetzen. Es kann nicht jeder damit umgehen wie ich.» Mit ihrem schwarzen Humor erschrecke sie die Menschen häufig.

Der Humor ist ihre persönliche Rettungsinsel - gerade weil Robert und sie über die gleichen Dinge gelacht haben, wie sie sagt. «Ich lächle oft, selbst am zurückliegenden Todestag wurde gelächelt, da sass ich nicht nur mit einer Trauermiene da.» Teresa Enke versucht, sich an den schönen Dingen zu erfreuen. Alleine zu wissen, was Robert den Menschen bedeutet habe, treibe ihr die Mundwinkel nach oben.

Teresa Enke kann ihr Leben heute wieder geniessen. Das muss sie auch: Sie hat eine Verantwortung gegenüber ihrer Adoptivtochter. Und gegenüber sich selbst. Aber: «Ich vermisse meinen Mann und meine Tochter jeden Tag, und das wird mein Leben lang so bleiben.» Von Glück will sie deshalb nicht sprechen. Das Wort «Zufriedenheit» gefällt ihr besser. «Zufrieden bin ich, wenn meine Tochter lacht und glücklich ist.» Neben ihrer Tochter konzentriert sie sich auf ihre Arbeit als Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung. Die Organisation will über Depression aufklären. Sie helfe, «weil wir immer geholfen haben», sagt Teresa Enke. «Wir» - das sind Robert und sie.

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