Thomas Hitzlsperger Applaus für sein Outing!

Er ist der erste deutsche Profi-Fussballer, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Thomas Hitzlsperger hat mit seinem Outing mächtig viel Aufsehen erregt und erhält zahlreiche positive Rückmeldungen.
Thomas Hitzlsperger hat sich zu seiner Homosexualität bekennt
© Getty Images

Thomas Hitzlsperger hat den Zeitpunkt seines Outings bewusst gewählt: «Die Olympischen Spiele von Sotschi stehen bevor, und ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle», sagt er.

Es ist ein sehr mutiger Schritt, in der Fussball-Branche öffentlich zu seiner Homosexualität zu stehen. Noch immer herrscht die weitverbreitete Meinung, dass Schwule auf dem Fussballplatz nichts verloren hätten. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, 31, hats gewagt: Am Mittwoch hat er sich als schwul geoutet. Gegenüber der «Zeit» erklärte er: «Ich äussere mich zu meiner Homosexualität, weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte.»

Die Reaktionen auf sein Statement liessen nicht lange auf sich warten - und fallen äusserst positiv aus. Der Sportler erntet Lob, Gratulationen und viel Respekt. Von Prominenten und insbesondere von Fussballer-Kollegen. So schreibt Star-Kicker Lukas Podolski, 28, auf Twitter: «Mutige und richtige Entscheidung. Respekt, Thomas Hitzlsperger. Sein Outing ist ein wichtiges Zeichen in unserer Zeit.» Die Schweizer Fussballstars Ludovic Magnin, 34, und Marco Streller, 32, äussern sich via «Blick» ebenfalls dazu. «Er verdient meinen allerhöchsten Respekt für dieses Outing. Leider ist es immer noch ein heikler Schritt als Fussballer. Es ist eben immer noch ein Machosport. Ich hätte jedoch kein Problem, wenn sich ein Mitspieler outen würde», so Streller. Und Ludovic: «Jetzt werde ich ihm schreiben und ihm zu seinem Schritt gratulieren.»

Auch Wolfgang Niersbach, 63, der Präsident des deutschen Fussball-Bundes, meldet sich auf der offiziellen Website des DFB zu Wort: «Thomas Hitzlsperger war zur seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen. Er hat sich entschieden, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, und ich stehe zu unserem Wort, dass er von uns jede erdenkliche Unterstützung bekommt.»

Ebenfalls viel Zuspruch erhält der mutige Fussballer von Ex-Profi-Spieler Hans Sarpei, 37. Dieser verweist mit den Worten «Respekt Thomas Hitzlsperger» via Twitter auf einen Artikel zum Thema Homophobie im Fussball, den er im September 2013 selbst verfasst hat. Dort schreibt er, dass wir in einer Zeit leben, in der solche Coming-outs möglich sein sollten: «Geärgert habe ich mich in dieser Woche über den Kommentar von Oliver Kahn, der über die Medien schwulen Fussballern dazu rät, sich nicht zu outen. Lieber Oli, ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam den Jungs Mut machen und Sie nicht vor einem Coming-out warnen», schreibt er.

Ligapräsident Reinhard Rauball, 67, empfindet das öffentliche Bekenntnis des deutschen Spielers als «sicherlich wegweisend im Kampf gegen Homophobie». Selbst der ehemalige Aussenminister Guido Westerwelle, 52 - selber bekennender Schwuler - äussert sich zu Hitzlspergers Outing: «Dieser Mut verdient grössten Respekt. Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist. Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen.»

Auf seiner Website erläutert Thomas Hitzslperger die Gründe für seine Ehrlichkeit: «Homosexualität wird im Fussball schlicht ignoriert. Für die Medien hingegen ist das schon seit Jahren ein Thema. Nur die betroffenen Spieler, die haben sich nicht getraut, sich zu ihren Neigungen zu äussern. Denn die Fussballszene begreift sich in Teilen immer noch als Machowelt. Das Bild eines schwulen Spielers wird von Klischees und Vorurteilen geprägt.»

Schon einmal sorgte ein Fussballer-Outing für Schlagzeilen. Allerdings ein Anonymes. Im September 2012 gab ein Bundesliga-Spieler ein Interview über seine Homosexualität. Ohne seinen Namen zu nennen, erklärte er, dass ein Bekenntnis ihn in Schwierigkeiten bringen würde. Er müsse sich selbst verleugnen, wage den Schritt eines Geständnisses nicht. Er kenne zwar keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem habe - es gebe ja auch noch andere homosexuelle Spieler. Jedoch sei die Öffentlichkeit das Problem. Würde er seinen Namen verraten, wenn Kollegen aus dem Sport mitziehen würden?, wollte der Journalist damals wissen. «Wir können in einem Jahr nochmal sprechen, und dann kann ich vielleicht meinen Namen unter das Gesagte setzen», sagte der Sportler. Wer es war, ist weiterhin unbekannt. War es Hitzlsperger selbst? Oder einer seiner Kollegen, der vielleicht in Bälde ebenfalls den Mut aufbringt, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen?

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