Rihanna Trotz Prügel nähert sie sich ihm wieder

Vor zwei Jahren hat sie Chris Brown übel zugerichtet. Jetzt tauscht er Fotos mit ihr aus - eine irrtümlich an alle Followers verschickte Twitter-Nachricht verrät's. Rihannas Fans sind entsetzt. Warum schaffen es selbst prominente, erfolgreiche Frauen nicht, nach Gewalteskapaden einen Schlussstrich zu ziehen? SI online spricht mit einer Expertin darüber.

Das Bild ging um die Welt: Rihanna, 23, mit dick geschwollenen Lippen und blauen Flecken sowie mehreren Kratzern im Gesicht. Ihr damaliger Freund und Musikerkollege Chris Brown, 22, hatte sie vor zwei Jahren im Anschluss einer Party so übel zugerichtet. Es dauerte noch eine Weile, bis Rihanna ihm endlich den Laufpass gab. Inzwischen wurde Brown für die Tat verurteilt: Er bekam fünf Jahre auf Bewährung und 180 Stunden Sozialarbeit aufgebrummt. Die Sanktion, wonach er mindestens 50 Meter Abstand von seiner Ex halten muss, wurde im Februar wieder aufgehoben.

Vorbei ist es mittlerweile auch mit der Funkstille zwischen den beiden. Das einstige Liebespaar nähert sich einander wieder an - zumindest über Twitter. Bereits vor ein paar Wochen flatterten Nachrichten hin und her. Ihre Fans reagierten entsetzt. Jetzt tauschen sie offenbar auch Fotos aus: «Rihanna, hast du das Bild erhalten, das ich dir geschickt habe?», fragte Chris Brown am Montag. Dummerweise schickte er die Nachricht nicht nur an Rihanna, sondern gleich an alle seine Followers. Zwar löschte er die Zeile sofort wieder - doch es war schon zu spät, die Diskussion bereits wieder im Gange.

Die Frage ist berechtigt: Warum kann sie es nicht lassen, nach allem, was passiert ist? Ihre Fans spekulieren: Bahnt sich da vielleicht wieder eine Romanze an? Bedauerlicherweise wäre das keine Seltenheit. «Viele Frauen gehen zu ihren Männern zurück, obwohl sie von ihnen geschlagen worden sind», weiss Eveline Jordi, Beraterin am Frauennottelefon. «Sie wollen zwar, dass die Gewalt aufhört, doch können die Beziehung noch nicht beenden.» Die Expertin versucht zu erklären, was für Aussenstehende unfassbar ist: «Hinter diesem Verhalten steht oft eine lange Leidensgeschichte. Die jahrlange Gewalt verändert die Selbstwahrnehmung und reduziert das Selbstwertgefühl.»

Es gebe viele weitere Gründe, warum die Betroffenen wieder zurückkehren: Die Liebe, die sich nicht auf Knopfdruck ausschalten lässt. Die Hoffnung, dass er sich doch noch ändern wird. Kinder, die dem Vater nicht entzogen werden wollen. Und nicht zuletzt ein grosses Scham- und Schuldgefühl.

Auch prominente Frauen sind nicht gegen das Phänomen gewappnet. Rihanna, aber auch Whitney Houston und Tina Turner sind Paradebeispiele dafür. Sie sind erfolgreich, finanziell unabhängig, sehen gut aus und könnten jeden anderen Mann haben - trotzdem finden sie nur schwer aus der Gewaltspirale heraus. «Jede Frau kann Opfer häuslicher Gewalt werden - unabhängig von Alter, Aussehen, Nationalität oder Schichtzugehörigkeit», beobachtet Eveline Jordi. «Man meint, erfolgreiche Frauen hätten ein enormes Selbstbewusstsein. Doch wir wissen alle nicht, wer die private Rihanna ist und welche Erfahrungen sie allenfalls schon als Kind durchmachen musste.»

Dass die Sängerin nun wieder mit ihrem Peiniger kommuniziert, sei deshalb auch nicht voreilig zu verurteilen. «Vielleicht ist der Kontakt für sie zurzeit sinnvoll.» Wichtig sei, dass sie selbst festlege, wie weit das Verhältnis gehe. «In der Beziehung hat sie durch die erlebte Gewalt die Kontrolle verloren, jetzt ist es wesentlich, dass sie über ihr Leben selbst entscheiden kann.» Damit diese Selbstbestimmung überhaupt erst möglich werde, sei externe Hilfe unerlässlich. «Wir raten, sich in jedem Fall Hilfe und Unterstützung zu suchen», sagt Eveline Jordi. «Viele Frauen kennen ihre Rechte gar nicht.» 

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