Nur die Queen ist beliebter Schwangere Meghan erobert die Herzen der Australier

Sie werden Eltern: Meghan und Harry verkünden fünf Monate nach ihrer Hochzeit die frohe Kunde. Wettbüros drehen durch – und in Down Under, wo die Royals unterwegs sind, steht man vor Freude kopf.

Es gibt Tage, da passt einfach alles – sogar, wenn es wie aus Kübeln schüttet. So ein Moment ist Tag drei der Australien-Reise von Prinz Harry, 34, und seiner Frau Meghan, Herzogin von Sussex, 37. Der Royal lacht nur, als ihm der Bürgermeister der Kleinstadt Dubbo einen Regenschirm überreicht und sagt: «Es ist alles gut – ich habe ja meine Frau!»

Doppelt freuen sich die 15 000 Schaulustigen – und vermuten fast eine höhere Gewalt hinter dem Eintreffen des Prinzen in ihrer Stadt: «Wir haben wochenlang für Regen gebetet – und ausgerechnet genau in diesem Moment kommt er.» Harry und Meghan schreiten strahlend und händchenhaltend zum Besuch der örtlichen Schule.

Die Schwangerschaft: ein Grossereignis

Zwei Tage zuvor, kurz bevor sie zu ihrem 16-tägigen Programm in Australien und Ozeanien eintreffen, überrascht der Kensington-Palast via Twitter bereits mit der Nachricht, auf die viele gewartet haben: Die Herzogin von Sussex bestätige ihre Schwangerschaft, sie freue sich auf ihr erstes Kind, das im Frühjahr 2019 zur Welt kommen soll. 

Für die britische Monarchie an sich eine Fussnote. Das Baby, ob Bub oder Mädchen, ist weit vom Thron entfernt. Es wird auf Platz sieben der Thronfolge, hinter seinem Vater Harry, einscheren – und Onkel Andrew, 58, auf Rang acht verdrängen. Ein Sohn würde den Titel «Earl of Dumbarton» tragen, das ist einer der niedrigeren Titel seines Vaters Harry, der als Ehrentitel seinem Erstgeborenen zustünde. Ein Mädchen würde offiziell «Lady Windsor-Mountbatten» heissen. Beide wären übrigens nicht Prinz oder Prinzessin, was dem Vorfahren König George V. (1865–1936) zu verdanken ist, der 1917 einen Beschluss erliess, um eine Inflation der Prinzen-Titel zu verhindern. 

Prinz Harry Herzogin Meghan
© The Media Agency

Im Visier: Harry und Meghan beim Besuch des Sydney Opera House. Journalisten beobachten das Paar auf Schritt und Tritt. 

Wetten zur Namenswahl nehmen britische Buchmacher bereits entgegen. Gute Chancen haben: Alice, Mary, Elizabeth und Victoria für Mädchen, James, Philip, Frederick und Arthur für Buben. 

Herzogin Meghan ist enorm beliebt

Doch das royale Baby und seine Eltern haben weit mehr Bedeutung für Land und Krone. Meghan ist bereits kurz nach der Hochzeit auf Platz zwei der Beliebtheitsskala der Royals geschnellt, nur Queen Elizabeth II., 92, hat höhere Sympathie-Werte. Selbst in Australien, das aktuell die Queen als repräsentatives Staatsoberhaupt anerkennt und eigentlich lange Zeit mehrheitlich diesen Status abschaffen wollte, herrscht auf einmal eine nie mehr erwartete Windsor-Mania. «Harry ist immer er selbst – und dafür lieben wir ihn», postet eine Australierin im Internet.

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Harry wirkt auf seiner Reise so, als wäre sie für ihn ein rein privater Vergnügungs-Trip: Lachend verscheucht er mit der Hand Fliegen, die eine lokale TV-Reporterin belästigen, und imitiert dabei die Bewegungen aus australischen Ureinwohner-Tänzen. Und kommentiert amüsiert, als seiner Meghan ein grosses Blumenbouquet überreicht wird: «Sie können meiner Frau doch keinen so riesigen Strauss schenken.» Worauf Meghan sagt: «Mir gefällt er aber sehr. Vielen Dank dafür!» 

Herzogin Meghan Prinz Harry
© Peter Parks / AFP

Unterm Schirm: Normalerweise hält den ja der Mann. Doch bei Harry und Meghan ist manches anders. 

Fürs neue Erscheinungsbild der Royals sorgen Harry und Meghan ohne grosse Erklärungen und Protokolländerungen. Lachende Reform statt polternde Revolution – mit kleinen Gesten, die grosse Wirkung erzielen. Wenn Harry seine Frau bei annähernd jedem öffentlichen Termin liebevoll in den Arm nimmt, fast ständig ihr Händchen hält oder ihr über die Hand streichelt, denkt niemand mehr an eine Familie, in der noch vor Jahrzehnten der kleine Charles, heute 70, von seiner Mutter gemassregelt wurde, weil er ihr als kleiner Bub nach wochenlanger Abwesenheit in die Arme fliegen wollte. 

Stilvolle Neuerungen

Meghan selbst hat lachend einiges verändert, ohne darüber gross zu reden. Schwarze Kleidung zu Terminen? Das war, von Trauerfällen abgesehen, für royale Damen nicht erwünscht. Meghan trägt auch Schwarz – wie viele modebewusste Frauen ihres Alters. Und bis zur Australien-Reise erarbeitete sie sich in den britischen Medien den Ehrentitel «Stiletto Devotee» – «Liebhaberin von 4 Inches», also von High Heels mit etwa zehn Zentimetern Absatz (von Aquazzura, Stuart Weitzman oder Prada). Vor dem Besuch des Zoos in Sydney wechselt sie zu Ballerinas – übrigens eher preiswerte Modelle der Marke Rothy’s (etwa 140 Franken), die aus recycelten PET-Flaschen gefertigt werden. 

Keiner am Hof kritisiert die kleinen Stilbrüche. Die Queen akzeptiert und schätzt den eigenen Kopf von Meghan: Harrys Frau hat statt einer luxuriösen, mehrwöchigen Hochzeitsreise, gleich wenige Tage nachdem sie Herzogin wurde, Termine übernommen. Und das nicht nur auf roten Teppichen, die sie als erfolgreiche Schauspielerin gewohnt war. Treffen mit Ehrenamtlichen, Besuche von Sozialprojekten – alles ohne Berührungsängste. Für das Königshaus ein Glückstreffer: ein Neuzugang in der Familie, der sich seine Popularität im Leben hart erarbeiten musste und sie als Erfolg zu schätzen weiss. 

Herzogin Meghan Prinz Harry
© Getty Images

Beauty in black: Herzogin Meghan setzt mit ihrem schwarzen Ensemble zwar keinen Farbtupfer, aber ein Statement. 

Zudem ist sie glaubwürdig. Als Tochter einer Sozialarbeiterin kennt Meghan manche Probleme «normaler Menschen» aus erlebter Nähe und nicht nur aus TV-Dokumentationen. Genau wie Harry hat sie kein Problem damit, fremde Kinder in den Arm zu nehmen und Hände zu schütteln, die das Protokoll nicht vorgesehen hat. Was früher zu Ordnungsrufen innerhalb der Palastmauern geführt hätte, ist heute ein Kapital. Das haben auch die Queen, ihre Berater und die Demoskopen erkannt. 

Meghan geht weiter ihren Weg – und der Erfolg gibt ihr recht. Und egal, ob sie ein Mädchen oder einen Buben zur Welt bringen wird: Auch als Mutter wird sie wie bisher ihre ganz eigenen Akzente setzen.

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