Kool Savas «Wollte Body-Splash mit Melonen-Duft machen»

Der deutsche Rapper gilt als König seines Fachs. Vor seinem Zürcher Konzert traf SI online Kool Savas und sprach mit ihm über Ingwertee, seinen Musikgeschmack und die Leidenschaft für Dokumentarfilme.
Kool Savas gilt seit Jahren als King of Rap.
© Tilllate.com Kool Savas gilt seit Jahren als King of Rap.

Zehn Konzerte wird Kool Savas, 36, innert zehn Tagen spielen. Alle sind restlos ausverkauft - auch das in Zürich vom 24. Januar 2012. Der Tourstress zerrt an den Nerven. Savaş Yurderi ist heiser. «Ab einem gewissen Punkt ist die Stimme nach einer Stunde überfordert», sagt er zu SI online. «Ich probiere alles, trinke zum Beispiel heissen Ingwertee auf der Bühne.»

SI online: Ingwertee - das klingt ganz und gar nicht nach einem harten Rapper. Sind Sie ein Weichei?
Kool Savas: In gewissen Situationen schon. Ich bin in Anführungsstrichen ein sensibler Mensch. Wenn ich mir zum Beispiel Dokus im Internet anschaue, dann finde ich die Ungerechtigkeiten der Welt sehr heftig. Das klingt jetzt sehr klischeemässig, aber da denke ich jeweils schon darüber nach, wie gut es uns geht und was andere Leute für Probleme haben. Zurzeit beschäftige ich mich überhaupt fast täglich mit Dokus, ich weiss eigentlich gar nicht warum...

Andere Rapper schaffen sich derzeit ein zweites Standbein, produzieren Filme oder bringen Kleiderlinien raus. Dürfen wir von Ihnen auch etwas erwarten?
Ich wollte einmal einen Body-Splash mit Melonen-Duft machen. Aber das hat leider nicht richtig funktioniert, weil wir den Geruch nicht richtig hinbekommen haben, die Frische hat irgendwie gefehlt. Als leidenschaftlicher Esser könnte ich mir aber durchaus vorstellen, eine Sandwich-Kette zu eröffnen oder ein vietnamesisches Restaurant. Auf keinen Fall will ich eine klassische Döner-Bude haben, wie man das sonst vom Türken kennt.

Mit 36 Jahren gehören Sie zu der älteren Generation Rappern. Wann ist man zu alt für diesen ganzen Zirkus?
Also, wenn Sie mit Zirkus die jungen Rapper mit ihrem Rumgelaber und der ganzen Show drumherum meinen, dann ist man theoretisch schon mit 18, 19 Jahren zu alt für das Ganze. Prinzipiell denke ich aber, dass man nie zu alt ist: Es geht um mehr als nur um Rap. Es geht um eine Kultur und um eine Lebenseinstellung. Rap ist eine Kunstform. Auf diesem hohen Niveau ist man sicher nie zu alt für Rap.

Dann werden Sie sich künftig weiterhin der Musik verschreiben.
Gerade auf privater Ebene gibt's viele Dinge, die ich noch nicht getan habe: Familie gründen et cetera und dies und das. Ich glaube, dass es 'ne Menge neben und nach der Musik gibt, was erstrebenswert und interessant ist für einen selbst.

Lange Zeit waren Sie mit Melbeatz zusammen. Gibt es denn derzeit eine Frau, mit der Sie eine Familie planen möchten?
Sorry, diese Frage finde ich zu persönlich.

Viele gestandene Männer, die sich für Hip-Hop interessieren, drehen bei Ihnen total durch - fast wie pubertierende Mädchen. Wie erklären Sie sich diese Phänomen?
Das habe ich bisher gar nicht so wahrgenommen. Aber für mich ist das auf jeden Fall ein riesiges Kompliment! Gerade wenn sich jemand so verhält, der schon über 20 ist und der sich seit Jahren mit Musik und Rap beschäftigt. Das freut mich auf jeden Fall sehr.

Beschäftigen Sie sich denn nur mit Rap? Oder hört Kool Savas auch CDs, die man nicht bei ihm erwarten würde?
Mittlerweile gibts bei mir fast nur noch solche. Ich höre ganz wenig Rap, kaufe mir tatsächlich kaum mehr Rap-Alben. Es gibt einfach nichts mehr, was mich noch motiviert. Meistens höre ich so Chillermucke, wie die von der Künstlerin Gaelle aus Atlanta. Da bin ich sehr langweilig. Aber ich finde echt auch nichts neues, das diese Musik ablösen könnte.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit bis zum Konzert im Zürcher Club X-tra?
Ich schaue mir Dokus an. Derzeit interessiere ich mich für den belgischen Kinderschänder  Dutroux.  

Am Dienstag, 24. Januar 2012, macht Kool Savas mit seiner «Aura»-Tour in Zürich halt. Das Konzert im X-Tra ist ausverkauft.

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