Sean Penn In Zürich über Oscars: «Freaking Horrorshow!»

Bei seinem Besuch in der Schweiz nahm der Schauspieler kein Blatt vor den Mund. An der Pressekonferenz des Zurich Film Festival erzählte Sean Penn Anekdoten von den Oscar-Verleihungen, rauchte fast unentwegt und brachte sogar Organisatorin Nadja Schildknecht dazu, ihr Handy zu zücken.

Am frühen Mittwochabend brachte er Glamour nach Zürich: Sean Penn, 51, passionierter Schauspieler, Regisseur und Hollywood-Star. Bevor er am Abend am Zurich Film Festival mit dem Golden Icon Award ausgezeichnet wird, nahm er sich an einer Medienkonferenz Zeit für die Journalisten. «Ich wollte schon immer einmal Roman [Polanski, Anm.d.Red.] sehen», scherzte Penn auf die Frage, warum er denn in ein kleines Städtchen wie Zürich komme. Ein Freund aus Kalifornien habe ihm von Zürich vorgeschwärmt, zudem sei er ja eingeladen worden. «Leider bin ich nur kurz hier, aber ich werde bestimmt zurückkommen», versprach er.

Und man glaubt es ihm fast. Denn der Schauspieler fühlte sich hier sichtlich wohl. Vor allem wenn er eine Zigarette in der Hand hatte: Zu Beginn spielte er nervös damit, nach wenigen Minuten Red und Antwort zündete er die erste an, gefolgt von einer zweiten. Schliesslich liess er sich bei der Frage nach seinem Oscar sogar dazu hinreissen, ein «Geheimnis» zu verraten: «Das Geheimnis der Oscars ist - und das sagen praktisch alle Gewinner: Wenn dein Name ertönt, ist das eine enorme Erleichterung.» Es sei, als ob man endlich wieder Luft zum atmen hätte. «Im Moment, wenn du die Bühne betrittst, hat sich die ganze Verleihung so tot gelaufen.» Ein Schauspieler müsse von der Nomination an zig Interviews geben, immer die gleichen Fragen beantworten. Sich ständig mit den anderen vergleichen lassen. «Das ganze ist wirklich eine «freaking horrorshow»!»

Doch Sean weiss sich in diesen Situationen zu helfen: «Bei solchen Events muss ich wirklich richtig betrunken sein.» Gerade die anderen Berufskollegen scheinen ihn dann am meisten zu nerven. «Sie sind so hinterhältig!» Man werde gerühmt, aber wirklich ehrlich meine es niemand. Während Penn erzählte, kam er in Fahrt. Schliesslich unterbrach ihn sein Sprecher. Ein Sexsymbol darf offenbar doch nicht zu versoffen rüberkommen.

Mit seinen Geschichten und seinen sehr spontan wirkenden Aussagen zog er sowohl Frauen als auch Männer in den Bann. Und jedes Mal, wenn er wieder an seiner Zigarette zog, klickten alle Kameras. Ein Hollywood-Star darf eben auch in den Räumen des Hotels «Baur au Lac» rauchen. Wieso auch nicht?

Dennoch scheint Penn nicht nur Rebell zu sein. Mit seinem Wohltätigkeitsprojekt «J/P Haitian Relief Organization» setzt er sich für Haiti ein. Und wie: Während der Pressekonferenz lästert er über einen Artikel in der Zeitschrift «Rolling Stone», der ihm ziemlich missfällt. Er weiss sogar, dass der Journalist 7500 Zeichen dafür gebraucht hat. Zudem erzählt er, dass er pro Tag sicher 25 Telefone für sein Projekt mache, Mails en masse verschicke. Und steht er nicht vor der Kamera, reist er für eine Woche oder einen Monat ins Land selbst. Politiker wolle aber dennoch nicht werden. «Schliesslich habe ich nur ein Gesicht», sagt Penn. Und erklärt zum Schluss: «Eigentlich versuche ich auch nur, ein anständiger Mensch zu sein.»

Mit seinem Auftritt verzückte Sean übrigens eine Person ganz besondes: Die Organisatorin des Zurich Film Festivals, Nadja Schildknecht, konnte es nicht lassen, den Hollywood-Star mit ihrem Handy zu fotografieren.

Am Mittwochabend nahm Sean Penn im Rahmen des Zurich Film Festival den Golden Icon Award entgegen.

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