Dominique Gauthier Koch des Jahres

Vom Tellerwäscher zum Starkoch; was für eine Karriere. Dominique Gauthier, 41, adelt das Restaurant Le Chat-Botté im Hôtel Beau Rivage in Genf mit dem 18. Punkt.
Gauthier verwöhnt  im «Beau Rivage» in Genf Stars wie Alain Delon und Sophia Loren.
Gauthier verwöhnt im «Beau Rivage» in Genf Stars wie Alain Delon und Sophia Loren.

Jeden Morgen um acht Uhr verabschiedet sich Dominique Gauthier in Frankreich von seiner Frau und den beiden Töchtern und macht sich auf den Weg Richtung Genf. Ein Zwischenstopp beim Gemüsehändler Pierre Rossaud, wo er Kürbisse, Zucchini­blüten, Salate, Stiefmütterchen, Kapuzinerkresse bestellt – und der Tag in der Küche kann beginnen.

Gauthiers Reich ist die riesige ­Küche des noblen «Beau Rivage» in Genf. Seit 150 Jahren führt die Besitzerfamilie Mayer den Hotelpalast in der vierten Generation. Es dampft und brodelt unten in den Katakomben, es wird geschnetzelt und gehackt.

Die 25-köpfige Brigade unter der Leitung von ­Dominique Gauthier ist in Aktion. Was der 41-jährige «Koch des Jahres» im Re­staurant Le Chat-Botté auf den Tisch zaubert, setzt kulinarische Massstäbe und wurde jetzt von GaultMillau Schweiz mit dem 18. Punkt belohnt. «Ich bin gerührt», gesteht der aus Gillonnay stammende Franzose. «Die Arbeit ist für mich und das Team nicht immer einfach. Doch die Anerkennung erfüllt mich mit Stolz.» 

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Lebhafter Blick, dynamische Stimme, athletischer Körperbau – Dominique Gauthier ist ein grosser Koch. Grosse Auftritte aber sind ihm fremd. Wer ihm und seiner Kunst noch näher kommen will, bucht den «Chef’s table». Der steht mitten in der Küche, mit freier Sicht auf Herd, Töpfe und Brigade. Gauthiers Talent und sein Sinn für einen «clin d’œil» im Teller, für schalkhafte Überraschungen, findet über die Kantonsgrenzen hinaus Anklang. Wie die schwarzen Trüffel!

Diese raspelt er mit Grandezza über ein Langustinen-Tatar oder serviert sie als markante Sauce zum zarten Simmentaler Rind. Natürlich mit ge­trüffeltem Püree von Kartoffeln der Sorte Belle de Fontenay. Einen genialen Auftritt hat die schwarze Knolle auch als «Bonbon» auf dem Cocktailglas. Im Glas: Risotto mit einer Prise Sellerie.

Eigentlich wollte er Schreiner werden. Nach Wochenendjobs in der Küche seines Onkels begann Dominique als Tellerwäscher. «Später rüstete ich Gemüse, als 14-Jähriger durfte ich an den Herd.» Seine erste Lehrstelle fand er im Sterne-Restaurant ­Hôtel de France. «Mein Chef versprach mir tausend Francs, wenn ich unter den fünf Besten meines Jahrgangs abschliesse. Ich gewann die Wette.»

Der Ambitionierte arbeitete bei Jo Rostand in Antibes, Georges Blanc in Vonnas, war zehn Jahre lang die rechte Hand von Richard Cressac im «Beau Rivage». «Man schenkt mir hier so viel Vertrauen wie einem Selbstständigen», freut sich der Chef.

Zu seinen Gästen zählen Sophia Loren, Alain Delon, Juan Carlos von Spanien. Und Prinzessinnen! «Ich komme gerade aus Bangkok zurück, wo ich der Tochter des Königs einen Kochkurs gegeben habe.» In der Freizeit ist Gauthier ganz für seine Familie da. «Ich helfe meinen Töchtern bei den Hausaufgaben, oder wir machen Ausflüge mit unserem Hund Cassetout.»

Auf diesen Spaziergängen kommt es vor, dass der Koch fanatiker sogar Kastanienblätter sammelt, in welche er später in der Hotelküche Langustinen einwickelt.

Hôtel Beau Rivage
Restaurant Le Chat-Botté
Quai du Mont-Blanc 13
1200 Genf


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