Ryan Gardner Liebe geteilt durch drei

Halb Kanadier, halb Schweizer, aber 100 Prozent WM-Hoffnung für Ralph Kruegers Auswahl: Ryan Gardner, 30, macht trotz geteiltem Herzen nur ganze Sachen. Auf dem Eis und in der Liebe zu seiner Christy.
Das Playoff-Out mit den ZSC Lions muss Ryan Gardner noch verdauen. In seiner Klotener Attikawohnung lüftet er den Kopf nun für WM-Grosstaten.
Das Playoff-Out mit den ZSC Lions muss Ryan Gardner noch verdauen. In seiner Klotener Attikawohnung lüftet er den Kopf nun für WM-Grosstaten.

«Diese Playoff-Bärte mag ich nicht», sagt Christy Gardner, 29. «Im letzten Jahr sah Ryan schrecklich aus, bis die Lions endlich Meister waren.» Heuer war der Bart ab, ehe er richtig zu spriessen begann. Es hat doch alles seine guten Seiten. Auch dass die Zürcher Europa-Helden völlig unerwartet schon im Viertelfinal gegen Fribourg ausgeschieden sind.

Christys Bart-Aversion in Ehren. Doch für Ehemann Ryan ist es ein kleiner Trost, dass es sich stoppelfrei besser schmust. Er ist froh, darf er mit der Schweiz die WM im eigenen Land bestreiten.

So hat er nach dem missglückten Meisterschaftsabschluss die Chance, die Saison des grössten Erfolgs (Champions-League-Sieg) und der schlimmsten Enttäuschung (frühes Playoff-Out) doch noch zu einem guten Ende zu bringen. «Mein Vertrag in Zürich läuft 2010 aus. Und ich habe die Chance, mich noch einmal auf der grossen Bühne zu zeigen. Weshalb nicht eine neue Liga kennenlernen wie etwa die russische KHL?»

Vor allem aber ist die WM für Ryan eine Herzensangelegenheit, wenn auch eine etwas gespaltene. Das Herz des 1,96-Meter-Hünen schlägt für zwei Nationen. Für sein Geburtsland Kanada, dessen Staatsangehörigkeit er auch weiterhin besitzt, und für die Schweiz.

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Dass er hier heimisch geworden ist, beweist nicht nur der rote Pass, den er seit vergangenem Sommer besitzt. «Ich bin ein begeisterter Jasser. Für einen ‹Coiffeur› bin ich immer zu haben. Und in unserem Küchenschrank sind Fondue-Caquelon und Raclette-Ofen selbstverständlich zu finden.»

Ein Klischee vielleicht, doch Ryan Gardner ists ernst mit der Liebe zur Schweiz: «Christy und ich haben uns bewusst für eine Zukunft hier entschieden. Wir sind bereit, eine Familie zu gründen, und für eine solche bietet die Schweiz einfach perfekte Lebensumstände.»

«Ich hielt auf Knien um Christys Hand an. Und dies trotz Gips am Bein …»

Seit vergangenem Sommer sind Christy und Ryan verheiratet, nachdem sie sich vor neun Jahren in ihrer beider Heimatstadt Toronto kennen- und lieben gelernt haben. Den Heiratsantrag machte er ihr in einem Restaurant mitten in Lugano im November 2007. «Auf Knien, obwohl ich damals einen Gips ums Bein trug», erzählt Ryan und lacht.

Trotz fast 30 Zentimetern Grössenunterschied befinden sich die 1,68-Meter-Schönheit und der Hockeycrack sportlich auf Augenhöhe. Christy hat in Kanada erfolgreich Highschool-Basketball gespielt. Heute unterrichtet die Turnlehrerin an der internationalen Schule in Zumikon ZH und hatte dort unter anderen auch schon Ari Sulanders Söhne unter ihren Fittichen.

Nebenbei trainiert Christy eine Mädchen-Basketballauswahl. Im Fernstudium absolviert sie zudem eine Coach-Ausbildung in den USA. «Auch in Sachen Deutschkenntnisse mache ich mich auf Ryans Verfolgung.» Und zwar gleich richtig helvetisch: «Hoi! – Swiss German Survival Guide» heisst ein Wörterbuch, das auf Christys Nachttisch liegt.

Die beiden Sushi-Liebhaber sind in der Schweiz längst vollständig integriert. Unter anderem ist Ryan der Götti von Leno, dem frischgeborenen Sohn seines ehemaligen Lugano-Teamkollegen Andy Näser.

Und sind Freunde bei den Gardners in deren Klotener Attikawohnung zu Gast, ist Ryan am Barbecue-Grill so richtig im Element. Nur mit den geliebten Touren auf der Harley ist vorerst Schluss. Letztes Jahr wurde Ryan das liebevoll aufgemotzte Motorrad geklaut – aus der Tiefgarage im Wohnblock!

Für einige Monate zieht es das Paar jedes Jahr zu seinen Wurzeln zurück. Am Halliburton Lake nördlich Torontos besitzt Ryan ein Wochenendhaus am See. Dort kann er beim Fischen und Golfspielen abschalten. «Ich brauche das. Obwohl ich die Schweiz so liebe, fehlt mir halt immer ein Stück Kanada, wenn die Familie während Monaten so weit weg ist», gesteht er ein.

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Ryan Gardner bisher in der Schweiz verbracht. Am Heimweh nach Kanada ändert das nichts. Dank seinem Vater Dave, in den 80er-Jahren in Ambri und Visp ebenfalls eine Hockeylegende, kam Ryan schon als Kind hierher. Und dass er damals Walliser Deutsch sprach, ist an Ryans eigentümlicher Mischung aus Hoch- und Schweizerdeutsch heute noch erkennbar.

Vater und Mutter leben längst wieder in Kanada. Ryan aber kam 1997 in seine zweite Heimat zurück, wo er seither als treffsicherer Stürmer bei Ambri, Lugano und den ZSC Lions Skorerpunkte und ­Titel sammelte. Und nun will er für die Gastfreundschaft etwas zurückzahlen. Die Währung: WM-Tore im roten Trikot mit weissem Kreuz.


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