Gardi Hutter zeigt ihr Mendrisiotto Magischer Ausblick

Vor 24 Jahren zog es Gardi Hutter ins Tessin. Die Clown-Frau fand hier im kleinen Bergdorf Arzo ihr Paradies. Jetzt zeigt sie ihre Lieblingsplätze in der Sonnenstube und wo es den besten Kastanienkuchen gibt.

Wieselflink ist Gardi Hutter, 56, die Fassade in der Via ai Grotti in Tremona raufge­kraxelt – so, als wäre sie eine dieser kleinen Eidechsen, die im Tessin zu ­Tausenden an Hauswänden und Mauern rumhuschen. «Lange kann ich mich nicht mehr halten, presst die Clownin lachend zwischen den Lippen hervor. Muss sie auch nicht. Mit einem klatschenden Geräusch landet die 1,57 Meter kleine Komödiantin, die mit ihrem roten Knubbel auf der Nase weltweit zu den ganz Grossen ihres Fachs gehört, mit ihren Flip-Flops auf dem Asphalt.

In die Sonnenstube der Schweiz zogs Gardi Hutter vor 24 Jahren – von Mailand, wo sie damals eine Zeit lang lebte. Im neunten Monat schwanger war sie und auf der Suche nach einem kleinen Häuschen. Sie fand ihren Traum im knapp über 1100 Einwohner zählenden Bergdorf Arzo. «Ich habs schon gern ein klein bisschen wärmer und weniger Regen, und eigentlich ist es ganz gut, auf dem Land zu leben, vor allem wenn man Kinder hat.»

Aus beruflichen Gründen wollte sie weiterhin so nahe wie möglich bei Mailand sein. Die italienische Grenze erreicht sie mit dem Auto in fünf Minuten. Die Kinder sind inzwischen erwachsen, der Ältere studiert Musik in Amsterdam, die Jüngere hat ihr Ethnologie- und Biologiestudium in Neuenburg begonnen. Aber Gardi bleibt im Tessin. Auch wenn sie noch eine kleine Zürcher Stadtwohnung hat.

**WERBUNG**

In Tremona, dem Nachbarort von Arzo, befindet sich ihr Lieblingsgrotto. Von zu Hause ein halbstündiger Fussmarsch, querfeldein durch Weinberge und dichte Wälder. «Ich bin unheimlich gern hier – mit den Kindern sowieso, und wenn Freunde zu Besuch kommen, ist ein Abstecher zu Brigitte obligatorisch.»

«Hier wird in jedem Hinterhof etwas geboten»

Brigitte Mogliazzi, 41, bewirtschaftet seit 14 Jahren das Grotto Grassi gemeinsam mit ihrem Mann Luca, 43. Genau so lange kennen sich Gardi und die Wirtin. Brigittes absolute Spezialität ist ihr selbst gebackener Kastanienkuchen. Neben dem Grotto gibts eine Art natürliches Amphitheater, wo im Sommer unter freiem Himmel Filme zu sehen sind oder Künstler auftreten. Gardi selbst hats in all den Jahren noch nicht geschafft, an diesem «magischen Ort» zu spielen. «Das will ich aber ändern», verspricht sie.

Als Clownin zu sehen ist sie sonst auch Ende August in ihrer Wahlheimat. In Arzo zieht jeweils am letzten Wochen­ende des Monats das internationale Erzähl­festival «Racconti di qui e d’altrove» Gross und Klein in seinen Bann. «In jedem Hinterhof wird etwas geboten, das ganze Dorf arbeitet für den Anlass mit. Unser Ort ist in den drei Tagen wie verzaubert – Künstler aus Afrika, Frankreich, Spanien und Italien unterhalten.» Dieses Jahr darfs Gardi auch mal geniessen. «Ich bin nur Zuschauerin.»

Voller Begeisterung erklärt Gardi die Kräuter, die auf dem Plateau beim Grotto hoch über Riva San Vitale wuchern. «Ich habe vor einigen Monaten einen Wildkräuter-Kochkurs besucht», klärt sie die verdutzt dreinblickenden Begleiter auf. «Und im Mendrisiotto wächst allerlei essbares Grünzeug.»

Den Kochlöffel schwingen kann sie aber in nächster Zeit nicht allzu oft. Gardi ist wieder auf Achse. Ein Blick in ihre Agenda zeigt: Nächste Woche muss sie für vier Tage nach Santander, Spanien. Danach weiter nach Berlin, wo sie an einem ganz neuen Bühnenstück arbeitet. «Die Premiere ist für kommendes Jahr geplant», gibt sich die Komödiantin noch geheimnisvoll. Und weil sie selber weiss, dass sie sich in der Schweiz etwas rargemacht hat in letzter Zeit, stehen im September einige Auftritte in ihrer Heimat auf dem Programm. Ende Jahr aber hält sie nichts mehr in der Schweiz.

Brasilien ruft. Dort ist die kleine Schweizerin mit der roten Knubbelnase ein grosser Star. «Es ist Wahnsinn. Ich spiele oft vor bis zu 1000 Leuten.» Zwei Monate tingelt Gardi zwischen Rio de Janeiro, Brasilia und São Paulo. Und freut sich am Ende wieder aufs Heimkommen – in ihr lieb gewordenes Mendrisiotto.

Nächste Woche Dario Cologna zeigt sein Münstertal.


Auch interessant