Nachgefragt bei Martin Suter

«Giulias Verschwinden» feierte Premiere am Filmfestival in Locarno Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter verfasste dazu das Drehbuch.
Martin Suter
Martin Suter

Herr Suter, «Giulias Verschwinden» ist eine Komödie übers Älterwerden. Kann man übers Älterwerden überhaupt lachen?
(Lacht.) Was bleibt einem anderes übrig? Irgendwann rennt man morgens vergeblich dem Tram hinterher und liest die Menükarte im Restaurant nur noch mit Brille. Vor ein paar Jahren, als die Idee für diesen Film entstand, hatte ich einen Albtraum: Ich war 40 Jahre alt. Kurz darauf wachte ich auf, nur um festzustellen, dass ich in Wirklichkeit Mitte fünfzig bin … Meine Frau meinte damals: Jetzt waren wir ein Leben lang jung, und plötzlich sind wir alt!

Wären Sie gern noch mal zwanzig?
Das nicht. Die Zeit war für mich emotional unruhig. Heute habe ich nicht mehr das Gefühl, ständig etwas zu verpassen – das geniesse ich. Aber wenn mir jemand anbieten würde, dass ich von nun an nicht mehr älter werde, würde ich dankend annehmen.

Dann steckt viel Persönliches von Martin Suter in «Giulias Verschwinden».
Durchaus. Normalerweise vermeide ich ja Autobiografisches. Aber bei diesem Thema war es unumgänglich. Mein mittlerweile leider verstorbener Freund und Regisseur Daniel Schmid und ich haben oft übers Altwerden gewitzelt. Irgendwann sagten wir: Lass uns einen Film daraus machen! Nach Daniels Tod landete das Projekt in der Schublade, bis Produzent Marcel Hoehn vorschlug, den Film mit Regisseur Christoph Schaub umzusetzen.

Im Film boykottiert eine Protagonistin ihre eigene Geburtstagsparty. Haben Sie das je gemacht?
Nicht in dieser Form. Aber ich bin tatsächlich kein grosser Geburtstagsfeierer. Das liegt bei mir schon am Datum: den 29. Februar gibts nicht jedes Jahr. Das kommt mir gelegen.

Und wie war Ihr 60. Geburtstag letztes Jahr?
Toll. Mein Freund Stephan Eicher hat mir ein Überraschungsständchen gebracht.

Am 8. Oktober läuft «Giulias Verschwinden» im Kino an. Was kommt als Nächstes?
Anfang 2010 erscheint mein Roman «Der Koch». Im selben Jahr wollen Stephan Eicher und ich mit unserem eigenen Musical Premiere feiern. Zuerst geniesse ich jetzt aber noch das Tessin – und werde mit meinen zwei dreijährigen Kindern eine Runde im Pool drehen.

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