Ueli Maurer Mensch Maurer

Ueli Maurer und Christoph Blocher: die SVP-Kandidaten für den Bundesrat. Maurer wirds machen. Der Favorit über ...
Ueli Maurer, 58, mehr­heitsfähige Integrationsfigur der SVP – und  bald schon Bundesrat.
Ueli Maurer, 58, mehr­heitsfähige Integrationsfigur der SVP – und bald schon Bundesrat.

... seine Familie
«Ich bin ein Familienmensch. Dieser geschützte Ort ist mir wichtig. Hier tanke ich Energie, kann ich selber sein. Wir leben unser Familienleben sehr konsequent. Entweder Familie oder Politik. Keine Durchmischung. Deshalb habe ich auch noch nie in meinem Leben die ‹Tagesschau› gesehen, weil dann immer Familie angesagt ist.»

Natürlich habe man die Bundesratskandidatur diskutiert. «Die Kinder sagten ‹Mach doch!› – meine Frau war etwas zurückhaltender, findets aber ebenfalls gut.» Anne-Claude sieht man kaum in der Öffentlichkeit. «Das bleibt auch so. Wir sind bisher gut damit gefahren.» US-Präsident Barack Obama musste seiner Frau versprechen, mit Rauchen aufzuhören, damit sie ihn im Wahlkampf unterstützt. Und Maurer? (Lacht.) «Wir sind dermassen lange in einem ‹gemeinsamen politischen Prozess›, dass so was nicht nötig ist.»

... seine Person
Am 1. Dezember wird Ueli Maurer 58 Jahre alt. Geburtstagswunsch? (Überlegt lange.) «Dass es gut kommt – egal, was ‹gut› bedeutet.» Maurer wird als integrativ, schlau, umgänglich, zuverlässig und humorvoll beschrieben.

Seine grösste Stärke? «Gründlichkeit und Hartnäckigkeit in der Zielverfolgung.» Welche Eigenschaft hat ihn zum Erfolg geführt? «Meine Kontaktfreude, meine Offenheit. Ich kann gut zuhören und auf Leute eingehen.»

Und Schwächen? «Ich kann kaum Nein sagen, deshalb habe ich immer so viel zu tun. Und ich kann nicht singen.» Wieso hat er so lange ge­zögert mit seiner Kandidatur? «Der Entscheid war von grosser Tragweite. Ich musste erst viele Gespräche führen.

Der Meinungsumschwung kam, als mich ein Fraktionskollege anrief. Er war sehr bewegt und sagte mir: ‹Das musst du machen, es geht um die Zukunft der Schweiz!› Das rührte mich zutiefst. Da sagte ich mir: Okay, ich machs!» Er fühle sich der Aufgabe durchaus gewachsen.

Kraft und Motivation bekomme er vor allem aus seinem Umfeld, der Familie. Auch eine gewisse Distanz zu sich selbst sei wichtig. «Man soll nicht immer alles so ernst nehmen, muss auch mal über sich selber lachen können.»

.... seine Politik
«Es wird keinen ‹Maurer light› im Bundesrat geben. Ich werde mein Temperament nicht anpassen. Sicher wirds Phasen geben, in denen man den obersten Hemdknopf geschlossen lässt und aufrecht hinsitzen muss. Das gehört halt zum Job.»

Und wie will er den SVP-Hardlinern gerecht werden? «Wenn Sie mit ‹Hardliner› Menschen mit klarer politischer Haltung meinen, dann werde ich denen gerecht werden, weil meine Haltung klar ist und bleibt. Ich werde mich nicht verbiegen, werde glaubwürdig bleiben und mich bemühen, im Sinne der Partei rauszuholen, was es zu holen gibt. Klar kann es Enttäuschungen aufgrund übergrosser Erwartungen geben. Ich werde intensiv kom­mu­nizieren.»

Dass ihn derzeit selbst ­politische Gegner loben, irritiert ihn. «Es ist wohl Resultat meines respektvollen Umgangs. Allzu viel gegnerisches Lob ist mir aber suspekt. Das kann schnell wieder kippen.»

... den Bundesrat
«Mein allfälliger Empfang in diesem Gremium wird – nach allem, was vorgefallen ist – wohl nicht bloss frostig, sondern schon nahe an der Eiszeit sein! (Lacht.) Ich werde das mit meinem Charme aber sicherlich hinkriegen.»

Neben Eveline Widmer-Schlumpf zu sitzen, damit hätte er kein Problem. «Was passiert ist, wird sicherlich verhindern, dass wir Busenfreunde werden. Aber ich bin überzeugt, dass wir auf sachlicher Ebene gut zusammenarbeiten werden. Weil wir im Denken ähnlich funktionieren. Ich werde meine klare Haltung bewahren, das ist nicht unanständig, im Gegenteil.

Ich finde es unanständig, wenn man nicht klar sagt, was man eigentlich meint. Es wird im Bundesrat deshalb sicher ab und zu grosse Augen geben, wenn ich Klartext rede.» Auf die Herausforderung freue er sich. «Es ist ein toller Job, man kann etwas bewegen. Was mir Angst macht, sind diese offiziellen Anlässe, dieses Repräsentieren, das mag ich nicht, das ist nicht meine Welt.»

Und welchen Staatsmann würde er später gerne mal treffen? «Silvio Berlusconi ist eine schillernde Persönlichkeit. Mit ihm wärs sicher lustig.»

... das VBS
«Selbst wenn ich wählen könnte, würde ich das VBS wählen. Es ist ein spannendes Departement, man hat viel mit der Bevölkerung zu tun – und es gibt viel aufzuräumen. Vor allem bei der Logistik.

Die Truppe funktioniert schlecht, weil falsch abgebaut wurde. Zudem muss einem einrückenden Wehrmann in drei WK-Wochen etwas geboten werden! Die ganze Departements-Strategie war bislang unklar. Man muss sich über das Bedrohungsbild klar werden, den Auftrag der Armee definieren und dann die notwendigen Mittel bereitstellen. Und nicht umgekehrt», sagt Major Maurer.

Und was wird er anders machen als Schmid? «Wir sind vom Typ her sehr unterschiedlich. Ich bin offen, kommunikativ, stecke Kritik besser weg, kann zuhören, Leute in einen Prozess integrieren. Wenn man Schmid kritisierte, wurde er noch introvertierter, schottete sich noch viel mehr ab. Das wird bei mir nicht der Fall sein. Ich habe gerne offene Diskussionen, streite gerne, weils zu Lösungen führt.»

... Christoph Blocher
«Ich finde es richtig, dass er nochmals antritt. Mit Sturheit hat das gar nichts zu tun. Wir haben so viele Wähler, die sich in unserer Partei von Christoph Blocher richtig vertreten fühlen, die emotional mit ihm verbunden sind. Liessen wir ihn fallen, würde das als Kurswechsel interpretiert.

Er gehört aufs Ticket, selbst wenn die Chancen, gewählt zu werden, wohl klein sind.» Politische Gegner stänkern, die SVP tue sich schwer damit, sich von ihm abzunabeln. «Ja, das trifft wohl zu. Er hat diese Partei so lange so stark geprägt. Für viele hat er die Schweiz vor der EU gerettet. Er wird als einer der wichtigsten Bundesräte dieses Landes in die Geschichte eingehen.»

Maurer nervte sich dieser Tage furchtbar, wenn ihm in Interviews unterstellt wurde, er werde sich wohl auch als Bundesrat mit Blocher beraten. «Ich habe mich nie von ihm distanziert, wie sich das gewisse Medien gewünscht hätten. Blocher ist und bleibt genial. Aber ich habe meinen eigenen Stil, gehe meinen eigenen Weg. Das soll man endlich respektieren.»

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