Mirka Federer Mirkas Welt

Muse, Mutter, Managerin! Seit neun Jahren reist sie mit ihm um die Welt. Vor sieben Wochen hat ihm Mirka Federer Zwillingsmädchen geboren. Jetzt fiebert sie wieder auf der Tribüne mit. Wer ist die Frau an Rogers Seite?

Am ersten Spieltag im Arthur-Ashe-Stadion hat sie ein graues T-Shirt mit tiefem Décolleté an. In der zweiten Runde einen geringelten Pullover von Chanel. An Tag 6 ein weisses T-Shirt und die grosse Sonnenbrille. Gegen Tommy Robredo kombiniert sie das T-Shirt mit einer grauen, im Viertelfinal mit einer schwarzen Strickjacke.

Es heisst, Mirka passe sich modisch ­Rogers Stimmung an. Da steht sie also auf dieser Tribüne, kaut Kaugummi, hält ihren Blackberry. Oft lächelt sie, das ­Gesicht mit den schönen hohen Wangenknochen unter fülligem Haar. «Wenn sie nicht immer bei mir wäre, hätte ich ein riesiges Problem», sagt ­Federer, 28. «Erst kommt das Tennis, dann Roger, dann ich», sagt Mirka.

Unlängst hat die Nr. 1 der Weltrang­liste in der amerikanischen Modezeitschrift «Vogue» privat geplaudert: «Es war Mirkas grosser Wunsch, dass unser Kind mich Tennis spielen sieht. Das wäre etwas, woran es sich immer erinnern würde. Dieser Gedanke wurde irgendwann in Mirka übermächtig. Also entschieden wir, eine Familie zu gründen.»

Das muss irgendwann 2008 gewesen sein. Die süssen Resultate dieser Entscheidung kamen am 23. Juli 2009 in der Zürcher Klinik Hirslanden zur Welt: Myla Rose und Charlene Riva. Eine Woche war die junge Mutter im Spital, dann ein paar Tage zu Hause. Doch ihr geht es wie vielen Frauen – der Mann muss wieder arbeiten.

Und weil die Mirka den Roger zu jedem Spiel be­gleitet, bleibt keine Zeit für eine Baby-Pause in der Terrassenwohnung in Bäch SZ. Mutter und Kinder fliegen im Privatjet mit Roger zum Turnier nach Montreal (Kanada), dann nach Cincinnati (USA).

Jetzt also New York. Die ganze Familie checkt im Hotel Carlyle ein. Das diskrete 5-Sterne-Haus am Central Park hat Liftboys in jedem Aufzug, damit keine ungebetenen Gäste an den 500-Quadratmeter-Suiten klingeln. In der Lobby schaukelt, so ein Beobachter, die bald 60-jährige Kinderfrau aus England Charlene und Myla nebeneinander im Zwillingswagen in den Schlaf. Wenn Roger spielt, ist Mirka von hier aus in 20 Minuten in Flushing Meadows. Mit dabei: Schwiegermutter Lynette, Freundin Anna Wintour, «Vogue»-Chefin und ­Tennis-Närrin. Alternativ auch Popstar Gavin Rossdale.

Mirka Federer polarisiert, obwohl die Öffentlichkeit nichts über Mirka weiss. Ausser was sie anzieht, dass sie verheiratet ist, zwei Kinder hat, ihren Mann begleitet. Im Online-Lexikon Wikipedia stehen auf einer halben Seite einige Details der Ex-Tennisspielerin: 31 Jahre alt, 174 Zentimeter gross, Spielhand rechts, gewonnenes Preisgeld 260 832 Dollar. Rogers Eintrag ist 20 Seiten lang. Sie gibt keine Interviews. Kein Detail aus dem Fami­lienleben dringt nach aussen, nie.

Ein Arzt aus dem Geburtsspital sagt: «Mirka hat sich wie jede Mutter frei bewegt. Keiner kam auf die Idee, sie auf dem Flur zu fotografieren!» Medienanfragen wiegelt Freundin und Mediensprecherin Géraldine Dondit mit einem freundlichen «Wir geben keine Auskunft» ab.

Mirka. Man ruft sie selbstverständlich beim Vornamen. Das nette Mädchen von nebenan kommt am 1. April 1978 im slowakischen Bojnice, 4000 Einwohner, als Miroslava Vavrinec zur Welt. Als sie zwei ist, fliehen Vater Miroslav, Goldschmied, und Mutter Drahomina, Musikerin, nach Kreuzlingen TG. Die Familie zieht in einen Wohnblock, wo viele ausländische Namen auf den Klingelschildern stehen. Bis heute sind die Eltern hier gemeldet.

«Wenn Roger gewinnt, ist es, als ob  ich gewinnen würde»

1987 spielt Martina Navratilova in Filderstadt (D). Mirka drängelt sich an den Bodyguards vorbei und überreicht ihrem Idol ein Paar Ohrringe. «Ich habe sofort gesehen, dass sie Potenzial hat», sagte Navratilova zum Magazin «L’Equipe». Sie bittet Ex-Spieler und Trainer Jiri Granat, 54, sich das athletische Mädchen anzusehen. Der Tscheche trainiert sie, mal in Zürich, mal in Kreuzlingen, sagt: «Sie hat nicht gespielt, weil es Trend war oder ihre Eltern es wollten. Sie war vom Tennis überzeugt!» Nach einer kurzen Pause, ergänzt er: «Sie wollte wie Martina Navratilova werden!
Die Nr. 1.»

Die Eltern finden in Walter Ruf, In­haber der Rüstungsfirma Mowag, einen Sponsor. Dank ihm können die Vavrinecs den Trainer bezahlen, nach Wimbledon und Roland Garros reisen. Das hat ­Mirka nie vergessen. Als Ruf 2002 stirbt, nimmt sie bewegt an der Trauerfeier teil. Mirka trainiert jetzt ab und zu auch im Tenniszentrum Biel. Die Westschweizerin Caecilia Charbonnier, 27, wird ihre Doppelpartnerin: «Beim Spiel war Mirka kon­zentriert, hoch motiviert, verstand keinen Spass. Neben dem Platz ist sie sympathisch, grosszügig. Sie hat oft bei mir auf dem Sofa übernachtet. Als Dankeschön brachte sie Parfüm mit. Das war schon damals ihre Leidenschaft.»

Sie ergänzt: «Mirka kennt den Tennis­zirkus genau. Wenn Roger Nr. 1 bleiben will, braucht er eine beschützte Umgebung. Die verschafft sie ihm.» Das sagt auch Roger Jaunin, Federer-Biograf und Journalist. «Mirka war immer sehr zurückhaltend, diskret. Roger fordert das von allen, die ihm nah sind.»

Mirka schafft es bis auf Platz 76 der Weltrangliste. 2000 spielt sie zwar bei den Olympischen Spielen mit. In Sydney endet gleichzeitig ihre Profikarriere ­wegen einer Verletzung im rechten Knöchel. Beginnt ihre Liebesgeschichte mit Roger und das Mysterium Mirka. Sie wird schnell zu seinem Schatten, dann seiner Managerin, seiner Pressesprecherin. Hat bald den Ruf, hart und miese­petrig zu sein. Es heisst, sie würde alle «wegbeissen»: Trainer Peter Lundgren zum Beispiel – was Biograf Jaunin ­dementiert. Kurz gesagt, sie macht sich unbeliebt für die gute Sache: ihren ­Mister Perfect.

Seitdem prophezeien Neider, dass sich «Rodschi» in ein paar Jahren sowieso in eine schlanke Miss mit Partylaune ver­lieben wird und damit Mirka zu öffentlichen Entgleisungen treibt, wie es andere Sportler-Frauen vorgemacht ­haben: Cora Schumacher blamiert ihren Mann in der Formel-1-Welt mit peinlichen Notizen für die Putzfrau. Sylvie van der Vaart plaudert offen über ihr Sexleben mit dem Fussballstar. Victoria Beckham hat aus ihrem Mann ein Mädchen gemacht.

All das ist von Frau Federer nicht zu erwarten. Weil es nicht ihrer bodenständigen Art entspricht. Roger Brennwald, Präsident der Davidoff Swiss Indoors, langjähriger Weggefährte der Federers, erzählt, wie Mirka einen Stand für die Promotion ihres selbst entwickelten Parfüms aufgebaut hat. Sie wisse, was es heisst zu arbeiten. «Es macht Mirka so stark, dass sie ihr Glück zu schätzen weiss», sagt er. Mirka ist seit neun Jahren mit Roger zusammen, sieben Tage in der Woche. «Ist es nicht vielleicht einfach eine tolle Liebesgeschichte?», fragt Biograf Jaunin.

Gekrönt durch Zwillingsmädchen. Oscar-Preisträger Arthur Cohn kennt Mirka seit vielen Jahren und schickt ­Roger weltweit Basler Läckerli hinterher. Eine Woche nach der Geburt hat er sie besucht: «Mirka tut alles, damit es Rogi gut geht. Bewundernswert, wie sie das mit den Zwillingen schafft. Ihr Glück ist, das der Rogi so glücklich ist mit den Kindern.»

In Wimbledon machte Herr Federer Frau Federer dieses Jahr eine rührende Liebes­erklärung: «Ich bin unheimlich dankbar für alles, was sie für mich gemacht hat.» Vier Stunden, 18 Minuten sass sie zwei Wochen vor der Geburt am Centre-Court. Jetzt, in New York, ist sie wieder da. Hat, so eine Beobachterin, bei keinem Match ihren Platz verlassen. Wie sagt Mirka: «Dank ihm ist Tennis zurück in meinem Leben. Wenn er gewinnt, ist es, als ob ich gewinnen würde.»

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