Dominique Aegerter Mit Benzin im Blut

18-jährig und schon auf Tom Lüthis Spuren: Der Berner Töffpilot Dominique Aegerter gibt auf seiner 125er-Maschine mächtig Gas. Dabei ist er von Beruf nicht nur Motorrad-Rennfahrer.

Was für ein Fortschritt in Dominique Aegerters Leben! Just am Tag unseres Besuchs in Rohrbach im bernischen Oberaargau hatte er am Morgen die Motorrad-Prüfung bestanden. Ab sofort darf er mit Maschinen bis 25 Kilowatt Motorenleistung auf die Strasse. Da geht einem 18-jährigen «Töfflibueb» doch der Puls hoch, oder? «So der grosse Kick ist das nicht gerade», lacht Domi.

«Meine 125er-Derbi bringt bei 70 Kilo Gewicht 54 PS auf die Räder. Da bist du im Rennen schon mal mit 240 Sachen unterwegs.» Das gibt dann allenfalls etwas Herzklopfen. Angst? «Kenne ich nicht auf dem Töff. Auch wenn ich in meiner GP-Karriere sicherlich schon zehn-, fünfzehnmal gestürzt bin.» Andere fallen öfter. «Mengisch rüerts eim haut ab», wie Domi sagt.

Von klein auf im Dunstkreis der röhrenden Motoren. Das ist Dominique Aegerter. Aufgewachsen in der Wohnung oberhalb der elterlichen Auto- und Motorrad-Werkstatt. Mit zweieinhalb Jahren stellte Papa Fere Aegerter Domi einen Minitöff mit Seitenwagen hin, auf dem der Knirps stundenlang auf dem Garagen-Vorplatz im Kreis fuhr. Mit fünf die ersten Motocross-Rennen.

Und dann Schritt für Schritt, Erfolg nach Erfolg, via Strassenrennen im deutschen Aprilia-Cup in die 125er-Klasse im GP-Zirkus. «Tempo hat mich immer gereizt. Und es wurde auch nicht besser, als mich die Polizei einst mit 80 bis 100 Sachen auf dem frisierten Moped anhielt…»

Jetzt darf er legal Gas geben. In der dritten kompletten Saison in der WM der 125-ccm-Klasse. Und dort ist er oben angekommen. Nach einem 23. Gesamtrang 2007 und einem 16. im vergangenen Jahr belegt Dominique derzeit den 9. Zwischenrang, dicht hinter den Top-Fahrern. In Le Mans steuerte er vor Wochenfrist in Richtung des ersten Podestplatzes, ehe ihn ein Sturz im Regen zurückwarf.

Weshalb anderen mehr Fahrtalent attestiert wird, Aegerter aber einmalige Kämpferqualitäten und Mut, sah man anschliessend. Dominique kämpfte sich zurück und erzielte am Schluss mit Rang sechs doch noch sein Bestresultat.

**WERBUNG**

Dass es noch nicht ganz aufs Treppchen reichte, hat für den stets fröhlichen Berner Giel auch eine gute Seite. Gemäss einer Wette mit dem Vater hätte dann nämlich seine lange Haarpracht dran glauben müssen: «Und einmal weg, bleibt sie weg», stellt Domi klar. «Aber meinen Vater triffts noch schlimmer: Bei meinem ersten Sieg darf ich ihm seinen imposanten Schnauz abschneiden.»

So oder so: Die Zeit scheint reif, dass Aegerter auf kommende Saison in die grössere, neue Moto-GP1-Klasse aufsteigt. Nicht zuletzt deshalb, weil er mit seinen 65 Kilo Gewicht eigentlich eher für den schwereren Töff prädestiniert ist. «Ich muss mich aber schon beherrschen, dass ich beispielsweise nicht zu viel Schoggi esse. Wenigstens leidet meine Familie etwas mit: Eine Salatsauce mit Mayonnaise etwa liegt nicht drin», schmunzelt der Fitnessbewusste.

Opfer für Dominique zu bringen, das sind sich die Aegerters gewohnt. Bruder Kevin, 20, Viert-Liga-Fussballer beim FC Huttwil, musste stets hinter den Bedürfnissen seines kleinen Bruders anstehen. Der Nähe zwischen den beiden hat das keinen Abbruch getan. «Ich bibbere in jedem Rennen mit. Verschwindet er mal länger aus dem TV-Bildschirm, kommt schon Angst auf. Glücklicherweise habe ich nie mit dem Motorsport begonnen. Das würde Mamas Nerven definitiv ruinieren», erzählt Kevin.

Papa Fere und Mama Beatrice dagegen legen Domi die finanzielle Basis für die Karriere. 80 000 Franken haben die Aegerters allein im vergangenen Jahr investiert. Der grösste Teil davon für Reisen und Pneus. «Domis bisherige Karriere ist ein Einfamilienhaus wert», stellt Fere Aegerter trocken fest.

«Domis bisherige Karriere ist ein Einfamilienhaus wert» Fere Aegerter, Vater

Dazu kommt, dass der Papa Dominiques eigentlicher Arbeitgeber ist. Vom Team um den finnischen Besitzer Ajo Aki gibts die Derbi-Werksmaschine und bescheidene Top-Ten-Punkteprämien zwischen 400 und 2000 Euro. Ein Sackgeld sozusagen. Deshalb arbeitet Dominique im elterlichen Geschäft mit. «Gegen einen Stiftenlohn», wie Fere Aegerter betont. Obwohl Dominique die Lehre als Töffmech abgebrochen hat. Die Eltern wollten es so, der Karriere zuliebe. Und auch weil Domi ein bisschen Feres Träume verwirklicht: Der hatte sich 1975 erfolglos als Beifahrer im Seitenwagen des legendären Rolf Biland beworben.

Nun ist Domi aber dabei, seine eigenen Träume wahrzumachen. Eine Karriere auf Tom Lüthis Spuren. Wofür er alles zu investieren bereit ist. «Die Beziehung mit meiner letzten Freundin ging nach einem Monat in die Brüche. Bei dem Leben, das ich führe, muss eine Frau extrem viel mitmachen wollen», sagt Aegerter. Pathetisch gesprochen: Dominiques Braut ist die Maschine.


Auch interessant