Monica Ursina Jäger Nie ohne Konzept

Monica Ursina Jäger sammelt Bilder und Objekte, denen sie eine neue Identität verleiht. Gleich zwei Galerien in Zürich zeigen die Werke der jungen Künstlerin.
Schwer wiegt die alte Bildröhre. Zu sehen auf der Bildfläche: Ein eingeritztes Bild aus der Serie der Mondlandung.
Schwer wiegt die alte Bildröhre. Zu sehen auf der Bildfläche: Ein eingeritztes Bild aus der Serie der Mondlandung.

Farbe setzt Monica Ursina Jäger, 35, sehr sparsam ein. Nur wenn es für sie wirklich Sinn macht. Etwa als Referenz zur Malerei. Ansonsten bewegt sich die Zürcherin mit Bündner Wurzeln lieber in einer strikt «schwarz-weissen Welt». Als sie 2005 dank einem Atelierstipendium der Visarte Graubünden nach Paris kommt, nimmt sie einfachheitshalber nur Papier und Tusche mit. Und entdeckt die grosse Wirkung der Tuschmalerei. Daraufhin reduziert sie in den Zeichnungen die Sujets radikal, spielt mit Perspektiven, spart grosse, weisse Flächen aus, gibt anderen eine düstere Note. «Zum ersten Mal habe ich mich ausschliesslich mit Kunst beschäftigt», sagt die zierliche junge Frau, die ursprünglich Archäologin werden wollte.

Monica Ursina Jäger entscheidet sich ganz für die Kunst und übersiedelt nach London, wo sie am renommierten Goldsmiths College ihren Master of Fine Arts macht. «Ich wollte den Zugang zur internationalen Kunst finden und Teil davon werden», sagt sie lächelnd, aber bestimmt. London hat die Künstlerin nicht mehr losgelassen. Bald folgt auch ihr Mann, ein Produktdesigner. Doch die Schweiz bleibe weiterhin ein wichtiger Bezugspunkt - und im Übrigen sei Zürich nur ein Katzensprung entfernt.

Monica Ursina Jägers Werke bewegen sich zwischen Konzeptkunst und malerischer Arbeit. Spannend die Installation «Half Forgotten Dreams», wo die Künstlerin Motive aus der Mondlandung auf alte Bildröhren (Kern eines Fernsehgeräts) einritzt. «Auf manchen Röhren waren Bilder eingebrannt, wie in unser Gedächtnis», erklärt sie immer noch staunend. Die Installation, Bezug nehmend auf diesen kollektiven Medienevent, besteht aus zwölf Objekten - genauso viele Männer sind bis jetzt auf dem Mond gelandet.

In der Galerie Visual Drugs in Zürich zeigt die Künstlerin die Serie «Amnesia», Pigmentdrucke auf Papier, die sich mit dem kulturellen Gedächtnisverlust auseinandersetzen. Sie zeigen leere, weite Landschaften, in denen Konturen modernistischer Architektur wie Gedächtnislücken ausgebrannt sind. Zu sehen ist auch die Gross-Installation «Sea of Tranquility», die an einen dichten Wald erinnert. Bloss dass er aus grossen Beleuchtungsstativen mit Fernsehantennen und schwarz bemalten Ästen besteht. Am Boden liegen gravierte Bildröhren inmitten ausgelegter Kabel. Die Arbeit suggeriert kompetente Kommunikation, doch nichts ist angeschlossen oder miteinander vernetzt. Monica Ursina Jäger spielt mit Assoziationen. Und diese führen den Betrachter in ein Spannungsfeld zwischen Natur und Architektur.

Galerie Visual Drugs Zürich
Bis 26. September, Donnerstag und Freitag 14 bis 19 Uhr
Samstag 11 bis 16 Uhr

Galerie Römerapotheke Zürich
Bis 3. Oktober, Mittwoch bis Freitag 14 bis 18.30 Uhr,
Samstag 10 bis 16 Uhr


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