Zürich ganz grün Oasen in der Grossstadt

Ein ganzer Tag zur freien Verfügung – wie schön! Gemütlich aufwachen, statt zu hetzen, den Morgenkaffee geniessen, statt hinunterzustürzen, bequeme Kleidung statt Kostüm. Und dann ab in die Stadt, ins Zentrum des Wohlbefindens – an den Bürkliplatz-Märt.
Natalia Godglück geniesst ihren grünen Freitag.
Natalia Godglück geniesst ihren grünen Freitag.

Jeden Freitag derselbe Genuss: Farben und Gerüche, stetig anders und doch vertraut. Der Markt ist Heimat in der Grossstadt. Jetzt im Herbst ist er besonders schön: Der Morgentau liegt lange auf den Blumen und den Kräutern, der leichte Nebel verstärkt die Düfte. Ein Herr in Anzug streckt der Marktfrau drei sorgfältig ausgesuchte Bio-Rüebli entgegen, kauft dazu zwei Äpfel, eine Birne, ein paar Pflaumen und eine Schale Himbeeren.

«Mit Vitaminen laufen die Bankgeschäfte besser», verabschiedet er sich. Bankgeschäfte? Sind hier weit weg. Die ausgebreiteten Kabisköpfe, Kürbisse, Selleriestängel und Salate strahlen eine ansteckende Frische aus. Hier gibt es Brot, dort locken ­rezente Käse, wilde Pilze und getrocknete Lavendelblüten aus der Provence. Die Marktfrau Bethi Stierli empfiehlt den Kunden Gravensteiner und Boskop, «das gibt schmackhaften Apfelkuchen». Und Kräuterzüchter Martin Ehrle rät: «Im Herbst gehört ein Salbeistöckli in jede Küche. Gegen einen kratzenden Hals hilft nichts besser als das Kauen eines Salbeiblatts.»


Kein Vorbeikommen gibts bei Giovanni Scuderi und seinen italienischen Spe­zialitäten: Antipasti, frische Ravioli, Fenchelsalami und der schwarzbläuliche Dessertkäse Testun al Barolo, der in Traubentrester gereift ist – all das muss rein in den Einkaufskorb. Den ganzen Tag rumgeschleppt wird er heute aber nicht: Für den sicheren Heimtransport gibts das Velotaxi, eine Institution von Sozialhilfe­bezügern. Für zehn Franken kann man sich an am Stand am Bürkliplatz die Einkäufe nach Hause bringen lassen.

Weiter ins Seefeld zur Entdeckung der Genüsse von Bacchus. Eine Top-Adresse für gute Weine ist die Vinothek Brancaia. Neben exklusiven Tropfen aus Italien, Spanien, Portugal, Österreich, Frankreich und der Schweiz bietet die Vinothek verschiedene Gewächse aus den eigenen Weingütern im Chianti und in der Maremma an.

Die Reben werden nach den Richtlinien der integrierten Produktion angebaut. Hier finden sich auch Tropfen in Bio- und biodynamischer Qualität sowie ökologisch angebauten Cava.
Biologische Spitzenweine gibt es auch in Dieter Meiers Feinschmecker-Laden Ojo de Agua. Der Puro des Yello-Musikers stammt vom eigenen Weinberg im argentinischen Mendoza.

Aufgesucht wird das gemütliche Lokal im Wohnzimmerstil jedoch hauptsächlich wegen des äusserst aromatischen Bio-Rindfleisches, das im «Ojo de Agua» in Form von Roastbeef, Tatar, Carpaccio oder Entrecôte genossen wird. Das Premium-Fleisch stammt von Meiers argentinischer Bio-Farm. 16 Gäste finden an wenigen Holztischen Platz. Reservation also empfohlen.

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Auch Fast Food gibts in Bio-Qualität – da lebt sichs doch gleich gesünder. Bio-Lebensmittel und ehrlicher Genuss boomen. Bester Beweis: ihr Einzug in den Fast-Food-Sektor. Im Restaurant und Take-away Not Guilty im Business­quartier Neu-Oerlikon lockt eine reiche Auswahl an Müesli, Joghurt, Salaten, Sandwiches und Suppen. Alles ohne chemische Konservierungs- und Farbstoffe hergestellt. Sie schmecken herrlich!

Manche Speisen werden direkt vor den Augen des Gasts zubereitet, wie zum Beispiel die frischen Salate, die wahlweise mit Bio-Beef, Bio-Chicken, Bio-Crevetten oder Bio-Lachs verfeinert werden. Die gute Nachricht: Ab 2009 wird «Not Guilty» mit zwei Filialen auch in Zürich-City vertreten sein.

Wer stilvoll speisen will, geht in die Old Fashion Bar. Für die frische, regionale und saisonale Küche à la Paul Bocuse greift die Koch-Equipe wenn immer möglich zu Bio-Produkten. So auch bei den Klassikern Gehacktes und Hörnli mit Apfelmus, Züri-Geschnetzeltes mit Rösti, Wiener Schnitzel oder beim beliebten Club-Sandwich mit Pommes Allumettes. Dass die gemütliche Bar mit den rot bemalten Wänden und karierten Polstersesseln seit 2007 Öko-Strom bezieht und auf Energiesparlampen umgestellt hat, macht sie definitiv zu einem «place to be».

Der Spagat zwischen Öko und coolen Styles gelingt nicht nur beim Essen: Auch bei Kleidern, Accessoires und Möbeln wird die Auswahl immer grösser. Einer der Ersten, die voll aufs gute Gewissen setzten, ist der Fashionstore Wink im Niederdorf. Hier gibts modische und edle Trendware. Zwei Drittel des Sortiments ist aus «Organic»-Rohstoffen und «fair trade» gehandelt.

Die Ledertaschen und -stiefel sind aus naturgegerbtem Leder, die Schuhsohlen aus recycelten Autopneus, die Jeans aus Öko-Baumwolle. Im Sortiment auch die Pioniere der Öko- und Fair-Trade-Labels wie Kuyichi, Stewart-Brown, Edun, Customade, Spring Court oder Simple Shoes. Produkte, die auch Superstar Brad Pitt oft und gern trägt.


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