Pipilotti Rist Pipi verzückt Venedig

Bei der Weltpremiere ihres ersten Kinofilms «Pepperminta» hat die Schweizer Star-Künstlerin am Samstag Abend Riesenapplaus geerntet. Mit ihrem Mann und ihrem Team feierte die 47-Jährige später im Kloster S. Nicolo auf dem Lido in Venedig.

Als die Lichter wieder angehen, kommt aus dem dunklen Kinosaal ein anderer Star der Kunst-Szene auf Pipilotti Rist zu: der französische Stararchitekt Jean Nouvel (hat das KKL in Luzern entworfen)! Nouvel, der immer schwarz gekleidete Mann mit Glatze, und Pipilotti Rist, in rose Hosen, rosa Kaftan und roten Zehensandalen, die blonde Mähne zum Haarnest aufgetürmt.

Wie Tag und Nacht – der Baumeister ist ein grosser Fan der Videokünstlerin, ist extra aus Paris angereist: «Das ist ein wunderbarer Film! Farbig, lebensfroh, fröhlich. 100 % Pipi! » Rist arbeitet gerade bei einem Bauprojekt mit Nouvel in Wien zusammen. Sie gestaltet drei Räume in einem Hotel. Es wird nächstes Jahr eröffnet.

Um kurz vor 19 Uhr schritt Rist zusammen mit ihrer Hauptdarstellerin Ewelina Guzik («Pepperminta») und Hauptdarsteller Sven Pippig («Werven») über den roten Teppich vor dem kleinen Kinosaal Sala Darcena. Hinter sich ein ganzes Gefolge: ihr Zürcher Team, Vertreter der Filmgesellschaft Hugo-Films, Freunde, Familie. Zum ersten Mal steht die Filmemacherin im Blitzlichtgewitter, und es war ihr richtig unangenehm! Wo sonst die Stars minutenlang für die Fotografen posieren, rannte Pipilotti die Stufen hoch zum Kinosaal.

Ein Fernsehteam brüllt sie zurück vor die Kamera. Da steht sie nun im Scheinwerferlicht und sagt: «Was ich fühle, wenn ich über den roten Teppich gehe? Die Holzplanken hier drunter», und sie stapft zweimal mit dem Fuss auf, «die klingen ganz schön hohl! »

Nur nichts zu Ernst nehmen! Rist bleibt selbst in der Stunde ihres grössten Erfolgs humorvoll und bodenständig. Und ab jetzt gilt: «Meine Hauptdarstellerin ist nun ein Kinostar. Zukünftig schicke ich Sie vor. Da kann ich mich besser verstecken.»

Es war eine glanzvolle Premiere. Hier in Venedig, wo sonst vor allem die grossen Kinostars wie Matt Damon und Eva Mendes frenetisch bejubelt werden, konnte sich Rist mit ihrem modernen Märchen vor einem verwöhnten Publikum behaupten. Die Premierenparty mit rund hundert Gästen im Kloster San Nicolo dauerte bis lange nach Mitternacht.

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