«Der Bachelor» Psychologin: «Die Frauen haben schon viel investiert»

Ein letztes Mal trifft Paul Janke am Mittwochabend seine Wahl und entscheidet sich für seine Traumfrau. SI online sprach kurz vor dem Finale der Kuppelshow «Der Bachelor» mit der Beziehungsexpertin und Psychologin Wiebke Neberich. Wie stehen die Chancen, dass Paul tatsächlich glücklich wird? Und: Funktioniert das Konzept der TV-Sendung überhaupt - sie weiss Antwort.

SI online: Wiebke Neberich, derzeit sorgt die TV-Sendung «Der Bachelor» für Furore. Ein Mann sucht aus 20 Kandidatinnen seine Traumfrau aus. Geht das überhaupt?
Wiebke Neberich:
Möglich ist alles. Aber: Je grösser die Auswahl, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Partner zu finden. Bei diesem Format muss man auch sehen, dass bereits eine Vorwahl getroffen wurde. Vermutlich hat der Sender Frauen gesucht, die dem Bachelor ähnlich sind in Bezug auf die Attraktivität, den Bildungsstand, das Alter, die Körpergrösse - das ist eigentlich eine gute Grundlage. Zusätzlich dürften alle Teilnehmenden eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur besitzen, sonst würden sie nicht in einer Fernsehsendung mitmachen. Sie sind mit grosser Wahrscheinlichkeit eher risikobereit, abenteuerlustig und kommunikativ.

Dennoch wussten auch die Frauen nicht, was sie erwartet.
Man kann davon ausgehen, dass für ein solches Format kein unattraktiver Mann ausgewählt wird. Das Wort «Bachelor» impliziert schon einen schönen, gut situierten Mann.

Der Bachelor Paul Janke durfte sich während der ganzen Sendung mit Frauen zu Einzeldates verabreden, um sie besser kennenzulernen. In der Nacht der Rosen musste er sich jeweils von mehreren verabschieden. Inwieweit konnte er da eine angemessene Entscheidung treffen?

Ich denke, dass man nach einem ersten Date bereits sagen kann, ob das Gegenüber etwas für einen ist oder nicht: Man merkt von Anfang an, ob die Chemie stimmt, ob der Funke überspringt, ob die Attraktivität stimmt. Das Allerwichtigste ist, auf sein Bauchgefühl zu achten und sich zu fragen, wie man sich in der Gegenwart der anderen Person fühlt. Ausstrahlung, Humor, Verhalten - das wirkt in den ersten Momenten auf uns ein und hilft zu entscheiden, ob man sich eine Partnerschaft mit der- oder demjenigen vorstellen könnte. Für dieses Stadium des Kennenlernens sind diese Faktoren sehr verlässlich...

... und später nicht mehr?
Je länger eine Beziehung dauert, desto geringer ist die Chance, dass man sich trennt. Zu einem späteren Zeitpunkt zählen in der Beziehung nicht mehr hauptsächlich die gleichen Punkte wie beim ersten Kennenlernen. Die Gesetze der Partnerwahl unterscheiden sich definitiv von den Gesetzen der Partnerschaft.

Sie haben immer wieder die Attraktivität angesprochen. Welche Rolle spielt sie in einer Beziehung?
Zu Beginn gehört die Attraktivität zu den wichtigen Auswahlkriterien. Wir besitzen ein unbewusstes Barometer, das uns anzeigt, ob das Gegenüber in der gleichen Liga spielt wie wir selbst. Die objektiven Attraktivitätspunkte sind zum Beispiel der Body-Mass-Index oder die Symmetrie eines Gesichtes. Hinzu kommen aber auch noch Dinge, die im Auge des Betrachters liegen: dazu zählen Humor, Witz, Kommunikationsverhalten, Charme.

In der vergangenen Woche waren bei «Der Bachelor» noch drei Frauen übrig. Paul traf alle zu einem Einzeldate - bei dem es zur Sache ging. Zwischen den Damen und dem Bachelor kam es scheinbar zu Sex oder anderen sexuellen Spielereien. Wieso lassen sich Frauen überhaupt auf solche Spielchen ein?
Diese drei Frauen haben schon viel investiert: Sie haben Castings durchlaufen, um es unter die letzten 20 Kandidatinnen zu schaffen. Sie haben öffentlich gezeigt, dass sie einem Mann die Wahl überlassen. Sie gingen immer wieder das Risiko ein, eine Abweisung zu erhalten. Eine Abweisung ist für jeden Menschen eine Art des Versagens, des nicht Geliebt- und nicht Gewolltwerdens. Das Risiko ist hoch, nicht ins Ziel - also ins Finale zu kommen oder dieses sogar zu gewinnen - deshalb geben sie kurz davor noch einmal alles.

Nach der gemeinsamen Nacht mit Paul waren Anja, Sissi und die mittlerweile ausgeschiedene Katja alle hin und weg von Paul.

Das ist ein altbekanntes Phänomen: Frauen versuchen zwar, Sex von Liebe zu trennen - doch eigentlich wissen es alle, dass das einfach nicht geht. Sex ändert bei Frauen alles, schon allein aus rein biologischen Gründen: Sie fühlen sich danach bedürftiger und unsicherer. Bei Männern wird nicht der selbe Prozess ausgelöst - das ist biologisch gesehen ein bisschen ungerecht.

Paul geniesst es sichtlich, von so vielen Frauen umschwärmt zu werden und will sich einfach nie festlegen.
Wer sitzt schon nicht gerne am längeren Hebel und hat freie Auswahl? Das pusht das Selbstwertgefühl unglaublich - das wäre umgekehrt ähnlich.

Am Mittwochabend erfahren die Fernsehzuschauer endlich, für welche der Kandidatinnen sich Paul entscheiden wird, allerdings nicht live: Die Show wurde bereits vor zwei Monaten aufgezeichnet. Seither durfte Paul seine Herzdame nicht sehen und behauptete von sich selbst, abstinent zu leben. Können die beiden dennoch glücklich werden?
Das kann sich positiv auswirken, ja: Eine solche Zeitspanne führt dazu, dass die Spannung steigt, die Verliebtheit grösser wird. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass man den anderen vergisst, da man sich gar noch nicht an seine Anwesenheit gewöhnt hat. Das hängt wirklich davon ob, wie aktiv man sein Single-Leben gestaltet und wie verliebt man ist.

Nicht jeder kann seinen Partner in einer Fernsehshow finden. Worauf kommt es im richtigen Leben an?
Die Partnersuche ist eigentlich einfach - aber nicht leicht. Die beste Voraussetzung ist, wirklich jemanden kennenlernen zu wollen und bereit zu sein, für denjenigen auch Platz in seinem eigenen Leben zu schaffen. Und zwar nicht mit dem Anliegen, die eigenen Defizite auszugleichen, sondern weil man sich wirklich für jemand anderen interessiert und begeistert.

Das klingt sehr theoretisch.

Die ausschlaggebenden Punkte sind Folgende: Aufmerksamkeit schenken, Zuhören, Hinsehen und wirkliches Interesse zeigen. Dabei gleichzeitig sich selbst auch ein wenig öffnen und Dinge mitteilen, für die man sich leidenschaftlich begeistern kann. Das wirkt attraktiv und anziehend.

Wiebke Neberich ist Beziehungsexpertin und Psychologin bei der Online-Partnervermittlung eDarling.

Alles zur Sendung «Der Bachelor» mit Paul Janke finden Sie im grossen SI-online-Dossier zum Thema.

Die nächste und letzte Folge zeigt RTL am Mittwoch, 22. Februar 2012, um 21.15 Uhr.

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