Roman Wick Roman rockt das WM-Eis

Mit dem Hockeystock blitzschnell, an der Gitarre virtuos: Klotens Roman Wick, 23, ist musikalisch so talentiert wie auf dem Eis. Und in der Wohngemeinschaft mit Schwester Stephanie bestens aufgehoben.
Nach Spielen greift Roman öfter noch zwei Stunden in die Saiten. «Das beruhigt mich.»
Nach Spielen greift Roman öfter noch zwei Stunden in die Saiten. «Das beruhigt mich.»

«Angie, Aaangie» – der Rolling-Stones-Klassiker tönt einschmeichelnd durchs Wohnzimmer. Gekonnt und mit Gefühl greift Roman Wick in die Saiten seiner Gitarre. Wie viele Lektionen es dafür wohl beim Instrumentallehrer gebraucht hat? «Nicht eine einzige! Ich habe mir das Gitarrespielen übers Internet selbst beigebracht. Auf Youtube gibts Filme, die alle Griffe und Tricks zeigen.»

Die Inspiration kam von Papa ­Marcel, 50. Der alt Internationale mit Hockeylegenden-Status ist ebenfalls begeisterter Hobby-Musiker. «Er spielt schon noch ein Stück besser als ich. Cool ist es, wenn wir zusammen bei ihm zu Hause loslegen. Mit seinen gewaltigen Verstärkern gehts dann richtig ab.»

Auch diesbezüglich möchte Wick junior aufholen: «Ich bin nicht auf ­Luxus versessen. Autos und Uhren ­interessieren mich wenig. Aber eine edlere Gitarre, eine Gibson oder Fender, will ich mir schon mal leisten.»

Roman, der Autodidakt. Was der Zürcher Sonnyboy anpackt, gelingt in der Regel auf Anhieb. Im Eishockey hats zwar für das Klotener Urgewächs trotz zwei Jahren in der stärksten Ju­niorenliga Kanadas noch nicht für die grosse NHL gereicht. Doch die Fach­leute zweifeln nicht daran, dass der ­Flügelstürmer mit dem Flair für die «tödliche» Torvorlage in der besten Liga der Welt Karriere machen wird.

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In den laufenden Playoffs ist er bei Titelkandidat Nummer 1, den Kloten Flyers, zum Schlüsselspieler avanciert. Und auch Natitrainer Ralph Kruger baut an der WM im eigenen Land auf seine Schnelligkeit, Technik und seinen Spielwitz.

«Roman hat mehr Talent, als ich es hatte», sagt Papa Marcel Wick, «und auch dank seinem kaum aus­zurechnenden Spiel hat er jetzt ganz klar das Zeug für die NHL. Bei Kruger hat er nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. Ich bin sicher: Nach einer guten WM kommen die Angebote.»

Es wäre für den stolzen Papa auch ein bisschen die späte Erfüllung seiner eigenen Träume. Selbst wenn Romans zweiter Sprung nach Übersee nicht nur eitel Freude auslösen würde. «Von mir aus darf er gar nicht mehr gehen. Ich würde ihn total vermissen», bekennt die hübsche junge Frau, mit der Roman seit vergangenem September die Wohnung in Opfikon-Glattbrugg teilt.

«In der Pubertät sind wir uns ziemlich auf die Nerven gegangen. Aber jetzt ists cool mit Stephanie»

Schwester Stephanie, 22, kann sich ein häusliches Leben ohne Roman nicht vorstellen. «Er ist absolut ehrlich und spontan, und unsere Gespräche beim Abendessen zu Hause sind ein vertrautes Ritual geworden», sagt die Tänzerin in Ausbildung.

Dabei war es gar nicht selbstverständlich, dass die Geschwister zusammengefunden haben. «Während der Pubertät sind wir uns ziemlich auf die Nerven gegangen», erinnert sich Roman und lacht.

«Doch als vergangenen Herbst mein Teamkumpel und WG-Mitbewohner Romano Lemm überraschend nach Lugano wechselte und Stephanie ebenfalls eine neue Bleibe suchte, probierten wirs zusammen. Es ist echt cool mit ihr!» Beide haben in der zweistöckigen Wohnung eine Etage für sich. Die Haushaltsarbeiten sind gerecht aufgeteilt. Romans Bereich: die Ordnung im Wohnzimmer.

Keine Freundin, die die Idylle der Geschwister Wick gefährdet? «Seit etwa einem Jahr bin ich wieder Single. Und es eilt nicht mit einer neuen Beziehung. Ich merke dann schon, wenn die Richtige kommt.» Weibliche Flyers-Fans, die den Beau mit dem dunkeln Wuschelkopf umschwärmen? Stephanie hebt viel­sagend die Brauen – ihr Bruder bleibt cool: «Gibts schon. Aber wer will schon eine Beziehung mit einem Groupie …?»

Der Hockey-Irrwisch pokert in privaten Dingen hoch. Kein Wunder – das Spiel mit Bluff und Geduld liegt ihm. In Kanada hat er das Pokern gelernt. ­Heute ist es sein grosses Hobby nach dem ­Gitarrenspiel. «Ich liebe die Runden mit meinen Hockeykumpels.

Aber um mehr als vielleicht 200 Franken gehts nie. Dafür habe ich mein erstes Wettkampf-Turnier hinter mir. Im Casino Baden wurde ich unter 60 Teilnehmern Achter. Als Siebter hätte ich noch Preisgeld geholt. Nächstes Mal vielleicht …»

Roman hat gelernt, auch mit kleinen Schritten vorwärtszukommen. Bei den Nachwuchsteams von Red Deer und Lethbridge in Kanada musste er mit 400 Dollar Gehalt auskommen. Dazu gabs Kost und Logis sowie viele unbezahlbare Erfahrungen in Sachen «wahres Eishockeyleben».

Wick war so überzeugt, dass er seinem Juniorenkumpel Luca Sbisa zum Schritt nach Kanada riet und ihm gleich noch seine einstige Gastfamilie in Kanada empfahl. Bei der sich NHL-Newcomer Sbisa dann ebenso wohlfühlte wie Roman selbst.

Ein weiteres Jahr Kloten Flyers hält Roman Wick zurzeit für «durchaus sinnvoll». Auch wenn er in der Teamkabine wegen seiner Fussballvorliebe für Bayern München oft «unten durchmuss». Noch nimmt ers mit Gelassenheit. Er ist kein Mann der lauten Töne. Zumindest nicht verbal. Mit der Gitarre dürfens schon mal ein paar Dezibel mehr sein.


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